Spielhilfen

Orlos, Mittwoch, 15. Februar 2012, 18:56 (vor 5323 Tagen) @ Hausorgler

Ja, das klingt sehr überzeugend.
Nicht zu unterschätzen ist auch eine sinnvolle Planung, wo welche Registerzüge liegen. Ich habe hier eine recht große mechanische Orgel, bei der die Register in einer Reihe nach Fußtonlagen übereinander liegen, was im liturgischen Spiel unglücklich ist: Um ein (Vor-)Pleno zu ziehen, muss man einzelne Register (Principal, Oktave, Superoktave, Mixtur) herauspicken. Aus diesen (schlechten) Erfahrungen habe ich bei der Planung einer anderen Orgel Registergruppen nebeneinander legen lassen. Mit einem (!) senkrechten Griff hat man Principal 8', Oktave 4' und Mixtur gezogen, mit einem waagerechten Griff bekommt man beide 8' bzw. beide 4'. Nach nunmehr 18 Jahren Dienst an diesem Instrument hat sich die Anlage als sinnvoll erwiesen, auch wenn sich der neu kommende Vertretungsorganist erst orientieren muss. Auf diese Weise kann man auch schöne obligate Vorspiele machen und trotzdem schnell zum Gemeindegesang aufregistrieren. Mit der Zeit entwickelt man Handgriffe, die "blind" gehen: Gleichzeitig linke Hand HW lauter, rechte Hand Pedal lauter, linker Fuß Pedalkoppel einschalten. Das ist dann ein einziger Vorgang. Bei der anfangs erwähnten Orgel muss ich mindestens dreimal die Hände vor- und zurückbewegen und außerdem hinschauen, damit man nicht aus Versehen statt der Oktave die Gambe zieht.
Allerdings kann ein gewisser Purismus auch nerven. In Mainz gibt es eine recht neue dreimanualige Orgel mit über 40 Registern, die außer den Normalkoppeln keinerlei Spielhilfen aufweist. Die Orgel ist nicht streng barock konzipiert, sondern auch mit Schwellwerk und etlichen romantischen Klangfarben ausgestattet, deren vielseitige Nutzung aber echt anstrengend ist. Das konzertante Spiel ist nur mit zwei Registranten möglich und entsprechend selten. Das Instrument fristet (deshalb?) ein gewisses Schattendasein.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum