Eule restauriert und vergrößert die große Marcussen-Orgel in Rotterdam

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Samstag, 28. Dezember 2024, 17:26 (vor 620 Tagen) @ ado

Du liebe Güte. Eine der größten mechanischen Orgeln der Welt ist es dann nicht mehr wirklich. Ich dächte, die große Rotterdamer Marcussen-Orgel hätte den Status einer Denkmal-Orgel wirklich verdient. Aber leider ist sie offenbar nicht alt genug (50 ist ein sehr gefährliches Alter für Orgeln).

So fühlt man sich frei, sie mal eben zu vergewaltigen, sie wird dann ja noch schöner sein und viel praktischer. Und was sind ein paar Millionen Euro, die hat man immer irgendwie übrig.

Sehr schade. Aber ohne Zentralspieltisch geht heute ja gar nichts mehr. Nicht zu verstehen, wie man jahrzehnte-, jahrhundertelang ohne ausgekommen ist! Goldene Zeiten für die Orgel sind es, in denen wir leben!

Also, dass man gern zu eng gebaut hat, war einstens häufig. Und in einem fällt diese Marcussen-Großorgel definitiv aus dem Rahmen ihrer Schwestern: sie ist viel mehr in Tiefe und Breite gebaut, als andere Instrumente. Das kompliziert auch das Layout.
Vermutlich wäre man jetzt auch mit Schaffung einer Doppeltraktur für die Register zufrieden, doch dürfte für diese ebenfalls der Platz nicht reichen.
Und der Titel allein, eine der größten mechanischen Orgeln zu sein, hat keinen Wert, außer im Fremdenverkehrsbüro. Da denkt man ja gleich wieder an Lübeck, selbst wenn dort nur die Tontraktur mechanisch ist...

"Vergewaltigen" und "mehrere Millionen" in benachbarte Sätze zu packen, halte ich hier für übertrieben. Schließlich entstehen wesentliche Kosten außerhalb des Instruments, selbst wenn man die Arbeiten im Inneren als Vergewaltigung etikettieren wollte.

Der Erhalt der mechanischen Registertraktur wird zum reinen Ideologie-Gut, wenn das Instrument nicht funktioniert, oder umgekehrt soll das Bestehen auf einer mechanischen Registratur sicherstellen, dass man frei von allerlei elektroinischen Pannen bleiben kann. Aber anscheinend läuft das Ding nicht mehr pannenfrei. Ob es einen ursächlichen Zusammenhang mit der Konstruktion gibt, vermag ich natürlich ohne Untersuchung nicht zu beurteilen, und definitiv hat das Instrument ja sehr lange funktioniert.
Die wunderbare Linzer Marcussen-Orgel greift schon in Originalgestalt im Pedal auf elektrische Registertraktur zurück. Ganz abwegig war es den Verantwortlichen damals also nicht, obwohl sie in beiden Orten ähnlich tickten (Anton Heiller).

EDIT: Schrieb Orlos parallel.

Sicherlich müsste man vor Ort recherchieren, um die Sache richtig beurteilen zu können, rein technisch. Dass die Notwendigkeit von zwei Registranten einer blühenden Konzertpraxis widerspricht, halte ich allerdings für zutreffend.

Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass es sich um einen relativ respektvollen Umgang mit der Orgel handelt. Aber vielleicht habe ich einfach zu viele Horrorgeschichten von Total-Um- und Neubauten wahrgenommen.

Eine ähnliche Maßnahme hat die Schwester in der Grundtvigskirke hinter sich - Umstellung auf Doppeltraktur und Setzeranlage 1998, Hinzufügung einer Vox coelestis und Wechsel von Fagott 32' zu Posaune 32' sowie Einbau elektrischer Koppeln in 2014. (siehe hier und da)
Sicherlich kann man auch das hinterfragen.

Ich halte für möglich, dass Hayo Boerema auf die direkt gestellte Frage "Wird die Orgel nach den Arbeiten schöner sein?" auch antwortet: "Nein, aber passender zu unserer Zeit und unserem heutigem Betrieb."
So ungefähr würde ich jedenfalls antworten.


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