OT: Systemfehler in digitalen Trakturen / Bus-Systemen

Contrebasson 32' @, Mittwoch, 22. Mai 2013, 12:06 (vor 4848 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

So, da bin ich wieder.

Ich stelle fest, dass der Thread nichts substantiell Negatives gebracht hat.

Stein bemerkt, dass ORgeln bis 50 Reg. problemlos mechanisch gebaut werden können.
Klar! Auch noch größer. Ich denke aber an 83+ Register, nämlich meine Dienstorgel. Und ich denke an Orgeln, wo es konzeptionell passt, die nicht-mechanisch gedachte Orgelmusik - und davon gibt es eine riesige Menge, mag die mechanisch gedachte (und von mir auch heiß vereherte) gerne ein Vielfaches davon darstellen - in den Vordergrund zu stellen, was Anschlagsart und klangliche Darstellungsmöglichkeiten betrifft.

Aber so ist das Ergebnis des Threads ja positiv, bezogen auf die Frage nach latent zu befürchtenden Ausfällen derartiger Systeme.

Dein positives Ergebnis ist aus meiner Sicht völlig korrekt. Hier muss man meines Erachtens jedoch zwei Dinge unterscheiden:
- Nach- und Vorteile elektrischer Trakturen ggü. mechanischen Trakturen
- Fehlerhäufigkeit bestimmter digitaler Systeme

Natürlich hat eine normale elektrische Traktur (im Gegensatz zu einer elektr. proportionalen Traktur wie das Eltec- oder NovelOrg-System) den Nachteil, dass es nur den Zustand Ventil auf/zu gibt und dass das Öffnen und Schließen entsprechend schnell bzw. ruckartig geschieht, was bei der Intonation ausgeglichen werden muss. So wird eine differenzierte, fein artikulierende Spielweise so gut wie verunmöglicht, auch wenn diese sich durch entsprechendes "Atmen" und Vertrautheit mit der Tastenreise zumindestens teilweise ausgleichen lässt.

Vorteile sind unbestritten die leichte Spielart bei geringen Tastengewicht, egal ob im Tutti, im piano, bei gekoppelten Werken etc. Erst diese ermöglicht bzw. erleichtert die Aufführung so manches Werkes ungemein.

Unbestrittenerweise sind die Fehlerquellen bei einer elektrischen Traktur völlig anders geartet als bei einer mechanischen, die großen Orgelbaufirmen bzw. -zulieferer haben aber sehr zuverlässige Systeme entwickelt, gerade im Bereich der seriellen und nicht mehr parallelen Übertragung der Signale. Mit etwas Skepsis betrachte ich hingegen die Eigenentwicklungen kleiner Orgelbaufirmen, selbst dann, wenn sie auf einem industriellen Bus-Standard beruhen. Hier kommt man wirklich nicht umher, einen genauen Blick auf Orgeln mit demselben System zu werfen. Außerdem ist bei den "großen" Firmen die Sicherheit bzgl. der Funktionstüchtigkeit potentiell größer und auch die Chance, dass nach mehreren Jahrzehnten noch irgendwer etwaige Fehler beheben kann.

Gerne erzähle ich die Geschichte vom Einweihungskonzert der Kuhn-Orgel in der Essener Philharmonie, bei der mitten im Stück der elektrische Spieltisch ausgefallen ist. Der Grund hierfür war wohl, dass der interne Computer abgestürzt ist. So muss man ehrlicherweise feststellen, dass Funktionsausfälle auch bei den "Großen" vorkommen können.

Als jemand, der aus einer Gegend stammt, in der es relativ viele Orgeln mit elektrischer (serieller/digitaler)Traktur gibt, kann ich abschließend feststellen, "trotzdem" nur sehr wenig von Problemen zu hören. Die meisten Systeme sind in jeder Hinsicht ausgereift und spielen höchstens mal ob extremer äußerer Einflüsse verrückt (Gewitter/ abgerissener Stecker des elektr. Spieltisches etc.).

Mit besten Grüßen
Contrebasson 32'


PS: In die Orgel meiner Heimatkirche wird jetzt im Zuge einer Generalüberholung höchstwahrscheinlich auch eine digitale elektrische Traktur eingebaut - und ich mache mir da auch keine Sorgen, sondern rechne ganz im Gegenteil im Vergleich mit der nun schon über 50 Jahre alten parallelen, elektr. Tastatur mit einer erhöhten Funktionssicherheit.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum