"Der Bösken", war: Eine neue alte Orgel
Die Orgelgeschichte ist bei Bösken ausführlich (mit vollständiger Wiedergabe des Vertrags) dargestellt
Wo er hier gerade erwähnt wird: Wie zuverlässig ist "der Bösken" im Allgemeinen? Ich stolperte neulich bei ihm über Angaben zu einer Orgel, die nachweislich grundfalsch sind. Soll heißen: Historie korrekt, jüngste Vergangenheit hingegen nicht, und zwar nicht einmal annähernd.Ist das ein Einzelfall, oder muss man Böskens Angaben grundsätzlich eher kriisch sehen?
Gruß
Fabian
edit: Dass ein solches Mammutwerk wie das von Bösken nicht fehlerfrei sein kann, ist klar. Die Frage zielt eher in die Richtung "nachlässig gearbeitet oder einfacher Lapsus?".
Hallo Fabian,
oje, du reißt eine Wunde auf...
Böskens Arbeit ist zunächst einmal von unschätzbarem Wert. Die Menge an Informationen, die er zusammengetragen hat, ist unermesslich. Gerade auch in der Sichtung, Aufzeichnung und Bereitstellung der historischen Dokumente liegt eine "Heidenarbeit", zumal, wenn man bedenkt, dass in den 60er und 70er Jahren es die Hilfsmittel der heutigen Zeit (insbes. PC, digitale Fotografie, etc.) noch nicht gab. Auch Hermann Fischer, der die Arbeit sozusagen geerbt und fortgesetzt hat, ist hier unbedingt zu erwähnen, ebenso wie Böskens Witwe, beide haben den Abschluss des Werks erst möglich gemacht.
Trotzdem muss man aus heutiger Sicht sagen, dass Bösken manchmal nicht weit genug gegangen ist. Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen. Ein Teil ist sicher darauf zurückzuführen, dass die Quellen damals noch nicht zugänglich waren. Denn auch in den Pfarrarchiven schlummern "Informationschätze", die auch erst heute nach und nach zu Tage kommen. Wie hätte Bösken diese Infos vor 30, 40 Jahren finden sollen? (Ich selbst habe z. B. erst vor zwei Jahren aus unserer Pfarrchronik ein Orgelfoto aus den 1820er Jahren (!) zu Tage gefördert, von dem selbst die Pfarrerin und auch "alte" KV-Mitglieder nicht wusste, dass das da drin ist.)
Ein anderer Teil ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die damals vorhandenen Kenntnisse über die Geschichte des Orgelbaus und über die Bauarten und Vorgehensweise einiger Werkstätten gerade im 17. und 18. Jahrhundert noch nicht so umfangreich wie heute waren und es deshalb auch zu Fehlinterpretationen oder fehlerhaften Vermutungen kam. Auch hier kommt erst nach und nach Licht in das Dunkel, ein Beispiel hierfür ist die Werkstatt Köhler/We(e)gmann in Frankfurt, zu der ja H. Fischer in den letzten Acta einen interessanten Beitrag geschrieben hat (der allerdings bezüglich eines Instrumentes auch zu einer fehlerhaften Aussage kommt, darüber werde ich aber noch mit Herrn Fischer sprechen und ihm die mir vorliegenden Informationen zukommen lassen.)
Auf keinen Fall aber werde ich Herrn Bösken aus diesen Erkenntnissen "einen Strick drehen". Was Bösken mit der Aufzeichnung der seinerzeitigen Sachstände getan hat ist eine Detailarbeit, die für die Orgelgeschichte eines großen Landstriches eine Menge an Quellen und Informationen bereitstellt, von der ich nicht wüsste, wo man sie sonst herbekommen sollte, wenn es "den Bösken" nicht gäbe.
Wenn du schreibst:
"Soll heißen: Historie korrekt, jüngste Vergangenheit hingegen nicht, und zwar nicht einmal annähernd."
dann ist das natürlich klar, denn Böskens Arbeit der Datenaufnahme endet wenn ich es richtig verstanden habe - je nach Landstrich - irgendwann Mitte der 70er Jahre. (Meine Orgel von 1977 ist im Bösken z. B. noch erwähnt.) Alles was danach passiert ist, kann keine Berücksichtigung mehr gefunden haben.
Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass Bösken einen Planungsstand darstellt, der dann anders umgesetzt worden ist. Und über die in den 80ern gebauten Instrumente oder die in dieser Zeit durchgeführten Arbeiten fehlt natürlich auch die Info.
Das gesamte Werk kritisch zu sehen würde ich für übertrieben erachten. Im Einzelfall jedoch die Sachstände hinsichtlich der weiteren Entwicklung bis heute zu hinterfragen ist auf jeden Fall ratsam. Und wenn du konkrete Dinge hast, dann wäre es vielleicht eine gute Idee, diese einmal zusammenzutragen. Die Idee hatte ich auch schon einmal. Vor allem wäre ein "Fortschreiben" des Bösken aufgrund neuer orgelhistorischer Erkenntnisse eine spannende, aber auch große Aufgabe. Alleine wäre ich ihr nicht gewachsen, aber warum sollte sich nicht ein Team finden, das so etwas angeht?
Welche Orgel hast du konkret? Gerne kannst du mir auch einmal mailen... joerg.r.becker(§)gmx.de
(§) natürlich ersetzen...
LG
Jörg
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