Orgelprojekt Basilika St. Kastor, Koblenz

kjz1, Montag, 31. Oktober 2011, 14:33 (vor 5417 Tagen) @ Friedrich

Persönlich nervt mich, dass die Pedalzunge so ausgewrungen wird, als wäre es egal, ob man eine 8'-Trompete hat oder eine Posaune in Tenorlage (»Hauptsache Krach«?). Eine Klangfarbe in Oktaven statt drei, oder meinetwegen auch nur zwei, unterschiedliche.

Aus rein musikalischen Gründen wäre ich auch eher für selbständige Pedalregister, aber es spielen halt nicht nur musikalische Gründe eine Rolle. Dazu muss man wohl etwas mehr von den Hintergründen kennen.

Die Kirche ist zwar nicht riesig, aber auch nicht ganz klein. Sie gehört zu den ältesten Kirchen in Deutschland und hat einige kunsthistorische Bedeutung. Erste Rahmenbedingung: der Denkmalschutz wacht sehr kritisch über jedwede bauliche Veränderungen, i.e. natürlich auch die Orgel.

Aufgrund ihrer Bedeutung und des 'Ambientes' wird die Kirche häufig für Hochzeiten, Festgottesdienste mit überregionaler Bedeutung und Konzerte genutzt. Zudem wird die Kirche jedes Jahr von tausenden Touristen (gerade jetzt wieder bei der BUGA) besucht. Das bisherige 'Interims-Örgelchen' (11 Register) reicht für den rein liturgischen Gebrauch aus, nicht jedoch für obigen Zwecke. Zweite Rahmenbedingung: es sollte sich um ein 'repräsentatives' Instrument handeln, das auch bei vollbesetzter Kirche noch führen kann und nicht gnadenlos (wie zur Zeit üblich) von der Menge 'niedergesungen' wird.

Es ist keine Westempore vorhanden. Es gab zwar mal eine Holzempore, diese war jedoch ein späterer Einbau und ist im 2. Weltkrieg (samt Orgel) abgebrannt. Eine Empore wird vom Denkmalschutz nicht genehmigt. Die Orgel kann also nur an der Westwand über dem Portal aufgehängt werden. Dahinter befindet sich die ebenfalls kunsthistorisch bedeutende Michaelskapelle, die möglichst nicht angetastet werden sollte. Insofern stehen für die Statik nur begrenzte Spielräume zur Verfügung, zudem ist der Platz in der Höhe begrenzt (16'). Eine Aufstellung auf dem Boden kommt ebenfalls nicht in Frage, da die Kirche öfters von Hochwasser heimgesucht wird. Dritte Rahmenbedingung: die Orgel darf nicht zu schwer und groß (Höhe, Tiefe) ausfallen.

Soweit mir bekannt ist, sind für bauliche Massnahmen relativ hohe Zuschüsse (Bistum, Land, Bund) zu erhalten. Da gibt es für die Gemeinde also einen recht großen 'Hebel', man kann mit relativ wenig Eigenanteil viel erreichen. Leider gilt dies nicht für die Orgel, die die Gemeinde zum allergrößten Teil selbst finanzieren muss. Die Gemeinde ist relativ klein, zudem hat sie die Baulast einer großen historischen Kirche zu tragen. Vierte Rahmenbedingung: es steht nur ein begrenztes Budget zur Verfügung.

Und welche Register sind groß, schwer und teuer... Aus den gegebenen Rahmenbedingungen ergibt sich für mich ganz zwangsläufig der Schluss, dass man dann halt beim Pedal Kompromisse eingehen muss. Oder wo könnte man sonst in nennenswertem Umfang Platz, Gewicht und Kosten einsparen? Einige Pedalregister nur elektronisch bauen? Das wäre dann aber auch ein Bruch im Konzept.

Wie bereits gesagt: bei der Nachbarkirche wurde ein ähnliches Konzept verfolgt, ich habe da bei Konzerten noch nichts vermisst. Zudem sind ja dutzende (hunderte?) Orgeln in den USA nach diesem 'Unit'-Konzept im Pedal gebaut. Da scheint es ja auch zu funktionieren. Man könnte sich höchstens wünschen, dass evtl. alle 16' aus dem Manual auch als Transmission im Pedal spielbar sind. Musikalisch sind sicher bessere Lösungen denkbar, aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen?

Viele Grüße,

- Karl-Josef


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