P. van Dijk in Stralsund St. Marien
Am Mittwoch, den 07. August, spielte P. van Dijk ein Konzert an der Stellwagen-Orgel in St. Marien in Stralsund. Wir waren im Urlaub auf Rügen, ich dachte mir, da fahr ich hin! Van Dijk hört man nicht alle Tage, schon gar nicht auf solch einem Instrument.
In der Kirche waren einige Konzertbesucher anwesend (um die 100), ich saß vorne links direkt gegenüber von der Kanzel in den Querbänken, den herrlichen Prospekt quasi im Blickfeld.
Das Programm war durchaus Interessant. (Kuhnau, Estendorffer, Brunnenmüller, Monari, Böhm).
Hausherr Martin Rost erklärte zu Beginn, dass die Komponisten allesamt in der Dekade nach der Fertigstellung der Orgel (1659) geboren wurden – das also der „Rote Faden“.
Wie dem auch sei, es ging mit der Toccata in G von Kuhnau los. Ich war zuerst erschrocken! Auge und Ohr waren sich nicht einig: Der Prospekt verspricht viel Klang, das Plenum kam aber sehr „verhalten“ rüber. Klar, man weiß ja, dass es hier eben keine Schnitger ist und dass der Klang dieser Orgeln ganz anders ist - dennoch muss man sich erstmal reinhören. Der Klang ist nobel, silbrig, die Zungen nicht zu kräftig, und wegen der ¼-Komma Stimmung (die ich persönlich sehr gern habe) auch an manchen Stellen ziemlich kantig, aber stets klar und zeichnend.
Am schönsten fand ich die einzelnen Flöten – wunderbar in den Böhm-Variationen "Ach wie flüchtig" vorgetragen. Man könnte meinen, dass die Orgel im Plenum den gesamten Raum mit Klang füllen müsste, wenn man diese Register einzeln hört. Aber nein, das Plenum bleibt verhalten, die Mensuren eng, das Konzept (ich sage nur „Consort-Stil“) ein anderes.
Kuhnau „Der Streit zwischen David und Goliath“ passte für mich hier überhaupt nicht hin. Dafür hat die Orgel die nötige Power nicht. Auch die Stimmung macht da nicht mehr mit. Merkwürdig, dachte ich mir. Und viele Gasttöne waren auch dabei. An manchen Stellen blieb der Organist regelrecht hängen. Hätte ich von Pieter van Dijk nicht erwartet.
Beim Schlussapplaus guckte der Organist dann durchs kleine Fenster oben an der Emporenbrüstung nach unten. Da wurde mir klar: Es war nicht Pieter van Dijk, sondern Peter van Dijk.
Nächstes Mal gucke ich genauer hin. War trotzdem schön.
Hoppla! Das mit den verschiedenen van Dijks hätte mir auch passieren können... Zur Orgel: Ob Schnitger "lauter" wäre - ich bezweifle es. Die Hütte ist riesengroß, ich kenne keine existierende Schnitger-Orgel in einer vergleichbar großen Kirche. Und vor einer Woche hörte ich Groningen Martini, da war auch manches "edel", aber nicht wirklich kräftig (aber natürlich wunderschön). Ich kenne das Stralsunder Instrument auch nur in "mild". Es ist wirklich so, man muss sich einhören, zunächst ist da eine gewisse Irritation.
gesamter Thread:
- P. van Dijk in Stralsund St. Marien -
daggies,
14.08.2024, 16:40
- P. van Dijk in Stralsund St. Marien -
Karl-Bernhardin Kropf,
14.08.2024, 19:24
- P. van Dijk in Stralsund St. Marien - daggies, 14.08.2024, 19:38
- Consort-Stil, war: P. van Dijk in Stralsund St. Marien -
VoxCoelestis,
14.08.2024, 21:08
- Consort-Stil, war: P. van Dijk in Stralsund St. Marien - Karsten, 14.08.2024, 21:29
- P. van Dijk in Stralsund St. Marien - daggies, 15.08.2024, 14:58
- P. van Dijk in Stralsund St. Marien -
Karl-Bernhardin Kropf,
14.08.2024, 19:24