Ben van Oosten in St. Lambertus, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Dienstag, 07. Juni 2011, 09:56 (vor 5630 Tagen)
bearbeitet von Clemens Schäfer, Dienstag, 07. Juni 2011, 10:02

Hallo Forum,

40-jähriges Konzertjubilaeum konnte Ben van Oosten (*1955) kürzlich feiern - und wurde dafür von der niederländischen Königin geehrt. Gestern spielte in St. Lambertus, D-Altstadt. Und wie immer hatte er ein ausgefeiltes, stimmiges Programm mitgebracht.

Eine kleine Hommage an Liszt machte den Auftakt: Die Bearbeitung eines Kantatensatzes
(Einleitung und Fuge C-Dur = Schlußchor aus BWV 21) und die eines Adagios Es-Dur aus BWV 1017 (Violine und Cembalo). Erstere strahlend und klar, die zweite mit der Violinstimme in Tenorlage - sehr apart!

Eine Entdeckung war danach die Élegie-Fugue op. 44 Nr. 2 von Guilmant. Nach ruhigem Beginn, meldet sich zweimal ein rezitativischer Einwurf, der unversehens zum Fugenthema mutiert. Damit aber endet das Stück nicht: Es erfolgt die Rückverwandlung ins Rezitativische und ebnet so der Wiederkehr des Elegischen Raum. Ein lohnendes Stück Musik! Ein zweites Stück von Guilmant war danach Marche Triomphale op. 77 Nr. 5. Hier mutete es zunächst nach Lochpappenmusik für Kirmesorgel an - aber gemach: Spätestens im Trio wurde klar, daß hier doch mehr drinsteckte. Und da van Oosten nicht übertrieb, kam auch das sehr geschmackvoll.

Leider wurde das Konzert an dieser Stelle (20h) durch unvermutetes Gebimmel von der nahen Kapelle des ehemaligen Theresienhospitals gestört. Das hatte es bislang bei diesen Konzerten noch nicht gegeben. Van Oosten wartete zunächst, begann dann aber doch mit Francks Pastorale op. 19 - auch hier ein Bezug zur “11”, ist das Stück doch “à mon ami Aristide Cavaillée-Coll“ gewidmet.

Ganz herrlich und wirklich lucide die “Variations sur l’Hymne Lucis Creator” von Alain (1932). Es ist immer wieder frappierend, welch sichere Grundlage gregorianische Choräle einer Komposition bieten. Ist halt Material von ungeheuerer Kraft und Suggestivität.

Zum Abschluß spielte van Oosten vier Stücke aus “Sept Piéces” op. 27 von Dupré. Extravagant registriert der Canon, spielfreudig das Carillon, ganz herrlich mit Charakterwechseln (Oboe - Streicher) die Légende, kräftig das Final.

Kaum war der Nachhall verklungen, gab es starken, dankbaren Beifall der ca. 130 Hörer.

Gruß Clemens Schäfer

PS:
Bei der Begrüßung hatte Kantor Heinz Terbuyken mitgeteilt, daß seine Nachfolge geregelt sei: Marcel Andreas Ober sei auf die Kantorenstelle an St. Lambertus berufen. Diese Nachricht quittierten die Besucher spontan mit herzlichem Beifall. Nach dem Konzert nahmen viele die Gelegenheit wahr, dem anwesenden Ober zu gratulieren.

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)


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