Orgelverkleinerung

Cmcmcm1 @, Ottobrunn, Sonntag, 21. Juli 2024, 08:13 (vor 784 Tagen)
bearbeitet von Cmcmcm1, Sonntag, 21. Juli 2024, 08:25

Gestern ergab sich spontan die Möglichkeit die kürzlich durch Sandtner renovierte und umgebaute Schmid-Orgel der Paul-Gerhardt-Kirche München-Laim zu besichtigen. Allerdings muss man dazu sagen, dass die von Januar bis März ausgeführten Arbeiten nur ein erster von drei geplanten Bauabschnitten war, sodass der folgende Bericht einen aktuellen Zwischenstand beschreibt.

Ursprünglich hatte diese Orgel vier Manuale und 43 Register. Das schwellbare Aliquotwerk (bei Schmid manchmal etwas irreführend Kleinpedal genannt) mit einigen sagen wir mal extremeren Aliquoten wurde entfernt und die Orgel dadurch dreimanualig mit nunmehr 36 Registern.

Auch wenn ich vorab sagen kann, dass ich klanglich kein großer Fan von Schmid-Orgeln bin, so kann ich den Prospekten von Gerhard Schmid eine ästhetische Qualität, Individualität und gleichzeitige Wiederekennbarkeit (der Firma) nicht absprechen. Die Ansicht hat einfach was:

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Beim Betreten der enorm großen Empore, auf der sich eine (ehemals) viermanualige Orgel befindet, ist der erste Eindruck: Gähnende Leere!
Die einzelnen Werke sind räumlich extrem kompakt, die Abstände dazwischen dagegen ebenso extrem groß.
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Zur Werkaufstellung:
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Das nun in diesem Jahr entfernte Aliquotwerk befand sich in der unteren Hälfte der Pedaltürme auf beide Seiten aufgeteilt. Die Schwelljalousien sind nun im offenen Zustand arrettiert, allerdings ist der Raum dahinter nun einfach leer. Einige Register des Aliquotwerks (darunter vor allem die Nicht-Aliquoten) haben Plätze in anderen Werken der Orgel gefunden und unter anderem den für Schmid so charakteristischen Kleinpommer 2' im Rückpositiv ersetzt. Der Schmid'sche Kleinpommer 2' ist schon so ein Fall für sich. Ein Register, dessen spezielle Klangfarbe selbst ein Plenum deutlich färben kann, um es diplomatisch auszudrücken.
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Mit 15 Registern hat das Schwellwerk ja fast schon französische Ausmaße. Aber da hört der Vergleich zu Frankreich auch schon auf. Alles untergebracht in diesem kleinen Gehäuse:
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Frisch aus diesem Jahr ist auch der neue, in meinen Augen sehr schicke und bedienungsfreundliche, Spieltisch der Firma Sandtner. Die ursprünglich mechanische Spieltraktur wurde angesichts der weiten Trakturwege und der beengten Platzverhältnisse in den Gehäusen konsequenterweise elektrifiziert. Das Spielgefühl ist jedenfalls ein Traum und wer die alten Schmid-Kombinationen noch kennt (Mariahilf hatte ja auch solche), wird sich über den neuen Setzer freuen. Außerdem wurde die Manualbelegung getauscht: Das Hauptwerk befindet sich nun auf I, das Rückpositiv auf II.
Des Weiteren wurden Oktavkoppeln zum Schwellwerk und zwei umgekehrte Manualkoppeln (HW an RP und HW an SW) eingebaut.
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Klanglich hat die Orgel durchaus reiche Farben zu bieten und die sehr behutsamen Registerumstellungen haben sicher zu einem homogeneren Klangbild beigetragen! Gerade bei guter Intonation, weiß ich auch die exotischeren Aliquoten sehr zu schätzen. Durch das große Schwellwerk ist auch eine gewisse Basis vorhanden (gottseidank). Natürlich klingt die Orgel insgesamt natürlich sehr nach Schmid, mit entsprechenden Ecken und Kanten: Von der Spitzgamba mit zugehöriger Schwebung darf man sich eben keine himmlische Voix céleste sondern eher nüchterne unverklärte Klänge erwarten. Dazu ist auch noch zu sagen, dass die Akustik der Paul-Gerhardt-Kirche wirklich schwierig ist. Glaubt man beim Sprechen noch einen deutlichen Hall vernehmen zu können, klingt Orgelmusik auch bei leerer Kirche schon recht trocken.

In jedem Fall ist der Gemeinde zu einer wirklich gut und stimmig überarbeiteten Orgel zu gratulieren. Sehr gespannt sein darf man auch auf die weiteren Bauabschnitte. Es ist wohl geplant die Gehäuse teilweise nach hinten zu erweitern, um noch mehr "Fundament" aufnehmen zu können.
Nun kann man sicherlich trefflich über die Entfernung des IV. Manuals streiten. Aus musikalischer und auch wartungstechnischer Sicht kann man die Entfernung wohl definitiv vertreten. Andererseits war dieses Werk sowohl hinsichtlich Disposition als auch der Aufstellung in den Pedaltürmen ein ziemlich einzigartiges Kuriosum. Nun stelle ich eine ganz ketzerische These in den Raum: Während heutzutage andernorts Fernwerke als IV. Manuale wieder rekonstruiert werden (sollen) [Saarbrücken St. Michael] wird man vielleicht in 60 Jahren dem schmid'schen Aliquotzoo nachtrauern.
"Braver" und etwas "gewöhnlicher" ist sie nun also schon geworden die einst kleinste viermanualige Münchens.

Zu den Dispositionen früher und heute geht es hier.

... ach ja und der Vollständigkeit halber nicht vergessen sei der neue Cymbelstern im Rückpositiv:
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... und die katholische Nachbargemeinde St. Ulrich hat ihren diesjährigen "Frühjahrsputz" noch ernster genommen und nicht nur ein Teilwerk sondern auch gleich die ganze Schreibmayr-Orgel entfernt, aber das ist auch wieder ein kurioser Fall für sich:

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