Klangvolle Truhenorgel – wie?

Friedrich @, Mittwoch, 27. August 2014, 11:42 (vor 4453 Tagen)

Liebe Forenser,

aus Neugier gefragt: Wie ist das eigentlich mit dem Klang von Truhenorgeln?

Sie werden von Gemeinden, Orchestern und Heimorglern geschätzt. Da vermute ich aber sehr unterschiedliche Klangprofile. Zum Beispiel hat eigentlich immer nur ein einziger ausgebauter 8' Platz. In der 4’-Lage hat man auch keine luxurösen Möglichkeiten. Darüber ist zwar vieles möglich – aber dann wird es eine Entscheidungsfrage, wozu das Örgelchen dienen soll.

Zuhause brauche ich nicht mehr als einen 2’, möglichst wenig brillant. In einer Kapelle muss der aber schon mal die Mixtur vertreten und die Melodielinie klären. Und wenn das Örgelchen für ein Händel-Konzert, ein Bachkantaten-Solo oder eine Mozart-Kirchensonate herhalten soll – bei Alte-Musik-Ensembles beliebt –, dann macht ein kräftiger 2’ den Klang nicht nur laut, sondern auch klein. Anscheinend glaubt man in solchen Ensembles inzwischen, dass Orgeln bei Händel piepsen müssen. DDabei hatte Händels Theaterorgel wahrscheinlich zwei Manuale und einen Prinzipalchor 8-4-3-2 im Hauptwerk und war außerdem klassisch zweistöckig angelegt, sodass das Pfeifenwerk mindestens in Brusthöhe des Spielers sprach (siehe die berühmte Händel-Karikatur “The Charming Brute”). Das ist aber etwas ganz anderes als eine Truhe mit einer Windlade in Knöchelhöhe.

Außerdem scheinen manche Truhen immer noch Kinderkrankheiten zu haben. Ich habe von neuen Instrumenten gehört, die tunlichst nicht mehr als dreistimmig gespielt werden sollten, weil sonst der Wind nicht reiche. So eine Orgel sollte der Orgelbauer eigentlich zurücknehmen müssen, denn sie genügt nicht mal anspruchslosester Generalbasspraxis.

Zwei schöne Truhen, die ich gehört habe:
Peter Collins in Freiburg-Günterstal, ein erfolgreiches Serienmodell; Holzgedackt 8’ (Bass liegend als Wand unter der Tastatur), Rohrflöte und Prinzipal 4’ (C-H gemeinsam), Flageolet 2, changierender 1 1/3'.
Die Truhe von Gerhard Oppelt in der Berliner Luisenkirche mit zwei Keilbälgen auf dem Dach, von Hand aufzuziehen.
Beide Orgeln klingen ausgewogen, im Tutti kräftig und haben eine gewisse Fülle im Bass. Die Collins-Orgel hat sich – in einer gar nicht so kleinen Kirche – auch schon als Ersatz für die Hauptorgel bewährt, als die überholt wurde.

Fragen ins Forum, an Musiker, Hörer und sehr gerne auch Orgelbauer:

Was macht für euch eine schöne Truhenorgel aus?
Was für eine wünschen sich die Musiker?
Wo liegen für die Orgelbauer die Herausforderungen?

Viele Grüße
Friedrich


* Wahrscheinliche Disposition: I. 8-8-4-3-2, II. 8-4 oder 8-8-4 oder 8-4-2, kein Pedal, 8'-Stimmen im Bass eventuell teilweise zusammengeführt.


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