erlebt: Marcussen-Orgel in Linz (Mariendom)
Nach der Woche in Wien gönnten wir uns noch ein paar Tage in Linz. Dort konnte ich ein paar Orgeln kennenlernen.
Die große Domorgel von 1968 hat mich positiv überrascht.
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Ich rechnete mit "Neobarock-pur", aber das Instrument ist deutlich vielseitiger. Zuerst hörte ich es in einem Konzert von unten. Natürlich gibt es einige hochliegende Mixturen und "spuckende" Prinzipale, die die Vorstellungen dieser Zeit repräsentieren. Gerade aber die verschiedenen Prinzipalchöre zeigen aber auch, wie viel Kraft in solchen Orgeln stecken kann (meines Erachtens hier viel mehr als etwa in Ulm oder im Würzburger Dom, die zeitgleich entstanden sind).
Hier finden sich einige Aussagen und Dokumente zur Entstehungsgeschichte.
Als ich dann selbst probieren durfte, erlebte ich ganz unterschiedliche Klangfarben. Man findet runde Flöten, wirklich "romantisch" klingend (Traversflöte), aber auch klar zeichnende Gedackte. Die Trompeten im Schwellwerk sind französisch inspiriert, auch das kraftvolle HW-Cornett. Auf den ersten Blick gibt es nur wenige Streicher (die Gambe im OW ist genau richtig intoniert: solofähig und trotzdem mischfähig), aber sowohl die Spitzgambe als auch die Spitzflöte sind durchaus brauchbar, wenn man das barocke Repertoire verlässt. Hätte man im schwellbaren OW noch eine Unda maris untergebracht, wäre ziemlich alles Notwendige vorhanden.
Die chorreichen Mixturen bestehen aus vielen Doppelchören, das bringt viel Kraft. Man kann trotzdem erstaunlich transparent spielen, obwohl der Dom sehr groß und der Nachhall lang ist. Man legte Wert auf ein recht flaches Gehäuse, damit die Klänge direkt in die Kirche strahlen können.
Bei den Zungenstimmen finden sich alle Bauformen, etwa eine recht weiche Oboe 8', aber auch ein frecher Zink 2' und ein stilles Fagott 16' im Pedal, im RP gleich drei Zungen 16', 8', 4' und im BW Kurzbechriges im gewohnten Timbre.
Im Grunde handelt es sich um ein Universalinstrument, auch wenn man das damals so nicht gesagt hätte.
Die Manualregister werden rein mechanisch gezogen, nur beim Pedal ist die Registertraktur elektrisch (mit drei freien Kombinationen). Koppeln gibt es nur zum HW und zum Pedal. Mit zwei fitten Registranten lässt sich auch Symphonisches bewältigen. Sehr hilfreich ist die Barkermaschine für die Manualkoppeln; wenn man sie weglässt, ist artikuliertes gekoppeltes Spiel nur kurzzeitig möglich.
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Allerdings sind mir beim Spielen auch ein paar Probleme aufgefallen. Bei allen (!) 16'-Zungenregistern sprechen die Töne in der tiefen Oktave nur sehr langsam an. Bei den beiden 32'- Registern klingt jeder Ton anders, es gibt wunderbar runde und nur fauchende. Bei der Posaune 32' klingt etwa das tiefe Des viel schöner als das tiefe C.
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Die beiden spanischen Trompeten, die nicht derb klingen, sondern strahlend, stehen auf einer eigenen Lade, die mit einer Koppel dazugeschaltet wird. Leider funktionierten einige Töne in der Mittellage nicht. Es gibt also Renovierungsbedarf (wie auch in der fast zeitgleich entstandenen "Schwester" in Rotterdam). Über den Einbau einer Setzeranlage sollte man nachdenken, ansonsten wäre es aber schön, wenn die Orgel klanglich erhalten bleiben könnte – als ein herausragendes Beispiel der 1960er-Jahre.
Die Orgelempore ist erstaunlich geräumig. Von unten sieht das alles recht kompakt aus, weil man keinen Vergleichsmaßstab erkennt. Im Prospekt steht immerhin das große D des 32'. Oben merkt man dann, wie gewaltig die Ausmaße sind.
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Vorne steht noch eine schöne Chororgel mit tragfähigem Klang, die ich im Gottesdienst hören konnte. Sie wurde optisch der Hauptorgel angepasst (und erhielt die vergoldeten Labien, die man der Hauptorgel nicht gegönnt hatte!), allerdings sind die beiden Instrumente natürlich nicht miteinander verbunden.
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Über den derzeitigen Zustand der alten Orgel habe ich mich nicht erkundigt.
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