„Fuge C-dur für Orgel – Joh. Seb. Bach – Professor GÜNTHER RAMIN Orgel-Solo“
Diese Interpretation von Günther Ramin steht in der Tat in einer Ausführungstradition aus dem frühen 20. Jahrhundert: Anfang des 20. Jahrhunderts war es absolut modern, eine Bach-Fuge im ständigen Crescendo und Accelerando zu spielen. Man lese das Buch "Johann Sebastian Bach" von Albert Schweitzer, Kapitel "Wiedergabe der Orgelwerke", der sich als erster von dieser Praxis distanzierte. Z.B. schreibt er auf S. 266 (Ausgabe 1967): "Statt einer großen, von Anfang bis zu Ende durchgeführten Steigerung, wie wir uns als Moderne die Fuge denken, haben wir also bei Bach zwei gleichwertige Hauptsätze, die einen Nebensatz einschließen." Auch andere Fugen-Konzeptionen des frühen 20. Jahrhunderts erwähnt Schweitzer und verwirft sie, siehe S. 264: "Oft erlebt man es auch, daß in einer Fuge die ganze architektonische Plastik dem Bestreben geopfert wird, dem Publikum das Thema immer recht hörbar zu machen, wozu man dann bei jedem Eintreten desselben mit den andern Stimmen das Hauptmanual verläßt und auf das Nebenklavier geht. Das ist ein unerlaubtes Herausarbeiten von Effekten. Es kommt auch mitunter vor, daß man Bachsche Fugen vorgesetzt bekommt, die sich fischleibartig verjüngen und im schönsten pianissimo verklingen."
Auf dem Orgelpunkt wurde sicher die Posaune abgestoßen, damit sie die Oberstimmen nicht zudecken möge, und anschließend wieder gezogen. Auch das war ein übliches Vorgehen, z.B. wurde das Pedal bei den Orgelpunkten in der Toccata F-Dur abregistriert und für die Soli wieder aufregistriert. Albert Schweitzer beschreibt das in "Deutsche und französische Orgelbaukunst und Orgelkunst", Wiesbaden 1906, S. 10: "Man höre Widor ohne Veränderung der Manualklangfarbe den großen Orgelpunkt des Pedals in der Fdur-Toccata von Bach anschwellen lassen! Man höre ihn den Bässen im Gmoll-Präludium gebieten! Ehe die gehaltene Baßnote einsetzt, fliegen durch fünf kurze aufeinanderfolgende Bewegungen seine sämtlichen Pedalkoppeln ab. Nun, gegen Ende der gehaltenen Note, tritt jede zu ihrer Zeit auf dem starken Taktteil, die Betonung verstärkend, wieder ein: V, IV, III, II, I KLavier! Dasselbe Manöver wird sechs- oder siebenmal wiederholt. Aber ich gestehe, daß ich sonst das Gmoll-Präludium noch nie ohne "Baßbeschwerden" gehört habe."
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