Auch mal mit Orgeln machen: Achtung!

Friedrich @, Dienstag, 03. Januar 2012, 08:30 (vor 5364 Tagen) @ Fabian Brackhane
bearbeitet von Friedrich, Dienstag, 03. Januar 2012, 09:02

"Blindtest entzaubert die Stradivari"
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806748,00.html
Ob da wohl ähnliche Ergebnisse herauskämen? *duckundweg*

Erstens. Ja, so eine kleine Parisreise mit verhängten Busfenstern und/oder Schlafbrillen für die Teilnehmer und Enthüllung erst am Abend. Wobei die Auskenner schon an der Akustik und den Umgebungsgeräuschen merken dürften, wo sie sich befinden. Deshalb wäre so etwas in München, Frankfurt, Berlin oder meinetwegen auch Bielefeld sicher spannender.

Zweitens. Bitte genau hinlesen. Da wurden Spitzeninstrumente miteinander verglichen. Auch die modernen Geigen waren von Geigenbauern aus der allerersten Liga, zum Teil preisgekrönt. Wenn der Vergleich etwas beweist, dann jedenfalls nicht, dass das Getue um die alten Italienerinnen eitel ist – eher, dass heute ebenso gute Geigen gebaut werden können wie damals. Was niemand ernsthaft bestreiten würde.

Drittens. Will man's vergleichbar machen, müsste der Vergleich von Spitzenspielern und vom Spieltisch aus angestellt werden – und da merkt wohl bei Instrumenten von Orgelbauern ersten Ranges jeder, was Sache ist.

Außerdem hat auch Antonio Stradivaris Werkstatt manchmal nur gute Instrumente geliefert, nicht immer außerordentliche. Im Film »The Art of Violin« sagt Perlman von Oistrach, dass der nur eine passable Strad gespielt hätte – aber er war eben Oistrach. Und dann ist da die berühmte Anekdote von Heifetz: Spricht der Jünger: »Was klingt die Stradivari herrlich!« Spricht Heifetz, sie sich ans Ohr haltend: »Merkwürdig, ich höre nichts!«

Gruß,
Friedrich

P. S.
Viertens. Im alten Forum hat mal ein Teilnehmer eine Johannus-Aufnahme zum Raten angeboten. Dabei habe ich mich auch ziemlich blamiert (nicht, dass ich sie für eine Silbermann gehalten hätte, aber für etwas mit Pfeifen schon). Merke: Im weiten Feld des Mittelprächtigen verschwimmen die Grenzen schon mal. Genau darum geht es aber im Artikel nicht.


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