Evangelische Posaunenchöre
Just back from Kirchentag.... auch mit viel Blech....
Ja, Posaunenchöre sind eine mehr eine diakonische/missionarische Einrichtung als eine künstlerische. Heutzutage sind sie als "Schwere Artillerie" der Kirchenmusik auch sehr praktisch - siehe Kirchentag, wo Chöre unterschiedlicher Qualität und Größe schnell eine Menschansammlung an der Straßenecke erzeugen.
Das chorische Prinzip ist sozial, aber künstlerisch "tödlich", ähnlich wie bei Blückflöten. Der von mir ggw. betreute Chor ist klein, aber recht jung (Studenten sorgen für Fluktuation mit Niveau), wir spielen so weit als möglich einzeln besetzt, sind also 7 Leute da, versuche ich quasi, etwas siebenstimmiges zu spielen, um die Intonationsprobleme innerhalb einer Stimme schon mal auszuschalten, es bleibt am Akkord an sich genug zu tun.
Singe-Chorerfahrung ist hilfreich, inzwischen würde ich sagen, unverzichtbar. Anfänger, egal ob jung oder alt, müssen erst (halbwegs) sauber singen können, sonst entsteht nicht ein mal mehr Kunsthandwerk.
Übrigen sind die originalen Kuhlo-Sätze deutlich höher als das, was heute allgemein spielbar ist. Es wurde sicher mehr zuhause geübt damals - vgl. diesen Film über die englische Minenarbeiter-Kapelle, wie hieß der doch gleich?
Typisch für Kuhlo auch der "weitmensurierte" Chor, also eher Flügelhorn als Trompete, lieber Tenorhorn als Posaunen. Ist auch nett, aber die weiten Instrumente verlangen noch bessere Intonation, wenngleich die Schwebungen nicht so brutal sind.
Ich versuche, den Chor möglichst nach Blechbläsern klingen zu lassen - das ist vom üblichen Posaunenchor-Sound, mit relativ dichter Intontation und vor allem völlig statischem, meist auch etwas matten Ton, relativ weit entfernt.
Nachteil: Mancher Proberaum wird dann auf ein mal ganz schnell zu klein, auch bei gleichbleibender Bläserzahl....
Das tendenziell solistische Spiel birgt Risiken - wenn ein Bläser am Sonntag krank ist, z. B.
Da ich den Chor selbst leite und meist auch orgle, haben wir inzwischen intonatorisch daran gearbeitet, auch gut mit der Orgel gleichzeitig zu spielen, nicht nur abwechselnd. Das ergibt natürlich einen satten Bass, auch wenn mal kein tubist da ist, und wenn das Stück leicht unterprobt ist. kann man es ein wenig zusammenhalten. So viel aus meiner Erfahrung, die allerdings nach dem Muster des Kirchenmusikers verläuft, der erst auf gemeindlichen Wunsch in die Bläserei einsteigt.
Bereut hab ichs nicht, vor allem hat sich mein Respekt vor guten Bläsern (hörte in Hamburg gestern wieder die NDR-BigBand, seufz...) vervielfacht...
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