Das ewige Lied/Orgelnachspiel

willscher, Sonntag, 20. März 2011, 17:50 (vor 5644 Tagen) @ hardy

Bei uns bleiben die Leute immer sitzen, bis das Nachspiel vorbei ist. Allerdings wünsche ich mir oft, daß sie etwas mehr zuhören und weniger tuscheln dabei. Manchmal geht das auch, hängt auch von der Musik ab.


Egal, wo man ist, viele Leute haben keinen Respekt mehr vor Kirchenräumen, auch wenn sie regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Der Hamburger Domorganist brach einmal ein schönes Bach-Nachspiel ab, weil er "vor lauter Geschnattere" seine Orgel nicht mehr hören konnte.
Vieles, wenn nicht alles, hat der Priester in der Hand. Da gibt es welche, die dann beim Orgelnachspiel demonstrativ einige Minuten (die können manchmal verdammt lang sein!) am Altar verweilen. Arme Gemeinde, denn dann traut sich kaum jemand raus. Es gibt aber im Erzbistum HH eine Dienstanweisung, wonach die Priester in "Amtskleidung" am Ende des Gottesdienstes die Kirchenbesucher (einzeln) verabschieden mögen. Das findet dann am Ausgang des Kirchenschiffs statt. Und somit ist eine unandächtige Geräuschkulisse unvermeidlich. Selig, wer als Organist gute Nerven hat und sich nicht ärgert, daß sein Orgelnachspiel im kollekziv-profanen Rap der Kirchenbesucher untergeht. Oder wer "sein Stammpublikum" hat, das ungerührt sitzen bleibt. Der Trumpf ist dann neben guter Musik auch die gut disponierte Orgel mit Power ohne Ende.
Ein kleiner Trick: Man sei sich doch nicht zu schade, auch mal Händels Halleluja, Gounods Ave Maria (das mit der von Bach geschaffenen Begleitung) oder das Intermezzo aus Cavalleria rusticana als Nachspiel zu gestalten. Muß ja nicht gerade jede Woche sein. Aber das sind die Bonus-Punkte für den nächsten Messiaen oder für Willschers Kreuzweg ;-))
Wobei man sich von mir seit fast 11 Jahren immer den Main Title aus Star Wars wünscht. Was ich bislang immer abgelehnt habe, jedenfalls den GD betreffend. In einem der letzten Kinder-Orgelkonzerte habe ich das dann gemacht.
Viele Grüße
Andreas


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