Prospektgestaltung - Neues ohne Provokation

Friedrich @, Donnerstag, 16. Dezember 2010, 09:10 (vor 5789 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Eine Sache, die mir häufig auffällt, möchte ich kritisch anmerken, nämlich die geraden Linien in den Schrägen der Bekrönung. Derartiges ist ja leicht herzustellen, aber wenn man mal auf den Trip gekommen ist, sieht man - ich jedenfalls - es immer wieder als B-Variante, quasi "Bogen wäre schöner gewesen, aber teurer".*
Ähnliches gilt für alle Arten von Lattenrost oder gar Lochbleche im Prospekt (z. B. J & B). Kritikpunkte 1 und 2 treffen also auch viele ansonsten gerühmte Neubauten schweizer Provenienz. ...

*Viel Bogen, eventuell zu viel, sieht man in den Orgeln von Schuke-Werder in den letzten Jahren, meist gezeichnet von Tibor Kiss.

Ich finde den Umgang mit Bögen in Orgelprospekten extrem heikel und kann deswegen die Anmerkung "eventuell zu viel" sehr gut verstehen. Besonders Kreisbögen, gerade um 2000 wieder in Mode gekommen, wirken oft plump oder irgendwie altdeutsch. (Hier in Freiburg haben wir so ein neo-vorromanisches Ordinariat mit Dämonenköpfchen und Bandornamenten, wenn man das bei schlechtem Wetter mit Weitwinkel fotografiert, ist man mitten in "Biss zum Morgengrauen" ...) Auch wenn die Kreisbögen in die Horizontale wandern, bleiben sie schwierig, weil sie so nach Fortsetzung ihrer Bewegung drängen.

Parabel- oder Hyperbelschwünge finde ich unkomplizierter, aber sie brauchen viel Platz auch jenseits des Orgelkörpers, damit sie nicht in voller Fahrt gegen die Wand schwingen; und das Verhältnis zu den rechtwinkligen Architekturteilen, spätestens zum Fußboden oder der Emporenkante, muss geklärt werden. Schwierig wird es immer, wenn wenig Platz um die Orgel herum ist und trotzdem eine irgendwie dramatische Form gesucht wird. Eine mit gutem Gespür aufgebrochene Kastenform hat da einiges für sich.

Um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukommen: An Winterhalters Entwurf gefällt mir der kräftige, aber nicht allzu raumgreifende Schwung der Fassadenlinien. Bögen, aber gut gefasste.

Gruß,
Friedrich


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