Imitationsinstrument
Es geht eher um das instrumentale Selbstverständnis der Digitalorgel.
Soll/will sie die Pfeifenorgel ersetzen oder imitieren? Braucht es Berührungsängste dort, wo sich möglicherweise gar nichts berührt??
Nehme man doch beispielsweise einmal Gitarre und E-Gitarre. Wer würde da heute noch ernsthaft vergleichen? Das sind eben zwei verschiedene Instrumente, mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen - und Einsatzgebieten.
Und beim Imitat ist die Pfeifen-Orgel selbst nicht mit Ruhmesblättern gesegnet: Die Vox humana ist ein jahrhundertelang peinlich gescheiterter Imitatversuch - und hat nun eben ihren eigenen Stellenwert, sobald man sich vom Imitatsgedanken gelöst hatte. Gilt natürlich für alle "Orchesterstimmen"-Orgelregister... Die Pfeifenorgel muss so ehrlich sein, dass sie selbst eigentlich als Imitat, als Musikautomat, als Chor- und Orchesterersatz angefangen hat. Dann darf sie sich nicht beschweren, wenn sie als Imitat nun selber imitiert wird...
Deinen Gedankengang über die Orgel als „Imitationsinstrument“ finde ich sehr interessant auch wenn sich daraus zwangsläufig eine gewisse Legitimation der Digitalorgel ergibt (sage ich als überzeugter „Pfeifen-Fan“ !).
Die Pfeifenorgel ist jedoch im Vergleich zu Gitarre oder Klavier leider ein Stiefkind unter den Instrumenten (vielleicht weil sie in den Köpfen automatisch mit „Kirche“ in Verbindung gebracht wird?).
Gitarre und E-Gitarre sind weitaus populärer und haben sich längst voneinander getrennt und eigene „Märkte“ und Zuhörer erschlossen.
Es ist m. E. alles eine Frage der Akzeptanz des jeweiligen Publikums (Kirchenbesucher mit eingeschlossen).
Klavier (Flügel) und E-Piano sind akustisch auch nicht mehr zu unterscheiden.
Aber würden Lang Lang oder Argerich die Säle füllen wenn zuvor bekannt wäre, dass sie auf einem Yamaha-E-Piano spielen?
Aber die Antwort auf die Frage „Pfeifen oder Digital“ kann auch ganz einfach sein.
Wenn sich die Digitalorgel optisch als „Klaviatur mit Lautsprecherboxen“ zu erkennen gibt, dann weiß der Zuhörer woran er ist und kann es akzeptieren oder ablehnen.
Wenn aber ein stummer Pfeifenprospekt (schlimmstenfalls noch historisch, wie in einer hier schon erwähnten Kirche in Dortmund) als Tarnkappe herhalten muss, dann entlarvt sich das Instrument selbst als billiges Imitat.
Solange Musiker und Publikum weiterhin der Versuchung nicht widerstehen können und sich den Kathedralklang von ND-Paris in ihre Dorfkapellen holen, verdient es die Digitalorgel auch nur „wie eine echte Pfeifenorgel“ zu klingen.
Der Spaß am „Kathedralklang“ hat sowieso nur eine kurze Halbwertszeit:
Nach 20 Jahren keine Ersatzteile mehr und „Die Module spiel’n verrückt ...“
... summt vergnügt vor sich hin,
Subkoppel II - I
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