Wiederinbetriebnahme Kemper-Orgel, Rhein-Mosel-Halle, Koblenz

Wolfgang Gourgé @, Freitag, 25. Juli 2014, 21:34 (vor 4485 Tagen) @ kjz1

Hallo!

Da immer noch Saure Gurken Zeit ist, hat unsere Regionalzeitung heute wieder einen Orgelartikel publiziert (aber auch aus anderen Gründen, dazu später mehr).

Unsere Stadthalle wurde in den letzten Jahren generalsaniert und bis auf den Beton entkernt. Da musste natürlich auch die Orgel weichen. Es handelt sich dabei um eine 1963 (zusammen mit der Halle) erbaute Kemperin: IV/70, elektropneumatische Traktur, 5674 Pfeifen. Zur Zeit ihrer Erbauung war sie die größte Profanorgel in Deutschland.

Die Orgel ist in 2 Kammern (relativ weit voneinander getrennt) links und rechts der Bühne aufgestellt. Aufgrund dieser nicht unbedingt optimalen Aufstellung sollen (gerüchteweise) andere Orgelbauer damals den Auftrag abgelehnt haben. Von der Orgel sieht man normalerweise recht wenig, sie ist auf diesem Bild hinter den dunklen Vorhängen ganz links und rechts augestellt. Bei Konzerten werden die Vorhänge aufgezogen und die Holzschutzwand dahinter aufgeklappt. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Akustik der Halle ziemlich 'staubtrocken' ist.

Zwischenzeitlich wurde die Orgel zweimal durch eine 'übereifrige' Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt, was natürlich zu Schäden geführt hat.

Orgelbauer H. Mayer (der z. Zt. auch die Orgel in St. Kastor hier in der Stadt baut) hat die Orgel jetzt renoviert. Die Kosten beliefen sich auf 150 - 170.000 Euro. Im Wesentlichen wurde die Orgel dem Bericht nach ausgebaut, gereinigt, repariert, gestimmt und wieder eingebaut. Also keine klanglich umfassende Überarbeitung.

Wesentliche Änderungen: die Windversorgung wurde verbessert und es wurde die Elektrik (bisher ein armdickes Kabel am Spieltisch) auf ein Bussystem umgestellt. Jetzt genügt ein dünnes Glasfaserkabel zum Spieltisch. Bisher hatte die Orgel auch nur 4 freie Kombinationen. Der Zeitungsverleger hat zusätzlich 20.000 Euro gestiftet, so dass jetzt (in einer Schublade am Spieltisch programmierbar) eine elektronische Setzeranlage mit 10.000 Kombinationen zur Verfügung steht.

Die Orgel soll mit einem Konzert (Manfred Faig, Koblenz; Jörg Schwab, Freiburg) am 17. Oktober (Bach, Improvisationen, das Poulenc-Konzert) wieder in Betrieb genommen werden.

Viele Grüße,

- Karl-Josef

.....diese Halle verströmt den Charme eines Urologenkongresses - die Orgel wahrscheinlich auch.....

Wozu ja paßt, daß sie schon zweimal von der Sprinkleranlage unter Wasser gesetzt wurde. Ich hab's schon mal erwähnt, aber aus diesem Anlaß nochmal: in den 1970ern, eine Orgelbauer-Runde, dabei auch Kemper-Leute. Einer von ihnen: "unseren Orgeln kann Feuchtigkeit nichts anhaben!" - Antwort aus der Gruppe: "...und unter Wasser klingen eure Orgeln sogar noch viel besser....."

Sorry, Karl-Josef, ich hoffe, Du bist kein Koblenzer Lokalpatriot.....

feuchte Grüße,
Wolfgang


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