Wolfgang Baumgratz in der evang. Kirche, D-Urdenbach

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Montag, 03. November 2014, 15:00 (vor 4388 Tagen)

Hallo Forum,

nun hatte ich Gelegenheit, die neue Orgel der evangelischen Kirche D-Urdenbach zu hören. Im Rahmen des 9. ido spielte dort am 02.11.2014 Wolfgang Baumgratz (Bremen).

Die Gemeinde in Urdenbach hatte sich entschlossen, die inzwischen unbefriedigende Peter-Orgel im historischen Schöler-Gehäuse durch einen Neubau zu ersetzen. Dabei entschied man sich zu einer Rekonstruktion der Schöler-Orgel; die Fa. Hubert Fasen wurde mit der Ausführung der Arbeiten betraut.

Der Kirchenraum, ein heller rechteckiger, fast quadratischer Raum mit zwei gegenüberliegenden Emporen (eine für Chor, ausgestattet mit elektronischer Orgel, elektronischem Klavier und Cembalo, die andere für die Orgel) ist frisch renoviert. Die Orgel ist ein Schmuckstück. Der Mut zu Farbe hat sich gelohnt. Alles ist geschmackvoll, nichts übertrieben. Aber die Farbigkeit wirkt anregend paßt sehr gut in diesen Raum. Zur Geschichte der Orgel siehe hier. Dort gibt es auch Bilder (vorher/nachher).

Wolfgang Baumgratz begann das Konzert mit Buxtehude, Praeludium d-moll BuxWV 140. Da mußte man sich erst einmal etwas in den Klang des Instruments einhören. Es gab charakteristische Einzelstimmen, wenig Verschmelzungen.

Nun folgten von Georg C. Leyding (1664-1710) die Choralvariationen “Von Gott will ich nicht lassen” (6 versus). Hier nutzte Baumgratz die Gelegenheit, viele Register vorzustellen. Darunter sind scharfe, piepsige, aber auch sonore, kräftige Stimmen.

Weiters gab es Bach: BWV 537, 583 (Adagio) und 658. Bei der Fantasie c-moll klang Bach doch recht fremd und gewöhnungsbedürftig. Das muß freilich nicht “falsch” gewesen sein. Das selten zu hörende Trio gefiel sehr. Im Choralvorspiel “Von Gott will ich nicht lassen” war der cf sehr dezent.

Nach dem Vater kam der Sohn Carl Philipp E. Die Sonate F-Dur lebte von Echowirkungen, die im Wechsel von Haupt- zu Unterwerk gut herauskamen. Beim Trio (Adagio per organo) zog Baumgratz die Holztüren vor den Schnitzwerkfeldern unter dem Pfeifenwerk hoch, so daß das Unterwerk gedämpft wurde.

“Von Gott will ich nicht lassen”, Choralvorspiel von Homilius war vom Feinsten und Mendelssohns Praeludium d-moll op. 37/3 gelang völlig überzeugend. Gerade in dem zweiten, “moderneren” Teil schien sich die Orgel wohler zu fühlen, als im strengen Barock. Hier machte Baumgratz denn auch Gebrauch von den lauteren Stimmen.

Insgesamt ist der klangliche Eindruck zwiespältig. Schöne Einzelstimmen, sonorer Forteklang, aber auch etwas unangenehme Schärfe. Wie das mit der Verschmelzungsfähigkeit ist, muß sich in weiteren Konzerten erweisen. Ich hatte den (ersten) Eindruck, daß die Register mehr auf Eigenständigkeit denn Teamarbeit bedacht sind.

Großer Beifall der wohl über 100 Hörer (von meinem Platz auf der Chorempore konnte ich das nicht so genau sehen).

Gruß Clemens Schäfer

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Piano heißt nicht schwach sondern leise, Forte nicht laut sondern kräftig (Artur Rubinstein)


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