Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? Ja!
Ja, das ist mitunter enttäuschend, dass Orgeln am Spieltisch (oder gar Spielschrank) nicht gut klingen. Seit dem Film "Schlafes Bruder" ist auch dem Publikum bewusst, dass Organisten am liebsten für sich selbst spielen. Da wäre es schon nett, man wäre als Spieler in der akustisch perfekten Position. Ein paar Mal schon konnte ich erleben, dass am Spieltisch Kopfhörer bereitlagen, damit man beim Spielen das Instrument aus der Ferne hören kann, trotzdem aber das Spielgefühl einer Mechanik erleben kann. Das ist eine hilfreiche Angelegenheit, nicht nur beim Einregistrieren (manche Werke klingen doch ganz anders im Raum), sondern auch bei der Artikulation: Was einem am Spieltisch völlig übertrieben "gehackt" vorkommt, klingt unten genau richtig. Insofern bräuchte es den Zentralspieltisch nicht. Ist er nicht vielmehr dazu da, damit das Publikum dem Organisten zusehen kann? In manchen Kirchen wird das mit einer mobilen Leinwand gelöst.
Ich teile die Auffassung mit dem Raum als Instrument. Kopfhörer: Selbst hier spielt der Hausorganist gerne mit Kopfhörern, das hat er unter den Corona-Streams/Aufnahmen kennen und lieben gelernt. Ich hab es auch mal kurz ausprobiert. Es ist ja nicht nur, dass man das RP von vorne hören kann (es gibt auch die Möglichkeit, die Rückwand für den Organisten ein wenig zu öffnen), manchmal sind ein paar Millisekunden Verzögerung für das Spielgefühl angenehmer. Sehr nahe an den Pfeifen zu sein, finde ich problematisch, natürlich auch zu große Abstände. Gegen beides hilft mehr Üben, allerdings nicht so sehr bei Improvisation.
Ich rege aber an, bei der Diskussion sehr zwischen Fern- und Zentralspieltischen zu unterscheiden!
Rotterdam (dazu schrieb ado) "braucht" einen Zentral-Spieltisch, weil es eine Orgel-"Anlage" ist, also mehrere verbundene Standorte (insgesamt drei). Ein Fern-Spieltisch, auch gerne als Konzert-Spieltisch bezeichnet, ist jener von einer im Prinzip einteiligen Orgel in's Schiff verlegte Spieltisch und dient vielleicht auch dazu, ein von oben schwierig abzuhörendes Instrument besser zu hören, aber natürlich vorrangig der Präsentation der spielenden Person.
Das Vorhandensein eines solchen Spieltisches führt oft zu einem Verstauben der mechanischen Anlage auf der Empore (wenn vorhanden). Dasselbe Risiko gibt es beim Zentralspieltisch, wobei es da immerhin noch sein kann, dass die einzelnen Standorte nur von den jeweiligen Orts-Spieltischen wirklich gut (im Sinne von Ausreizung aller Gestaltungsmöglichkeiten, die die Traktur bietet) gesteuert werden können, so dass deren Dornröschenschlaf nicht ganz so tief ausfällt.
Den Publikumsfaktor sehe auch ich als den unbedeutendsten an - nach wenigen Minuten hat man alles gesehen (sei es am Fernspieltisch oder auf der Leinwand), es sei denn, dass die spielende Person gezielt auf die optische Komponente abhebt - Gestik, Outfit usw. - das finde ich persönlich bei Orgel zwar nicht angebracht, akzeptiere aber, dass sich da die Maßstäbe wandeln.
SOLLTE z. B. der Rotterdamer Tisch und sollten entsprechend auch die Teilorgeln mit proportionaler Spielanlage ausgestattet werden, dann muss man sagen, dass der Zentralspieltisch wahrscheinlich noch besser ist als der mechanische, denn das gekoppelte Spiel wird sehr elegant. Auch kann man unbeeinflusst vom Druckpunkt der Schleifladen spielen bzw. den Anschlag nuancieren. Deshalb bietet Rieger ja auch drei Grundeinstellungen an: ein/aus (wie klassische Elektrik), proportional (hörbare Umsetzung des Tastenganges) und "tracker" (Annäherung an ein Druckpunkt-Verhalten, aber anschlagsabhängig).
Ohnehin wird es in Rotterdam spannend mit den Barkermaschinen, ob die Elektrik davor, danach, daneben eingreifen wird oder die Barker ganz rausfliegen... Das war ja in St. Eustache ein "major issue".
Da die Rotterdamer Exponenten sehr mit dem Orgelpark-Instrument vertraut sind, gehe ich eigentlich davon aus, dass Proportionalantriebe verbaut werden, auch wenn es nicht dieselbe Technologie sein kann, jedenfalls nicht in der Marcussen-Orgel, da dort größere Lasten zu bewegen/überwinden sind als bei den Einzelventilen der Utopa-Orgel. Da müssten gegebenenfalls große Doppelspiulenmagnete oder Schrittmotoren ran.
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- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? -
MichaelS,
01.01.2025, 12:25
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? -
Oberpfeife1882,
01.01.2025, 12:30
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? -
Orlos,
01.01.2025, 14:52
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? - MartinH, 01.01.2025, 15:15
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? Ja! - Karl-Bernhardin Kropf, 01.01.2025, 19:19
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Orlos,
01.01.2025, 14:52
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orgelquaeler,
02.01.2025, 08:27
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? -
stein,
02.01.2025, 09:01
- Goldene Zeiten? Zentralspieltisch? - Karl-Bernhardin Kropf, 02.01.2025, 09:43
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stein,
02.01.2025, 09:01
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Oberpfeife1882,
01.01.2025, 12:30