Orgelpflege durch stetige Investition
Wir hatten am Sonntag 540.000 Zuschauer, wegen des parallelen Papstgottesdienstes war das weniger als sonst. Die Reaktionen waren aber sehr positiv. Vor und während der Aufnahme war mir diese Zahl überhaupt nicht bewusst, erst wenn man danach die Aufnahme im Internet sieht, merkt man, welche Reichweite (und Folgen) eine solche Sendung hat. Ich habe mir schon vorher überlegt, ob ich ausnahmsweise 'mal Sätze aus dem Orgelbuch und auskomponierte Liedvorspiele nehmen soll, aber durch die vielen Jahre Organistendienst hat sich eine Routine entwickelt, die auch dann funktioniert, wenn das Fernsehen dabei ist. Außerdem lässt sich ein Gottesdienst nicht wirklich auf die Sekunde planen, auch wenn es am Tag zuvor eine Generalprobe (als gültiger Gottesdienst!) gegeben hat. Man muss also flexibel sein, auch bei den Vorspielen. Ich bekam einen Knopf ins Ohr und darüber mitgeteilt, wie lange z. B. die Musik zur Kommunion noch sein darf/muss, wie viele Strophen wir beim Danklied noch spielen können. Es ist extrem ungewohnt, dass jemand anderes diese Entscheidung fällt, sonst mache ich das spontan im Gottesdienst. Da das Motto "Tu es Petrus" auch noch im Orgelnachspiel vorkam, sollten davon noch ein paar Sekunden hörbar sein. Der Druck ist also weniger die große Zahl von Zuschauern, die nämlich anonym bleiben und deshalb nicht "gefährlich" sind, als das zeitliche Moment.
Ich bin viel aufgeregter, wenn ich weiß, dass Kollegen unten sitzen oder der ehemalige Orgellehrer. Nach einem Orgelkonzert in einem Kaff am Rhein stellte sich mir einmal ein Zuhörer vor, es war der Organist einer englischen Kathedrale auf Deutschland-Urlaubsreise. Da war ich schon froh, dass ich das nicht vorher wusste. Den Fernsehgottesdienst sehen in der Regel aber keine Organisten, die haben ja selbst Dienst...
Leider passieren in der Aufregung peinliche Verspieler, davon war ich am Sonntag auch nicht verschont; und wer darüber lästern mag, soll sich nicht abbringen lassen. Aber es ist wirklich eine völlig andere Situation als ein Konzert, wo es in der Regel keinen zeitlichen Druck gibt und auch keine Kameraleute, die die Musiker umschwirren.
Sehr schön fand ich übrigens den Gottesdienst aus Weimar mit der neuen Liszt-Orgel, da hat man trotz der rigiden Vorgabe (max. 44 Minuten) erstaunlich viel schöne Musik unterbringen können.
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