Spieltisch; war: Glatter-Götz-Rosales-Orgel Trinity Church NYC eingeweiht

Contrebasson 32' @, Wien, Samstag, 25. Oktober 2025, 23:47 (vor 315 Tagen) @ Robert212
bearbeitet von Contrebasson 32', Samstag, 25. Oktober 2025, 23:52

Es ist sehr schwierig, Spieltische großer Orgeln zu gestalten. Wir sehen das aktuell in Passau. Nicht alles, was möglich ist, ist den Kostenaufwand wert. So haben wir uns bewusst gegen höhenverstellbare Manuale und Pedal entschieden. Ebenso gegen Laufzeitanpassung von Teilorgeln gemäß Hörerposition oder dynamische Ventilsteuerung gemäß Tastenstellung.

Volles Verständnis, nur weil man aus dem vollen schöpfen kann, muss man das nicht zwingend. Nennt man Ökonomie der Mittel. Entsprechend verstehe ich, wenn man sich gegen Laufzeitanpassungen oder Proportionaltraktur entscheidet. Auch über Design lässt sich streiten.

Aber bei der Ergonomie zu sparen, halte ich persönlich für nicht sinnvoll. Ich bin über 190 cm groß und hatte an einer meiner alten Dienstorgeln die Wahl, ob ich mir je nach Höhe der Orgelbank lieber die Knie stoße oder mein Pedalspiel einschränke. Eine andere Orgel im Seelsorgsbereich hatte ein amerikanisches Pedal. Das war bei meinem ersten Gottesdienst dort eine ziemliche Überraschung - und stressig.
Entsprechend bin ich ein Fan aller sinnvollen Features, die es - u.a. neber der allgemeinem Übersichtlichkeit der Registeranordnung, sprechenden Bezeichnungen für Register und Spielhilfen sowie einer einfachen Bedienlogik des Setzers - einem Spieler ermöglichen, sich möglichst schnell heimisch zu fühlen, sodass man sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren kann. Das beinhaltet für mich übrigens auch eine vernünftige Ausleuchtung sowie je nach Einsatzzweck ein großes Glasnotenpult bzw. ein Holzpult mit transparenten Füllungen. Besonders dann, wenn viel mit Chor gespielt wird.

Uns war jedoch wichtig, die vorhandenen Werke und Registerreihen gemäß Bauweise bestmöglich an den Spieltischen registrierbar zu machen. Gelöst haben wir das mit zwei ‚clouds‘. In einer sind alle getrennt sinnvoll möglich zuzuordnenden Windladen der Teilwerke, in der anderen alle Pfeifenreihen, die mit Einzeltonventilen angespielt werden, verfügbar. Damit sind floating die Teilwerke/ teilweise unterteilt nach zB. Kleinpedal/ Grosspedal etc. jeweils als 16-8-4 (oder in anderen Intervallen) den Klaviaturen zuzuordnen; zudem sind aus der anderen cloud alle Pfeifenreihen auf elektr. Laden mit Einzeltonsteuerung als Transmissionen wählbar (ebenso 16-8-4 an jede Klaviatur oder auch andere Intervalle). Das ermöglicht eine bestmögliche Ausnutzung der vorhandenen Pfeifenreihen.

Das klingt alles sehr sinnvoll und ich bin wirklich sehr auf das Ergebnis gespannt. Einen Dorforganisten wird das wahrscheinlich trotzdem überfordern, aber gemeinhin sind die Personen, die an eine Domorgeln gelassen werden, handverlesen und hinreichend versiert.

Es ist nicht alles finanzierbar und sinnvoll, was rein technisch machbar ist. Man muss Kompromisse eingehen, um Spieltische nicht zu überfrachten und klar und logisch zu gestalten. Man muss Prioritäten setzen.

Wie oben schon gesagt, kein Widerspruch - außer wenn es um Ergonomie geht ;)


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