Neues von Herrn Bach

Friedrich @, Donnerstag, 06. März 2014, 17:46 (vor 4611 Tagen) @ Hilbrands
bearbeitet von Friedrich, Donnerstag, 06. März 2014, 18:46

Ich selbst erkenne nicht gerade eine Ähnlichkeit zum Haußmann-Bild.

Zumindest gibt es einige wichtige Partien, die nicht passen*.

Beim »neuen« Porträt stimmen der Unterbiss, die Augenbrauenwülste mit den strengen Falten über der Nase und die Mund- und Wangenpartien ganz gut überein, bis hin zum blauschwarzen Bartschatten (Achtung: Unser Bach hatte mindestens dunkelbraune Haare, wenn nicht schwarze!). Der Schwung der schmalen, breit gezogenen Lippen ist ebenfalls ähnlich; allerdings waren Münder und Lippenschwünge immer mindestens ebenso Tagesmoden unterworfen wie die Kleidung, und man sollte nicht unbedingt viel darauf geben.

Entscheidend finde ich aber, was nicht hinkommt. Da sind zum Beispiel die recht markanten, einfach geschwungenen Brauen bei Haußmann gegenüber den schmalen, komplexeren im »neuen« Porträt. Dann hat der »Neue« blaue Augen – Haußmanns Bach hat braune, was zur Haarfarbe passen würde – und eine ganz andere Lidfalte. Die kann zwar im Lauf der Jahre von einem Fettwulst versteckt worden sein. Aber vor allem die beiden Nasen haben nichts miteinander zu tun. Haußmanns Bach-Nase ist kurz – damit lässt sie eine breite Oberlippenpartie –, gerade, hat einen breiten Rücken und einen markanten Knubbel vorne. Die Nase des Mannes auf dem »neuen« Porträt ist konvex geschwungen und so lang, dass die Oberlippenpartie so kurz wirkt wie die eines Zahnlosen (was damals nicht ungewöhnlich war); der Rücken ist sehr fein, die Spitze leicht abgesetzt und wiederum sehr fein.

Das sind ganz klar zwei verschiedene Nasen. Entweder man unterstellt also mindestens einem der beiden Maler den Kardinalfehler, ein schlechter Beobachter zu sein. Oder man gibt zu, dass die zwei Nasen zu zwei verschiedenen Männern gehören müssen und dass das Haussmann-Porträt weiterhin das einzige verbürgte Bach-Porträt ist, das wir haben.

Viele Grüße,
Friedrich

* Dabei sollte man aber mitdenken, dass Haussmann zwar ein guter Maler war, dass aber sein Porträt auch Schwächen zeigt. Das Gesicht geht nicht komplett in der Dreiviertelperspektive auf, wie man am korrekt verkürzten Mund erkennen kann; Bachs linke Gesichtshälfte ist etwas nach vorne geklappt, das Auge wirkt dadurch zu lang und sitzt zu tief. Dieser fast schon kubistische Effekt des einzigen belegbaren Porträts gehört schon so sehr zu unserem Bach-Bild, dass wir unbewusst alle anderen daran messen, obwohl das eigentlich ein Kunstfehler Haußmanns ist. (Die winzige Hand dürfte auch frei erfunden oder eine Lehrlingsarbeit sein, so wenig geht sie ins anatomische Detail.)


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