GD der Synode der EKiR. Nun danket alle Gott mit Band?

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 17. Januar 2026, 22:04 (vor 226 Tagen) @ Große Pfeife
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 17. Januar 2026, 22:18


Ich wollte es eigentlich löschen und mich über
meine neue alte Hausorgel freuen.
Wer Tiefe und Authentizität will, Statement ist, nicht Anbiederung. Wer Lärm, Künstlichkeit
und Aufgesetztheit und Modeerscheinung meidet: Wer geht kommt dann zum Popkantor? Und wie viele?
(Anhand der Formulierung ist schon klar: Ich bin so oder so raus).
Und damit geht es mir ganz gut.

....man kann über ABBA denken, wie man will, mein Fall war's nie und ist es auch heute nicht - aber erstens waren die nicht schlechterdings blöd und zweitens hat diese Musik in dem Genre, in dem sie funktionieren sollte, auch tatsächlich funktioniert. Nur würden Björn Ulvaeus und Benny Andersson wohl kaum auf die Idee kommen, ihre Songs hätten irgendwas mit Kirchen oder Liturgie zu tun. Die Idee, einen ABBA-Gottesdienst zu machen, ist schlichtweg lächerlich, und wer auf diese Idee gekommen ist, sollte sich wirklich mal überlegen, welche Altersgruppe er damit anspricht - Poupoulcourouse hat dazu schon das richtige gesagt. Ich kenne auch jemanden, der Taizé mag - die (sehr nette) Dame ist Mitte 80. Wann muss man mit dem ersten Richard-Clayderman-Gottesdienst rechnen?

Was einem in diesem Gottesdienst zugemutet wird, durchschlägt wirklich *jedes* Netz auf dem Weg in den Abgrund. Schon der Anfang mit dem Klimper-Titel "The Beginning" - ein Werk, das besser nie das Licht der Notenpulte erblickt hätte - ist flacher als die Goldschicht auf der billigsten Versandhaus-Uhr, und danach wird es noch schlimmer.

Was ich persönlich so bestürzend finde, ist die totale Ignoranz des Präses und seines Leitungspersonals. Am Ende heißt es allen Ernstes, er danke für die "wunderbare, schwungvolle Gestaltung" (die in Wahrheit so viel "Drive" hat wie ein leiernder Kassettenrecorder), die eine "schöne Werbung für die neue Kirchenmusik" sei. Wie bitte? Wie wenig Bildung muss man haben, um im Ernst zu glauben, mit solchen Darbietungen die gesellschaftlichen Schichten ansprechen und halten zu können, die gerade die evangelische Kirche für ihr Überleben braucht - nämlich die gebildeten Verdiener und Steuerzahler?

Was man hier sieht, ist das totale Scheitern des Modells "Popkantor/in". Verräterisch ist schon die Aufforderung vor "Nun danket alle Gott" an die Gemeinde, sie solle "gerne mit einstimmen". Gilt im Protestantismus nicht der Gemeindegesang als integraler Bestandteil der Verkündigung? Und wieso muss man zum Singen auffordern? Ganz einfach: weil die Bands mit ihren Sängern die Gemeinden in eine rein passive Rolle drängen. Das ließ sich auch in anderen Beispielen schon mitverfolgen: die Popkantorin singt mit ihrer Band, die Gemeinde lässt es über sich ergehen. Mit dem eigentlichen protestantischen Musikverständnis hat das nichts mehr zu tun.

Nicht zuletzt: man sieht, wie erstarrt diese Szene eigentlich ist. Nichts ist neu, nichts originell, nichts gut. Vor gut vierzig Jahren, zu meiner Schulzeit, klang es schon genauso, und es war genauso flach, pseudo-rockig, pseudo-poppig. Jede gut gemachte Reklamemusik schlägt das um Längen. Da singt die Band am Schluss "es ist nie zu spät für einen Neuanfang" - den sie selbst am nötigsten hätte mit ihrem 80er Jahre-Kirchentagsstil, der einem längst zu den Ohren heraushängt.

Eh alles egal. Sollen sie untergehen. Diese Kirche braucht niemand.


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