Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse
Erst einmal vielen Dank für die Transparenz und die interssanten Diskussionen zu deinem Projekt, die uns ja inzwischen schon seit mehreren Jahren hier im Forum begleiten. Ich glaube, dass es dafür Mut und ein stabiles Rückgrat sowie ein gesundes Selbstbewusstsein braucht. Das empfinde ich als äußerst wertvoll.
Nun hätte ein weitere Beitrag mit Applaus und Zustimmung aber wenig Wert, weshalb ich an dieser Stelle den advocatus diaboli spielen und - in aller unreichenden Kürze - folgende Gedanken in den Raum stellen möchte:
- Die Ausschreibung (wie auch im jüngsten Video erlebbar) ist von einem Kulturpessimismus getragen: es soll eine vollmechanische Kernorgel gebaut werden, weil man nicht davon überzeugt ist, dass es in ein paar Jahrzehnten eine Gemeinde bzw. finanzielle Mittel gibt, um etwaige Reperaturen oder Ertüchtigungen der Elektronik durchführen zu können.
- Beschränkungen erzwingen im besten Fall das Gehen jenseits ausgetretener Pfade. Manchmal nehmen Beschränkungen aber auch die Luft zum Atmen und schränken den Raum für Kreativität stark ein.
- Klais ist erstplatziert, weil sie am ehesten den Ausschreibungstext umgesetzt und innerhalb der gesetzten Grenzen geblieben sind. Das heißt aber nicht, dass sie die optimale oder kreativste Lösung für Raum und Substanz gefunden haben. Insgesamt wirkt der Klais'sche Entwurf sehr konservativ und brav.
- Der Entwurf von namentlich Rieger wirkt auf mich insgesamt runder und kreativer. Auch der Erhalt des meisten Materials hat für mich einen großen Charme - obwohl in meiner Brust das Herz eines Rheinländers schlägt.
- Entsprechend bleibt die provokative Frage: Lässt sich die Kommission eines besseren belehren oder bleibt sie (mit wahrscheinlich guten und berechtigen Gründen) der Ansicht, dass sich ihre in die Ausschreibung gegossenen Überzeugungen - und damit der klais'sche Entwurf - in der Praxis eher bewähren werden und eine größere Nachhaltigkeit erreichen werden.
Da ich jetzt eine veränderte Rolle habe (nicht mehr Wettbewerbsleiter) und meine Objektivität wieder ein wenig runterfahren kann zugunsten der Position eines Auftraggebers, sage ich:
Gut erkannt!
Ich will jetzt nicht schreiben: vier mal ja, ein mal "mal sehen" ,das wäre zu schwarz-weiß, aber - ich kann das gut lesen.
Das Video ist erkennbar nicht gescriptet, ich habe es in zwei Durchgängen im Abstand einer Woche aufgenommen. (Von der erstenSession sind einige Sätze als Ton am Ende dabei, denn das Bild war natürlich ziemlich anders). Aber es ist jedes Wort sehr überlegt, vorsichtig, und - da hast Du mich richtig erkannt - vielleicht auch zu vorsichtig.
Der Kulturpessisimus ist da, sicher. Ja, die Verhältnisse in Rostock sind schwierig, anderswo auch, aber es ist hier nicht Leipzig oder Dresden.
Aber was nich hier nährt, ist einerseits der völlig kooperative Kirchengemeinderat, der sich auch grade um meinen Stellenerhalt kümmert, und sind eben die ungefähr 380 Emporen-Gäste jedes Jahr, die eben dankbar bis begeistert die Empore verlassen, nachdem sie am und im Instrument gewesen sind. (einige auch beim Pollrich ;-)
Natürlich laseen die kaum Geld da und haben auch keine Tips, aber eine "schön wär's schon"-Stimmung erzeugen wir hier immer.
In unsere Gemeinde zieht gerade professionelles Fundraising ein, schauen wir mal, ob es mittelfristig dem Kulturpessimismus abhilft.
Und die Frage der HO-Traktur: Es ist ein Heidenaufwand, das Ding zu mechanisieren. Rieger respektive. W. Eberle hat im Konzept durchaus auch eingeräumt, was man an Nachteilen für eine E-Traktur benennen könnte (er hat ja für die CO Mechanik vorgesehen), sieht aber die Vorteile bei weitem überwiegen. Und die NAchteile sind nur im Bereich Ersatz von defekten Elementen - doch man könnte deren Wechsel ja auch gut vorbereiten, und es geht meist nur um Platinen etc. (Nach wie vor spielt hier ja meine 41 Jahre alte Heuss-Anlage...).
In der Kommissions-Vorarbeit hat gerade auch Franz Danksagmüller sehr auf Mechanik hingewirkt, was mich beeindruckte. Das war 2019/2020. Inzwischen hat er die Orgeln in Hamburg-Nikolai, Helsinki Musiikitalo und ich glaube auch Göteborg Konzerthaus kennen gelernt. Manches sieht er vielleicht jetzt anders, aber vielleicht auch nicht.
Es ist aber auch ein Unterschied, ob Neubau oder Umbau. Und in Rostock sind sehr viele konzeptionelle Nachteile zu beheben, da könnte es in der Tat richtig sein, nicht jedes Ideal zu verfolgen. Und wenn der Wegfall der mech. Traktur den Raum schafft, den man für eine bessere Aufstellung des Materials, insbesondere, wenn das ältere Pfeifenwerk mit dabei sein soll, benötigt, dann sollte eine Ablehnung dieser Lösung gut fundiert sein.
Das Preisgericht war das Preisgericht. Ich war nur als Sekretär dabei.
Wir bleiben dran, das Forum weiterhin ganz vorne dabei, na klar!
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Karl-Bernhardin Kropf,
03.11.2024, 15:47
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MartinH,
03.11.2024, 17:22
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - MAT, 03.11.2024, 22:38
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Große Pfeife,
03.11.2024, 23:14
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse -
hintersatz,
03.11.2024, 23:34
- war: Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse -
Karl-Bernhardin Kropf,
04.11.2024, 09:59
- war: Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - hintersatz, 06.11.2024, 08:37
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - Contrebasson 32', 04.11.2024, 12:38
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - JRorgel, 04.11.2024, 17:25
- war: Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse -
Karl-Bernhardin Kropf,
04.11.2024, 09:59
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hintersatz,
03.11.2024, 23:34
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - Karsten, 03.11.2024, 23:27
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Contrebasson 32',
04.11.2024, 13:14
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Karl-Bernhardin Kropf,
04.11.2024, 13:59
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - MAT, 04.11.2024, 15:05
- Nachtrag zu Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - Karl-Bernhardin Kropf, 04.11.2024, 15:22
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MartinH,
04.11.2024, 16:33
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Contrebasson 32',
04.11.2024, 17:16
- Planungswettbewerb Rostock: Ergebnisse - Karl-Bernhardin Kropf, 04.11.2024, 18:17
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Contrebasson 32',
04.11.2024, 17:16
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Karl-Bernhardin Kropf,
04.11.2024, 13:59
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MartinH,
03.11.2024, 17:22