Holtkamp/indirekter Klang

Friedrich @, Sonntag, 23. März 2014, 22:40 (vor 4598 Tagen) @ hardy
bearbeitet von Friedrich, Sonntag, 23. März 2014, 22:58

oh, sorry, da ist was schiefgelaufen...
Ich meinte nur noch, daß ich eine Aufnahme (LP) einer Skinner-Orgel in Los Angeles besitze; das Gerät klingt eigentlich nur irgendwie dumpf, wie Du schon sagtest, uuuum oder so, und dann noch kaum Akustik im Raum. Auch wenn Skinner noch so gelobt wird, wenn die Orgel an der falschen Stelle steht mit den von Dir genannten Konsequenzen, hilft es auch nicht viel.

Eine der in meinen Ohren aussagekräftigsten Aufnahmen vom Skinner-Klang hat natürlich JAV gemacht: diese hier. Das ist eine mittelgroße Orgel von 1915 im Originalzustand, sie steht in einer akustisch warmen, aber fast ganz nachhallfreien Kirche. Der Klang hat schon Qualität, er ist extrem gleichmäßig und rund und hat große Dynamik, vor allem wegen des groß besetzten Schwellwerks und der mächtigen Pedalbässe (alle übrigen Manualwerke haben nur ein paar 8’- und 4’-Grundstimmen – darunter kein 4’-Prinzipal – und 8’-Zungen). Alles ist sehr weich intoniert, auch die Schwellwerksmixtur (die einzige in der ganzen Orgel) gibt nur ein mattes Schimmern. Die vollbecherigen Zungen haben, wenn man genau hinhört, ein feines Klingeln im Hintergrund, das finde ich edel und habe es selten anderswo gehört.

Aber alles klingt eben wie aus Wagners verdecktem Orchester heraus: weich, einheitlich und breit, an der Rampe vielleicht ein paar Solisten: der Heldentenor (Tuba, Tromba) oder die Walküre (Flauto mirabilis). Dafür Röhrenglocken.

Man muss sich dran gewöhnen, und ein Kundiger muss am Spieltisch sitzen, dann geht’s. Aber der Hunger nach einem kräftigen, ungehemmt sprechenden Prinzipalchor wächst minütlich.

Gruß,
Friedrich


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