Suche "historisch unkorrekte" CD-Aufnahmen von J.S.Bach

CamilVH, Mittwoch, 07. Dezember 2011, 22:15 (vor 5392 Tagen) @ Clemens Schäfer

Wunderschöner thread! Besten Dank dem Ersteller und allen, die Antworten beigesteuert haben, die auch mir sehr hilfreich sein werden.

Ich war bisher schon 5mal bei den Tagungen der American Guild of Organists, wo sich etwa 2000 Organisten zu meist hervorragenden Konzerten treffen, und wo man immer wieder Anregungen bekommt. 2004 hatte ich schonmal die Freude einen Workshop zum Thema "die geistliche Chormusik von Max Reger" halten zu dürfen. Vor einigen Monaten wurde man im "American Organist" aufgefordert, Vorschläge für workshops einzureichen. Ich habe eine Thema gewählt, von dem ich dachte, dass es möglicherweise für Amerikaner interessant sein könnte: "Strömungen und Tendenzen in der Interpretation der Orgelmusik J.S. Bachs in Europa zwischen 1950 und heute". Mein Eindruck ist nämlich, dass Amerikaner alles, was aus Europa kommt, fast schon als die Wahrheit an sich sehen. Und dies erscheint mir nicht unbedingt angebracht: Man kann der historisierenden Praxis durchaus auch mit kritischer Distanz begegnen.

Interessanter und erfreulicher Weise wurde mein Vorschlag angenommen, so dass ich mich jetzt auf die Suche nach guten, vielleicht bedeutenden oder auch völlig subjektiven Aufnahmen mache. Die hier entstandene Liste hat mir sehr gute Anregungen gegeben, die Aufnahme von Jan van Hassel absolut begeistert.

Im Studium in München habe ich noch die letzte Zeit von Karl Richter (der damals eigentlich schon als "out" galt) miterleben dürfen, der in Hedwig Bilgram eine würdige Nachfolgerin auf der Orgel gefunden hatte. Ihre Vorliebe, Bach-Fugen mit 8' und 1' Registrierung zu beginnen, hat dazu geführt, dass die Sandtner-Orgel in der Musikhochschule schließlich das Register "Bilgramnette 1'" aufwies. Ich hoffe, noch Aufnahmen von ihr zu finden.

Die in den Sechziger Jahren stilbildenden Aufnahmen von Helmut Walcha sind ja zum Glück noch erhältlich. Aber hat zufällig jemand Aufnahmen von Reinhold Finkbeiner, der in den Siebziger Jahren Organist der Frankfurter Peterskirche war?

Neben der französischen Schule, war es wohl größtenteils die Leipziger Schule, die stilbildend gewirkt hatte. Danben fällt mir noch Fernando Germani ein: In einem in Italien spielenden Film aus den Siebziger Jahren spielt er - quasi als Filmmusik - BWV 659, dass ich von der Magie des Stückes völlig ergriffen war.


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