Romanik aus dem Jahr 1960... heute im Fernsehen!

Wolfgang Gourgé @, Sonntag, 17. August 2014, 23:29 (vor 4459 Tagen) @ Horn 8'

Natürlich bin ich als jemand, der direkt in die Domsanierung eingebunden war und ist, voreingenommen. Trotzdem - oder gerade deshalb - behaupte ich, dass das ganze Sanierungsprojekt nur von dem (richtig) beurteilt werden kann, der die Geschichte des Domes kennt, der weiß, dass viele Kunstschätze letztlich liturgische Funktion besitzen. Sie können nur dann richtig genutzt werden, wenn sie in einer gewissen Anordnung im Raum und zueinander stehen. Bernwardstür, Taufbecken, Hezilo- und Thietmarleuchter, Christussäule und Irmensäule kommen natürlich in einem auch farbig nicht überladenen Raum wesentlich besser zur Geltung.

....darüber mag man diskutieren. Was mich stört (und nach meinem Eindruck auch "Große Pfeife", aber ich möchte mir nicht anmaßen, für ihn zu sprechen), ist, daß es (diplomatisch formuliert) unaufrichtig ist, hier von "Romanik" bzw. "Gotik" zu sprechen. Ein Bauwerk von 1960 ist weder das eine noch das andere, und es ist auch niemals neogotisch bzw. neoromanisch, weil das ebenfalls längst abgeschlossene Stilepochen des Historismus sind. Und um das zu erkennen, muß man nicht nach Hildesheim fahren. Da kommt nunmal der Verdacht auf, daß unbedarfte Zeitgenossen hinters Licht geführt werden sollen, um die gut 30 Millionen, die die Sanierung gekostet hat, unter PR-Gesichtspunkten besser "verkaufen" zu können - würde man ehrlich sagen, daß es um die Korrektur nachkriegstypischer architektonischer Fehler und Baumängel einer Kirche von 1960 geht, täte man sich wesentlich schwerer mit der öffentlichen Begründung der Kosten. Btw: die teure neue Bischofsgruft ist aus meiner bescheidenen Sicht überflüssig - aber was dem einen das Koi-Becken, ist halt dem anderen seine Gruft.

Gruß (durchaus freundlich übrigens),
Wolfgang


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