Die Orgel als "noise machine" war Länderspiel D/F Dupré Opus 7.1

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Sonntag, 10. Januar 2021, 16:58 (vor 2072 Tagen) @ jens79

Bei Stücken wie diesen muss ich immer an Peter Hurford denken, der hatte in einem Interview sinngemäß gesagt (ich weiß die Belgestelle nicht mehr, müsste suchen), dass die Orgel oft als große "noise machine" gebraucht werde, zuviele Noten, zuviele Akkorde, zu massiv, zu sehr auf Eindruck aus usw.
Dabei solle man sie doch vor allem als Musikinstrument wie andere auch behandeln.

Und fast immer, wenn ich irgendeinen bischöflichen Ein- oder Auszug unter Orgelgedonner aus irgendeinem Dom sehe bzw. höre, muss ich auch an diese Äußerung denken.

Ja, da ist was dran. Meine Frau, selbst Musikerin, fand früher Orgel ebenfalls einfach "zu viel" - nicht durchhörbar usw.
Den Eindruck von diversen Prae- und Postludien kann ich bestätigen, würde aber doch differenzieren: Bei gewissen Improvisationen bzw. Impro-Stilen - und von ersteren gibt es reichlich, jede Woche neu... - ist diese Undurchhörbarkeit m. E. in Ordnung.

Ich glaube, es war Jean-Claude Zehnder (vielleicht auch Herbert Tachezi) bei einem Orgelkurs, der mal durch das Westportal in eine riesige italienische Kirche trat, und eben ging (vorne) ine barocke ital. Toccata los... Es waren nur Akkordwolken, und er meinte verstanden zu haben: Das ist auch Teil der Aussage, jedenfalls auf Abstand gehört.

Viele Improvisatoren stapeln ja auch nur X-Tolen, quasi Akkord-Triller, es gibt kaum einen nachvollziehbaren und z. B. transskribierbaren Rhythmus. Es sind akustische Aquarelle mit verlaufenden Farben.
(Deswegen sprach ich neulich so positiv über Cochereaus Hausorgel-Aufnahmen, weil (nicht nur, aber auch) da ob der Durchhörbakeit klar wurde, dass ein 4/4-Takt bei ihm 16 Sechzehntel hat und nicht 17 oder 19...)
Und das sehe ich bei Dupre op. 7/1 so nicht, bei der Fuge ohnehin nicht, aber auch beim Praeludium. Es sei denn, es wird ausschließlich auf Speed gespielt.

Wie schon ein Vorredner habe ich ja schon erzählt, dass dieses Stück beim Erstkontakt für mich sehr wichtig war, als positives Erlebnis auf dem Weg zur Orgel.

Natürlich gibt es Musik, die von gewissen Griffmustern lebt, ich denke da z. B. an die Klavier-Toccata von Jenö Takaczs, die ja viel leichter ist, als sie sich anhört. Das Muster aus op. 7/1 ist sicherlich anspruchsvoller, aber auch die Tonart wird von der Ausführbarkeit des Musters bestimmt worden sein, vermute ich. Denn der Verzicht auf einen spektakulär tiefen Basston am Ende (mit H ist es gewissermaßen der "verlustreichste" Ton, trotz eventuellem 32') wurde auch in Kauf genommen*, mag dieses Thema Dupré auch nicht so wichtig gewesen sein. Ein anderer Aspekt wäre ja auch die Brillanz nach oben hin, also das Muster so hoch wie möglich (im unterstellten Manualumfang bis g''' oder weite) zu platzieren. Wird sich eventuell nicht mehr feststellen lassen.

*) Sehr viele virtuose Improvisationen - leider auch zu oft bei mir - beginnen in der Tonart X und enden dann doch wieder mit Bass in den untersten 6-8 Tönen, weil's halt so schön rumpelt....


gesamter Thread:

 

powered by my little forum