Jens-Peter Enk in der Neanderkirche, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Donnerstag, 25. August 2011, 10:23 (vor 5492 Tagen)

Hallo Forum,

das inzwischen schon 10. Sommerliche Orgelkonzert in der Neanderkirche bestritt Jens-Peter Enk (Christuskirche). Eines Weckrufes bedurfte es diesmal nicht: BWV 572 stand am Anfang. Das tres vitement kam flötig. Enk brachte ein wenig Agogik ins Spiel, die “eins” war mitunter ein paar Hundertstel zu lang, auch sonst rückte es etwas. Mit Verve ging es ins Gravement. Okay, kein Grave eben. Und Grave ist ja auch nicht so recht eine Tempobezeichnung - eher einer Modusvorschrift. Schwer soll es sein, Gravement also in einer Art von schwer. Gutes Baßfundament gab es. Auch sonst war die Registrierung dicht, ohne aber breiig zu sein. Blieb das Tempo. Zumindest gewöhnungsbedürftig. Jedenfalls nicht als Blick in die Ewigkeit geeignet. Auch das Lentement war danach - folgerichtig - tres vitement. Gebrochene Akkorde über pochendem Baß.

An zweiter Stelle ein Festliches Praeludium über Lobe den Herren von Gade. Immer wieder wurde das Lied geschickt in das Stück eingebaut. Gewiß hörenswert. Von Mendelssohn danach Andante mit Variationen D-Dur.

Gleich zu Beginn stellt Ritter in seiner ersten Sonate op. 11 jene Abwärtsbewegung vor, die das ganze Stück prägt. Zwar gibt es keine Satzpausen, die einzelnen Abschnitte sind aber gut auszumachen. Enk nahm sich des d-moll-Werkes mit Leidenschaft an. Schön ruhig dabei die langsamen Zwischensätze, aufregend ein kontrapunktisch komplizierter Satz.

Auch mit dem vorgeschriebenen Feuer ging es bei Guilmant weiter. Die dritte Sonate c-moll ist ähnlichen Charakters.

Und noch ein hochromantisches Stück folgte: Liszt BACH. Auch hier ging Enk mit Kraft zur Sache, blieb den ff-Stellen nichts schuldig. Für die ruhige Stelle ganz am Ende fehlen der Orgel vielleicht die richtigen Stimmen? Jedenfalls stand der Schluß prächtig.

Zum Abschluß etwas Modernes. Wer erwartet hatte, daß nun Ohren und Geist von so viel Romantik gereinigt würden, sah sich getäuscht. Enk hatte schon in seiner (gottlob kurzen) Vorrede darauf hingewiesen: Denis Bedard (*1950) komponiere tonschön. Nun ja, der Kanadier schreibt nur sehr mäßig modern. Hier orientiert er sich an Satzfolge und Charakteristik von Boellmann Suite Gothique. Und so klingt dann die Suite Romantique auch. Kaum mehr als ein aufgewärmtes Gericht.

70 Minuten. Heftiger Beifall. Nahezu komplett besetzte Kirche (>300).

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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