Warum Rohrflöten?

Friedrich @, Freitag, 02. September 2011, 15:55 (vor 5486 Tagen)
bearbeitet von Friedrich, Freitag, 02. September 2011, 16:02

Liebe Forenser,

FranzS scheint von Rohrflöten nicht eben verwöhnt worden zu sein. Ich für mein Teil würde sie vermissen – ich habe schon viele wunderbare gehört, und sehr unterschiedliche dazu. In meiner Ex-Lieblingsorgel im Freiburger Münster gab es eine dunkel-mächtige und warm verschmelzende im Hauptwerk und eine herrlich muntere im Rückpositiv. Unvergesslich: Stefan Johannes Bleicher spielt nur auf dieser 4'-Rohrflöte die Fuge zu BWV 564, ungeachtet des Pedaltrampelfaktors.

Ich mag an 8'-Rohrflöten die Mischung aus Dunkelheit und dem dezentem Farbtupfer, den das Röhrchen verleiht. Dieses Klingen auf zwei Ebenen gibt dem Klang eine Tiefe, die ein Gedackt allein einfach nicht hat. Zugleich hat man die Dezenz und Rundheit eines Gedackt und die Möglichkeit, die Ansprache mit unharmonischen Vorläufertönen zu würzen – nichts, was einem eine offene Flöte geben kann.

Beinahe legendär ist inzwischen die 4'-Rohrflöte im Rückpositiv der Hildebrandt-Orgel in Naumburg, die dem Vernehmen nach das wohl kratzbürstigste Exemplar der Gattung auf dem Planeten darstellt. So kann man's eben auch machen, die Dinger können gehörige Wildheit mitbringen, aber auch Süße oder das, was wer nochmal das "geheimnisvolle Flüstern der Rohrflöten" nannte? War das Klotz?

Und weil durch jüngste Ereignisse das Schreiben von Dissertationen ja auch nicht einfacher geworden ist: Da ist jene in Heftstärke von Hans Henny Jahnn, die allein diesem von ihm gleichsam verhalbgötterten Register gewidmet ist.

Sicher kann man Rohrflöten auch uninteressant intonieren und disponieren. In meinen Ohren liegt das dann aber nicht am Register. Eher ist es eine vertane Chance.

Gruß,
Friedrich

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 02. September 2011, 21:19 (vor 5486 Tagen) @ Friedrich

Hallo,

vieleicht ist die Rohrflöte ein Register, das zu oft und zu oft nicht optimal gebaut wurde. Meine Reserviertheit gegenüber den Rohrflöten kommt daher, dass ich mich mit der Rohrflöte meiner Orgel bis heute nicht anfreunden konnte. Aus diesem Grund habe ich angefangen den Rohrflöten aller Orgeln an die ich komme, eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Bisher war noch keine dabei, die mir wirklich gefallen hat (und es waren viele). Mich haben sogar einige Exemplare auf die Dauer richtig genervt. Wahrscheinlich ist das alles eher Geschmackssache...
eine historische Rohrflöte habe ich allerdings noch nie erlebt, da das Register doch eher norddeutsch ist.

Grüße

Franz

Warum Rohrflöten?

ArnezN, Samstag, 03. September 2011, 07:46 (vor 5485 Tagen) @ FranzS.

Hallo zusammen,

ich melde mich mit diesem Beitrag im neuen Forum zurück, im alten hatte ich bereits gelegentlich meinen Senf abgegeben.
"Meine" Orgel, die Furtwänglerin (23,II/P, 1861) in Göttingen Geismar, hat im Hauptwerk sowohl Rohrflöte 8' als auch 4' disponiert (siehe hier). Deshalb sei es mir gestattet, Furtwänglers Aussage zur Rohrflöte in den Akten zu zitieren. Er schreibt. "[...] Die übrigen drei Stimmen bilden nur die allernöthigsten Mittelfarben; die Rohrflöte 8' schließt sich dem Principal 8' an, vereinigt sich mit diesem zu einem vollen Orgelton, während sie allein einen Flötenton bildet, der dem Principal gegenübersteht [...] Die Spitzflöte 8' ist die Vermittlerin des Vorhandenen, sie hat einen weichen Strich, der die sanfte Flöte mit hören läßt, so daß damit eine sanftere Mitte zwischen den erst bezeichneten Stimmen hergestellt wird"
Baut man also Rohrflöten, weil sie sich besser mit den Principal mischen? An einem anderen Instrument, an dem ich gelegentlich spiele (Bosch/Noeske 18,II/P), gibt es im HW eine unglaublich füllige, wunderbar intensive und charakteristische Hohlflöte. Aber die Kombination mit dem Principal ist eher unschön, da sich beide überhaupt nicht mischen. Zum Glück gibts da noch das verhältnismäßig obertonreiche Gedackt.

Viele Grüße,
Arne

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Samstag, 03. September 2011, 08:43 (vor 5485 Tagen) @ ArnezN

Hallo zusammen,

ich melde mich mit diesem Beitrag im neuen Forum zurück, im alten hatte ich bereits gelegentlich meinen Senf abgegeben.
"Meine" Orgel, die Furtwänglerin (23,II/P, 1861) in Göttingen Geismar, hat im Hauptwerk sowohl Rohrflöte 8' als auch 4' disponiert (siehe hier). Deshalb sei es mir gestattet, Furtwänglers Aussage zur Rohrflöte in den Akten zu zitieren. Er schreibt. "[...] Die übrigen drei Stimmen bilden nur die allernöthigsten Mittelfarben; die Rohrflöte 8' schließt sich dem Principal 8' an, vereinigt sich mit diesem zu einem vollen Orgelton, während sie allein einen Flötenton bildet, der dem Principal gegenübersteht [...] Die Spitzflöte 8' ist die Vermittlerin des Vorhandenen, sie hat einen weichen Strich, der die sanfte Flöte mit hören läßt, so daß damit eine sanftere Mitte zwischen den erst bezeichneten Stimmen hergestellt wird"
Baut man also Rohrflöten, weil sie sich besser mit den Principal mischen? An einem anderen Instrument, an dem ich gelegentlich spiele (Bosch/Noeske 18,II/P), gibt es im HW eine unglaublich füllige, wunderbar intensive und charakteristische Hohlflöte. Aber die Kombination mit dem Principal ist eher unschön, da sich beide überhaupt nicht mischen. Zum Glück gibts da noch das verhältnismäßig obertonreiche Gedackt.

Viele Grüße,
Arne

Hallo,

also meine Rohrflöte steht im Rückpositiv und ist allein wirklich nicht schön. Der einzige Vorteil ist, dass sie sich mit den übrigen Stimmen wie der Sesquialter und der Quinte 1 1/3, gut mischen lässt (das war wahrscheinlich auch die Idee von Georg Jann). Meine Rohrflöte ist so intoniert, dass die in einer Mischung mit einem andern labialen 8- Füßler quasi gerinnen würde, wie alte Milch im Kaffee. Allerdings besteht sicher ein großer Unterschied zwischen einer historischen Rohrflöte und meiner. Leider kenne ich keine alte Rohrflöte aus der Barockzeit oder der Frühromantik, denn die gabs bei uns anscheinend nicht so oft. Die Spitzflöte 8 klingt übrigens beim alten Weise immer ganz gut, meist noch auf Kegelladen, hat sie einen sehr eigenen Charakter, zwar leise aber nicht ohne Substanz.

Grüße Franz

Warum Rohrflöten?

Gonzaga @, Montag, 05. September 2011, 17:27 (vor 5483 Tagen) @ FranzS.

Hallo Franz,

hmm, bisher war ich der Meinung, dass gerade die Rohrflöten von Georg Jann sehr klangschön und charakteristisch sind; zumindest die Rohrflöten, die ich von ihm kenne, haben mir sehr gut gefallen.

Gruß
Gonzaga

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Montag, 05. September 2011, 18:46 (vor 5483 Tagen) @ Gonzaga

Hallo Franz,

hmm, bisher war ich der Meinung, dass gerade die Rohrflöten von Georg Jann sehr klangschön und charakteristisch sind; zumindest die Rohrflöten, die ich von ihm kenne, haben mir sehr gut gefallen.

Gruß
Gonzaga

Hallo,

die Rohrflöten von Georg Jann sind schon charakteristisch aber sie ermüden mich. Es ist irgendwie kein Register, dass man längere Zeit alleine hören kann. Meine ehemalige Orgellehrerin musste mal längere Zeit auf eine Jann ausweichen, wegen Kirchenrenovierung. Wir kamen dann auch auf die Rohrflöte zu sprechen und auch sie hat gemeint "mi regst sche langsam auf". Die Holzflöte von Jann finde ich wunderbar, leider habe ich die nur im Pedal.
Bei Thomas Jann hingegen gefallen mir vor allem die Flöten sehr gut, und bei Georg Jann die Prinzipale. Zungen klingen bei jeder Jann-Orgel ausgezeichnet.
Ich will hier keine Werbung machen und ich kenne keinen Einzigen von der Firma Jann obwohl ich an der Firma und durch diese wirklich seltsame Ortschaft oft durchfahre (der Ort ist schon fast grotesk, da gibt es eine Bäcker der hat NICHTS zu verkaufen, nicht mal Brezen!), aber die bauen euch Spitzengeräte hin.

Grüße
Franz (ich muss dir noch die komplette Vilsbiburger Weiheschrift von Quoika schicken)

Warum Rohrflöten?

Aeolinchen, Freitag, 09. September 2011, 05:59 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

eine historische Rohrflöte habe ich allerdings noch nie erlebt, da das Register doch eher norddeutsch ist.

Historische Rohrflöten im tiefen Süden gibt es z. B.
- in den Gabler-Orgeln Weingarten, Ochsenhausen und Maria Steinbach
- in den Riepp-Orgeln Ottobeuren (die heißen da bloß nicht so)
- in der Holzhey-Orgel Obermarchtal

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 09:13 (vor 5479 Tagen) @ Aeolinchen

eine historische Rohrflöte habe ich allerdings noch nie erlebt, da das Register doch eher norddeutsch ist.


Historische Rohrflöten im tiefen Süden gibt es z. B.
- in den Gabler-Orgeln Weingarten, Ochsenhausen und Maria Steinbach
- in den Riepp-Orgeln Ottobeuren (die heißen da bloß nicht so)
- in der Holzhey-Orgel Obermarchtal

Hallo,
leider auch nicht meine Gegend. Bayr, Ehrlich, Brandenstein usw. bauten meines Wissens, nicht den Typ der Rohrflöte (lasse mich aber gerne einese Besseren belehren).

Grüße Franz

Warum Rohrflöten?

Antilope, Freitag, 09. September 2011, 08:23 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

Meinst Du etwa, es gibt keine norddeutschen historischen Orgeln?

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 09:07 (vor 5479 Tagen) @ Antilope
bearbeitet von FranzS., Freitag, 09. September 2011, 09:15

Meinst Du etwa, es gibt keine norddeutschen historischen Orgeln?

Hallo,

dort wo ich wohne, gibt es keine norddeutschen historischen Orgeln, sondern nur süd(ost)deutsche historische Orgeln und die haben keine Rohrflöten, weshalb mir keine historische (barocke) Rohrflöte bekannt ist, jedenfalls nicht "persönlich". So wars gemeint.

Grüße in die Savanne

Franz

Warum Rohrflöten?

Antilope, Freitag, 09. September 2011, 10:00 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

Ach so, jetzt verstehe ich.

Warum Rohrflöten?

Dulzian @, Freitag, 09. September 2011, 10:06 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

dort wo ich wohne, gibt es keine norddeutschen historischen Orgeln, sondern nur süd(ost)deutsche historische Orgeln und die haben keine Rohrflöten, weshalb mir keine historische (barocke) Rohrflöte bekannt ist, jedenfalls nicht "persönlich". So wars gemeint.

Naja, also die (J.G.)Silbermannorgeln haben doch auch Rohrflöten, und Sachsen würde ich zwar nicht unbedingt zu Norddeutschland zählen, jedoch schon zu Süd(ost)deutschland, von daher wundere ich mich über diese gemachte Aussage...

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 10:35 (vor 5479 Tagen) @ Dulzian


Naja, also die (J.G.)Silbermannorgeln haben doch auch Rohrflöten, und Sachsen würde ich zwar nicht unbedingt zu Norddeutschland zählen, jedoch schon zu Süd(ost)deutschland, von daher wundere ich mich über diese gemachte Aussage...

Hallo,

Richtig aber Sachsen ist ja in der Orgelmusik "mitteldeutsch". Die barocken und klassischen Orgelbauer aus meiner Gegend (südlich der Donau) bauten keine Rohrflöten und deshalb sind mir historische Rohrflöten nicht bekannt.

Grüße
Franz

Warum Rohrflöten?

Dulzian @, Freitag, 09. September 2011, 10:52 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

Richtig aber Sachsen ist ja in der Orgelmusik "mitteldeutsch". Die barocken und klassischen Orgelbauer aus meiner Gegend (südlich der Donau) bauten keine Rohrflöten und deshalb sind mir historische Rohrflöten nicht bekannt.

Hättest du von süddeutschen Orgeln geschrieben, hätte ich nicht darauf reagiert.
Jedoch hast du in Abgrenzung dessen von süd(ost)deutschen historischen Orgeln geschrieben und behauptet, diese hätten keine Rohrflöten.
Von daher bitte ich um Aufklärung, wo den süd(ost)deutsche Orgeln beheimatet sind, im Gegensatz zu den süddeutschen Orgeln...

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 11:04 (vor 5479 Tagen) @ Dulzian
bearbeitet von FranzS., Freitag, 09. September 2011, 11:09

Richtig aber Sachsen ist ja in der Orgelmusik "mitteldeutsch". Die barocken und klassischen Orgelbauer aus meiner Gegend (südlich der Donau) bauten keine Rohrflöten und deshalb sind mir historische Rohrflöten nicht bekannt.


Hättest du von süddeutschen Orgeln geschrieben, hätte ich nicht darauf reagiert.
Jedoch hast du in Abgrenzung dessen von süd(ost)deutschen historischen Orgeln geschrieben und behauptet, diese hätten keine Rohrflöten.
Von daher bitte ich um Aufklärung, wo den süd(ost)deutsche Orgeln beheimatet sind, im Gegensatz zu den süddeutschen Orgeln...

Hallo,

zugegeben, meine Angaben sind etwas schwammig. Das "ost" habe ich nur eingebaut, um die Orgeln in Schwaben (die ja ganz anders sind, als die bei uns) auszugrenzen. Sie süddeutschen Orgeln die ich kenne und meine sind in Altbaiern beheimatet (Bistum Regensburg, München-Freising, Passau), wurden um 1750-1850 gebaut und haben keine Rohrflöten sondern entweder nur offene (Portun oder Allemanda) oder gedeckte (Copel, Flauto), jedenfalls die, die mir bisher begegnet sind.

Grüße Franz

Warum Rohrflöten?

Gonzaga @, Freitag, 09. September 2011, 20:13 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.

Hallo Franz,

da Du ja die Rohrflöten so innig liebst, können wir uns ja mal auf die Suche nach den ältesten Belegen für Rohrflöten in "Süd-Ostbayern" machen. Die ältesten Exemplare, die ich auf die Schnelle gefunden habe, sind eine Rohrflöte 4' im der von Steinmeyer 1879 umgebauten Domorgel in München sowie eine Rohrflöte 4' im Mittelwerk und eine Rohrflöte 8' im Oberwerk der 1886-89 von Martin Hechenberger erbauten Domorgel in Passau, die damals mit 75 Registern die größte Orgel Bayerns war.
Kennst Du ältere Beispiele?

Schöne Grüße
Gonzaga

Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 21:03 (vor 5479 Tagen) @ Gonzaga

Hallo Franz,

da Du ja die Rohrflöten so innig liebst

Hallo,

also es ist eben nicht meine Lieblingsflöte.

Kennst Du ältere Beispiele?

da müsste ich mal die "Orgeldokumentation der Diözese Regensburg" durcharbeiten, dessen Bände 2, 3 und 4 aber leider zurzeit ebenda liegen. Mir selbst ist auch noch keine romantische untergekommen. Ich glaube jedenfalls kaum, dass man hierzulande eine "vorkaiserliche" findet.

Martin Hechenberger erbauten Domorgel in Passau, die damals mit 75 Registern die größte Orgel Bayerns war.

ja aber die wurde ja nicht alt (wahrscheinlich war die Rohrflöte zu grausig ;~)), möglicherweise eine "Riesenorgel"?

Schöne Grüße
Gonzaga

Grüße zurück
Franz

Waldsassen, war Warum Rohrflöten?

FranzS. @, Freitag, 09. September 2011, 21:38 (vor 5479 Tagen) @ FranzS.
bearbeitet von FranzS., Freitag, 09. September 2011, 21:57

Kennst Du ältere Beispiele?


Ich glaube jedenfalls kaum, dass man hierzulande eine "vorkaiserliche" findet.

Das muss ich wohl zurücknehmen. Gerade lese ich, als 1864 Ludwig Weineck aus Bayreuth und Augustin Bittner aus Nürnberg die große Egedacher- Orgel in Waldsassen verschlimmbessert haben, bastelten sie aus einem Egedacher-Register eine Rohrflöte 8' ins Rückpositiv. Hinter dem Register ist vermerkt "Egedacher, umgebaut". Was das nun für eine Rohrflöte war und ob überhaupt, wird sich wohl nicht mehr beantworten lassen.

Hier noch die einzelnen "Expertengutachten" über die Egedacher-Orgel (die mit großer Sicherheit ein Meisterwerk war). Lesen sich irgendwie wie die heutigen "Expertengutachten"

"....es ist eine Sünde, so viel Geld an ein Werk zu wenden, das am Ende doch den Anforderungen der Gegenwart nicht genügt. Dieses Orgelwerk wurde vor ungefähr 150 Jahren erbaut und allen Anschein nach wurde seit Aufhebung des Klosters nichts mehr daran gemacht, als daß frevelnde Hände ihren Muthwillen geübt"

"Von einer Abänderung der Orgel bezüglich ihrere äußeren Form und Größe kann keine Rede sein, sondern nur von einer Reduktion des inneren, ohnehin zu eng stehenden und meist ganz unbrauchbaren Pfeifenwerks"

"....wie ein neuer Lappen auf ein altes Kleid, ungemein billig, älteste Methode, kann aber die Anforderungen unserer Zeit nicht erfüllen. Die Disposition ist sehr mangelhaft. alles müßte neu gebaut werden. Kegelladen, denn Schleifladen werden ja gar nicht mehr gemacht."

"....zu hohe Kosten für die Wiederherstellung eines wesentlich unvollkommenen, den Fortschritt der Orgelbaukunst nicht entsprechenden Werkes..."

als dann die Orgel reorganisiert wurde:

"Die Wirkung des vollen Werkes ist wahrhaft großartig....bla bla" den Rest eines Abnahmegutachten kennen wir ja.

Dann kamen 50 Jahre später wieder Welche, die ganz anderer Meinung waren:

"Bei der großen Anzahl der Stimmen fehlt dem Pleno Glanz und Fülle- das ganze Werk ist tonarm. Diese Tonarmut wird durch das sogenannte Schleifladensystem verschuldet. Lärmendes Regierwerk, zu enge Mensuren, das 1. Manual entbehrt eines kräftig singenden Principal-, Flöten-, Gamba-, und Trompetentons, das 2. Manual läßt ebenfalls sehr schöne Charakterstimmen vermissen, z.B. Aeoline 8, Vox ceoelestis 8, Dolce 8, Konzertflöte 8 und ein mild streichendes Geigenprincipal 8....."

dann bauten "Binder und Siemann" neu. Überraschenderweise das Abnahmegutachten:
"Ein Meisterwerk, in dem alle Fortschritte und Errungenschaften der modernen Orgelbaukunst.....bla bla"

Tja was soll man sagen, es folgten eine große "Reorganisation" und dann wiederum ein Neubau (der hoffentlich jetzt stehenbleibt).

Grüße Franz

Süddeutschland- Warum Rohrflöten?

Florgel @, Freitag, 09. September 2011, 10:39 (vor 5479 Tagen) @ Dulzian

Naja, also die (J.G.)Silbermannorgeln haben doch auch Rohrflöten, und Sachsen würde ich zwar nicht unbedingt zu Norddeutschland zählen, jedoch schon zu Süd(ost)deutschland, von daher wundere ich mich über diese gemachte Aussage...

Ohne über geographische Gegebenheiten streiten zu wollen:
Mit der Angabe Süddeutschland wird ein nicht eindeutig abgegrenztes Gebiet im Süden der Bundesrepublik Deutschland umrissen. Im Allgemeinen sind damit die Länder Baden-Württemberg, Bayern, der südliche Teil Hessens bzw. die Regionen südlich von Frankfurt am Main und manchmal auch das Saarland und die Pfalz gemeint. Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCddeutschland
Sachsen würde ich also nicht dazu zählen. Es liegt auch nicht gerade um die Ecke, zumindest in Franzens fall.

Gruß,
Florgel

Süddeutschland- Warum Rohrflöten?

Antilope, Freitag, 09. September 2011, 10:52 (vor 5479 Tagen) @ Florgel
bearbeitet von Antilope, Freitag, 09. September 2011, 10:56

Das sehe ich auch so - und es ist äußerst wichtig hier zu unterscheiden.
Ein weiterer, wichtiger Punkt:
"Im Süden Deutschlands" ist nicht gleichzusetzen mit "Süddeutschland".
Und - orgelbautechnisch - die Frage: beschränken wir uns auf Regsiter, die in ihrem Namen den Titel "Rohrflöte, -flaut" etc. tragen, oder aich jene Flöten, die nicht explizit diesen Namen tragen, aber von ihrer Bauweise her eine Rohrflöte sind?

Süd(Ost)deutschland & Rohrflöten?

Dulzian @, Freitag, 09. September 2011, 10:58 (vor 5479 Tagen) @ Florgel

Ohne über geographische Gegebenheiten streiten zu wollen:
Mit der Angabe Süddeutschland wird ein nicht eindeutig abgegrenztes Gebiet im Süden der Bundesrepublik Deutschland umrissen. Im Allgemeinen sind damit die Länder Baden-Württemberg, Bayern, der südliche Teil Hessens bzw. die Regionen südlich von Frankfurt am Main und manchmal auch das Saarland und die Pfalz gemeint. Quelle: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCddeutschland
Sachsen würde ich also nicht dazu zählen. Es liegt auch nicht gerade um die Ecke, zumindest in Franzens fall.

Mir geht es genauso wie dir, will mich also auch nicht über geographische Gegebenheiten streiten;-) :

Sachsen würde ich ebenfalls nicht zu Süddeutschland zählen.
Wir sind uns in dem Punkt vollkommen einig.

Nur ging es um ein anderes Gebiet, nämlich Süd(ost)deutschland.

Süd(Ost)deutschland & Rohrflöten?

Florgel @, Freitag, 09. September 2011, 11:07 (vor 5479 Tagen) @ Dulzian

Mir geht es genauso wie dir, will mich also auch nicht über geographische Gegebenheiten streiten;-) :

Sachsen würde ich ebenfalls nicht zu Süddeutschland zählen.
Wir sind uns in dem Punkt vollkommen einig.

Nur ging es um ein anderes Gebiet, nämlich Süd(ost)deutschland.

Die Doppeldeutigkeit habe ich direkt übersehen.
Ich glaube, Franz meinte mit dieser Angabe etwa Ostbayern.

Süd(Ost)deutschland & Rohrflöten?

Aeolinchen, Freitag, 09. September 2011, 11:22 (vor 5479 Tagen) @ Florgel

Mir geht es genauso wie dir, will mich also auch nicht über geographische Gegebenheiten streiten;-) :

Sachsen würde ich ebenfalls nicht zu Süddeutschland zählen.
Wir sind uns in dem Punkt vollkommen einig.

Nur ging es um ein anderes Gebiet, nämlich Süd(ost)deutschland.


Die Doppeldeutigkeit habe ich direkt übersehen.
Ich glaube, Franz meinte mit dieser Angabe etwa Ostbayern.

Naja, ursprünglich ging es um den Satz: "Eine historische Rohrflöte habe ich allerdings noch nie erlebt, da das Register doch eher norddeutsch ist."

Dass "eher norddeutsch" sich auf die Gebiete außerhalb Ostbayerns bezieht, dürfte jetzt wohl hinreichend geklärt sein.

Süd(Ost)deutschland & Rohrflöten?

Antilope, Freitag, 09. September 2011, 11:45 (vor 5479 Tagen) @ Aeolinchen

Genau, gemeint ist jener norddeutsche Orgelbau, zu dessen prominenteste Vertreter Gabler, Riepp und Holzhey zählen.

Süd(Ost)deutschland & Rohrflöten?

Dulzian @, Freitag, 09. September 2011, 11:51 (vor 5479 Tagen) @ Aeolinchen

Naja, ursprünglich ging es um den Satz: "Eine historische Rohrflöte habe ich allerdings noch nie erlebt, da das Register doch eher norddeutsch ist."

Dass "eher norddeutsch" sich auf die Gebiete außerhalb Ostbayerns bezieht, dürfte jetzt wohl hinreichend geklärt sein.

Also ich kann damit leben, dass manche offenbar meine ehemalige Heimat Thüringen, oder das Gebiet Sachsen, welche beide so viele wunderbare barocke Orgeln mit Rohrflöten beherbergen, zu einem Gebiet "eher norddeutsch" rechnen, da außerhalb der Weißwurstgrenze... :-)

Im übrigen erfreue ich mich jedesmal, wenn ich zu Hause an meiner Hauptwerkorgel mit der Silbermannorgel Großhartmannsdorf sitze, an deren wunderschönen Rohrflöte. Ähnliches gilt eigentlich auch für die Orgeln in meiner Gegend in Ostwestfalen, an denen ich Orgeldienst verrichte.

Warum Rohrflöten?

Friedrich @, Freitag, 07. Oktober 2011, 14:06 (vor 5451 Tagen) @ Friedrich

Ein später Nachtrag zu diesem Thread drängte sich mir auf, als ich heute die neue Kunst-der-Fuge-Aufnahme mit Leon Berben durchhörte. Der spielt an der Wagner-Orgel in Angermünde (1742/44, restauriert 1964–1976 durch Schuke Potsdam) den Kanon alla Decima auf Rohrflöte (l. H.) und Gedackt 8' (r. H.).

Wenn man den runden, dunkel zeichnenden und leicht herben Klang dieser Rohrflöte hört, weiß man, »warum Rohrflöte«. Überhaupt klingt die Orgel wunderbar, und Berben spielt hervorragend.

Gruß,
Friedrich

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