....neues von CC....

Friedrich @, Samstag, 25. Oktober 2014, 11:50 (vor 4397 Tagen) @ Karsten

… Anfang Oktober spielte Carpenter ein Konzert in der Berliner Philharmonie. Wohlgemerkt an der Schuke-Orgel, vom elektrischen Spieltisch auf dem Podium aus. … Wie auch immer, es kam was (nach Carpenter) kommen musste: es gab einen Hänger, zudem ziemlich penetrant (Horizontalzunge?). …

Cameron Carpenter lässt ankündigen, dass er das Konzert an einem Steinway-Flügel fortsetzen will. Und in der Tat: der Orgelspieltisch wird zur Seite geschoben, aus dem Keller fährt ein großer Steinway nach oben.
Und der Mann mit den Glitzerabsätzen spielt (wieder auswendig) eine Buson-Adaption von Bachs Chaconne, ein Impromptu von Chopin und was von einem Ami-Komponisten. Dann noch was von Bach und 2 Zugaben. Ziemlich eindrucksvoll, wie virtuos und souverän er da musiziert, gelegentlich mit einem entschuldigenden "I will try to play ..."

Ich war an dem Abend im Nachbarsaal, dem »Kammermusiksaal«, und habe mir dort Schützens »Schwanengesang« von Gerhard Oppelt und seinem Chor angehört. Das war sehr schön. Sein Örgelchen sowie das Regal, von dem aus er dirigierte, funktionierten einwandfrei. :-) Und Zinkenisten konnte man da hören, herrlich … (Konsequenz: Nun singe ich bei ihm mit. Guter Mann.)

Im Bus nach Hause erzählte mir dann ein Konzertbesucher von den Ereignissen nebenan. Bach-Busoni, Chopin, Bach … Hut ab, wenn’s gut war.

Dass kein Orgelbauer da gewesen sein soll, finde ich sehr merkwürdig. Immerhin ist die Philharmonie-Orgel durch Carpenters Kuratorschaft deutlich ins Rampenlicht gerückt. Am Donnerstag drauf konnte ich sie in der deutschen Erstaufführung des (wirklich schönen) Orgelkonzerts von Terry Riley hören, wieder mit Carpenter. Da funktionierte sie einwandfrei, und sie klang gut. Für jemanden, der sich in der Philharmonie-Orgel auskennt, sollte das Beheben eines Heulers eine Sache von Minuten sein, wenn es sich nur um einen mechanischen Defekt handelt. Rauf, Windkasten öffnen, Feder einhängen oder was der Möglichkeiten mehr sind.

Kann aber auch sein, dass der Philharmonie nicht ganz klar ist, welchen Mindestaufwand sie für ihre Orgelkonzerte treiben sollte. Nicht jeder Solist wäre bereit, mal eben auf den Steinway umzusteigen.

Was wiederum Erinnerungen an einen anderen der großen Konzertorganisten des letzten Jahrhunderts wachruft: George Thalben-Ball. Der hat nicht nur die Musik der Londoner Temple Church unter sich gehabt und war gleichzeitig Stadtorganist in Birmingham, sondern hat auch – ja! – die englische Erstaufführung von Rachmaninows gefürchtetem 3. Klavierkonzert gespielt. Er war wohl auch ein ziemliches Original.

Und so schließt sich der Kreis: Thalben-Balls Nachfolger Thomas Trotter ist am Sonntag in der Philharmonie zu hören.

(Hiermit sei die Senftube wieder zugeschraubt.)

Viele Grüße
Friedrich


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