Fassungen, war: Reger op. 73

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Mittwoch, 01. Januar 2025, 11:58 (vor 621 Tagen) @ Friedrich

Genau wie im Fall von Opus 135b: Es ist völlig egal, was irgendwelche Professoren besser deucht als das, was Reger als Fassung letzter Hand hinterlassen hat — es ist seine souveräne künstlerische Entscheidung gewesen. Darüber gibt es keinen Zweifel, denn er hat die Noten so zur Veröffentlichung gegeben. Regers Werk ist ausschließlich das, das er zum Druck gegeben hat. Alles andere ist nicht Reger, sondern ein nicht autorisierbares Quellenpasticcio. Wenn Interpreten dann glauben, das ergebe keinen Sinn, werden sie offensichtlich nicht mit dem Werk fertig. Dann sind sie es, die daran versagen.

Ein gutes Neues Jahr allen erst mal!

Zu 135b: Ich mag das Stück sehr - und war dankbar für die jüngsten Aufsätze für die kürzere Fassung, las aber auch die Entgegnungen sorgfältig. Im Studium gab es einst höchstens einen auf fünf Studierende, die/der sich für die längere Fassung entschied (die Rolle des jeweiligen Lehrers kann ich nicht mehr einschätzen).
Mir geht es, abseits aller Wissenschaftlichkeit, aber in einer gewissen handwerklichen Verbundenheit als jemand, der Kürzungsprozesse kennt (natürlich mehrere Ligen tiefer) und rein aus dem Bauch heraus gesprochen, so, dass mich das Wissen, dass das Stück "eigentlich" anders wäre oder sein könnte, nicht mehr loslässt. Ich habe nicht beide Notentexte in gleicher Tiefe gegenwärtig, aber frage dann schon mal bei einer als rasch empfundenen Modulation, ob sie sozusagen der Kürzung halber eingefügt wurde und sie wird damit fragwürdig (obwohl sie vielleicht in der Langfassung auch so steht, weiß ich grad nicht). Andererseits vermisste ich auch beim Hören/Mitlesen einer Langfassung gewisse als großartig empfundene Szenen der kürzeren Version. (Ich muss jetzt aufhören, denn für weitere Äußerungen müsste ich doch die Fassungen genauer vergleichen).
Es bleibt trotz der von Friedrich treffend formulierten Autorität der Letztfassung ein Gefühl des Zweifels. Hat der Autor zwar selbst gekürzt, aber unter vorgehaltener Pistole, verbunden mit der Drohung, dass bei einem Wort zur Polizei/Öffentlichkeit auch gleich sämtliche andere Druckplatten vernichtet oder intime Details veröffentlicht würden.... :D

Das Ringen um die Letztfassung ist ja ein Dauerthema. Schön, wenn man dann Leute hat, die wissen, wie es geht, weil sie gefühlt einen Beratervertrag und regelmäßige Kaffee-Termine mit dem Autor hatten, wie Herr Kl. B. (ich kann mich mit seiner Redaktions- und Editionsauffassung nach Jahren weiterhin nicht anfreunden, und jede seiner Stellungnahmen bestätigt mich darin... Ist auch eher etwas Menschliches, vermutlich.)


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