Neues von Herrn Bach

Florian-L @, Freitag, 07. März 2014, 09:00 (vor 4610 Tagen) @ Hilbrands

Ich selbst erkenne nicht gerade eine Ähnlichkeit zum Haußmann-Bild.

Der Schriftsteller und Maler Wolfgang Hildesheimer geht in seiner Rede "Der ferne Bach" mit Haußmann hart ins Gericht.
Da heißt es unter anderem:

Wir dürfen uns von der relativen Ähnlichkeit der bestehenden Bildnisse nicht irreführen lassen, vor allem nicht von den immer wiederkehrenden Topoi der Perücke und der Halsbinde, die natürlich stark ähnlichkeitsfördernd wirken, vor allem, da Bachs Perücke, eine bescheidenere, gleichsam protestantische Variante der ausladenden Allongeperücke, sonst selten dargestellt erscheint. Nicht nur sind die Provenienzquellen unverläßlich, sondern es hat auch, im Lauf eines vollen Jahrhunderts, ein Maler vom anderen abgemalt, weshalb denn Bach ausschließlich im nach links gewandten Halbprofil zu sehen ist. Und so wurde denn sein Bild mit jedem Porträtisten unwahrscheinlicher, denn zu alledem haben wir es bei den Künstlern, einschließlich des Schöpfers des am meisten strapazierten, zwar authentischen, aber stümperhaften - übrigens ebenfalls mehrfach übermalten - Bildes, Elias Gottlob Haußmann, niemals mit wahrer malerischer Qualität zu tun, sondern mit Kopisten und Restauratoren. Es handelt sich also um getrübte Sichten aus zweiter und dritter Hand, und so sehen wir denn den visuell tradierten Bach vor uns, feist und fleischig, mit einem Ausdruck, der nicht recht definierbar ist. ... In Wirklichkeit wissen wir also nicht, wie Bach ausgesehen hat, und schon gar nichts über seine Statur, seine Haltung oder die Wirkung seines Auftretens. Die Sekundärquelle der bildlichen Darstellung hat versagt.

Gruß, Florian


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