Mehr Transparenz bei Musikwettbewerben

Friedrich @, Donnerstag, 23. Dezember 2010, 18:57 (vor 5788 Tagen) @ Karsten

Liebe Forenser,

ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass man hier mit Gewinn Transparenz einfordern kann. Man kann sich Punktsysteme ausdenken, man kann Juroren zur Enthaltung zwingen, wenn einer ihrer Schüler spielt, man kann Hand-hoch-Abstimmungen öffentlich machen. Aber letztlich bleibt die Entscheidung, die der Juror trifft, das Ergebnis eines unauflöslichen Knotens von Kriterien, über die der einzelne Juror sich, wenn man ihn denn fragt, auch gar nicht klar sein kann. Juroren haben eben meist viel Spiel- und Lehrerfahrung. So schießen beim Anhören und Beobachten eines Wettbewerbsteilnehmers sehr, sehr viele Daten zu einem Urteil zusammen, das oft schon innerhalb der ersten Sekunden fällt.

Das Jurygespräch hinterher kann etwas bringen, aber es kommt dabei entscheidend auf die Aufrichtigkeit der Gesprächpartner an -- oder auch auf ihren Takt. Sie sind ja keine sprechenden Evaluationsbögen, sondern eben auch Lehrer, die ihre Aussagen und Ratschläge der Situation entsprechend machen. Da kann ein vor Selbstbewusstsein strotzender, enttäuschter Vierter vor ihnen sitzen, dem sie sehr deutlich machen müssen, wo er noch an sich arbeiten muss; oder ein bleiches, vernichtetes Etwas, das mit jedem Lippenzucken sein "Warum??" in die Welt leidet.

Ein Juror hat mir mal von der Mitarbeit in einer Jury erzählt, in der auch Langlais saß. Da spielte einer der Teilnehmer Reger, vielleicht gar nicht schlecht, und ein schweres Lied. Langlais soll seinen Bewertungszettel genommen haben und eine große, runde Null darauf gemalt haben. Reger mochte er eben nicht, egal, wie er gespielt wurde.

Mal ehrlich: Möchte man so etwas wirklich wissen, ob als Teilnehmer oder als Zuhörer?

Gruß,
Friedrich


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