Änderung der Stimmung

aristidecc, Mittwoch, 19. Oktober 2011, 05:05 (vor 5438 Tagen) @ jrbecker

Oft genug treffen in Fragen der "richtigen" Stimmung Weltanschauungen aufeinander.

Eine grundlegende Überlegung sollte sein, ob die Einschränkung der Spielbarkeit eines großen Teils der Literatur für Orgel, im Einzelfall vertretbar ist.

Ganz schön und aufregend klingt eine nicht gleichstufige Temperierung für Literatur, die vor 1700 entstanden ist. Werke aus späteren Epochen, da wird es in meinen Ohren kritisch ...

Wir selbst haben in unserer Stadtkirche eine Orgel, die im Kern aus 1913 / 1948 / 1973 stammt. Diese wurde dann 1991 mit einer Stimmung, die sich Bach/Kellner nennt, versehen, was dem Instrument in meinen Ohren nicht zuträglich war. Eher ein Flop.

Leider kann man nun Werke von Bach nur noch eingeschränkt hören, da dieser in seinen Werken gerne sehr weit von der Grundtonart abschweift, so z.B. im großen Es-Dur-Präludium aus dem 3. Teil der Klavierübung. Spätere Literatur, ist in meinen Ohren weitgehend nicht mehr anhörbar.

Ich meine ein Instrument, das in einer "hisoristischen" Stimmung gestimmt wird, sollte vom Gesamten Konzept her auch dazu passen. Keine Frage, für eine historische Orgel sollte eine der Erbauungszeit entsprechende Stimmung gelegt sein, wobei ja auch hier bekanntermaßen einen Anteil an Mutmaßung gibt, da die meisten Instrumente im Laufe der Zeit irgendwann einmal gleichschwebend gestimmt wurden und weitere, teilweise nicht mehr rückführbare Änderungen in der Windanlage, Winddruck, Intonation, u.a. vorliegen.

Instrumente, die neu gebaut wurden und sich klar an einer entsprechenden historischen Ausrichtung im heutigen Sinn konzipiert, klingen vorteilhaft, wenn die entsprechende Stimmung gelegt und die entsprechende Literatur gespielt wird. Die Orgel der Schloßkirche in Wolfegg, die ich kennenlernen konnte, ist ein schönes Beispiel, wie das in sich stimmig ausgeführt werden kann.

Ein Instrument der 1970-iger Jahre wird hier wohl durch das Raster fallen, da damals nicht angedacht wurde eine neue Orgel entsprechend zu konzipieren bzw. anders als gleichstufig zu stimmen.

Nun, da das Legen einer neuen Stimmung eine längerfristig bestehende wie auch kostspielige Angelegenheit ist, würde ich mir das sehr gut überlegen ...


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