Bearbeitungen, die die Welt nicht braucht...
Mir persönlich fehlt einfach sehr viel und das fängt schon mit dem hocherotischen Fagott(!)-Solo zu Beginn der Orchesterfassung an. So etwas kann man einfach - bei aller Wertschätzung und allem Respekt gegenüber den "Halb- und Vollgöttern" der betreffenden Orgelbauer- und Organisten, deren Glanz ich nicht trüben wollte - nicht auf der Orgel wiedergeben. Daher bleibt für mich nur noch der Apekt einer "virtuosen Circusnummer", der mir persönlich aber zu wenig Eigengewicht hat.
Die Biegsamkeit und Farbigkeit von Orchesterinstrumenten sind der Orgel schon immer unerreichbar. Ich persönlich habe mich nach ersten Enttäuschungen an diese Eigenschaft von Orgeltranskriptionen gewöhnt. Eigentlich ist es ja auch trivial.
Warum schreiben und spielen dann auch Erzmusiker Transkriptionen von Orchestermusik? Bei vielen bleibt die Frage unbeantwortet – manches Wagner-Gewaber ist in meinen Ohren auch nur registriertes Akkordgeschiebe. Langweilig.
Manche schaffen es aber auch, an der Musik durch die Transkription Züge hervorzuheben, die so nicht einmal das Orchester herausbringt. Im Fall dieser Transkription ist das der Rhythmus und die Schichtung rhythmischer Ebenen. Im Orchester geht das manchmal unter, sei es wegen der Klangbalance, sei es wegen der Verführung durch vordergründige Farbigkeit. So wie Latry und Lee das aber spielen, hat man alles glasklar vor Ohren; und es gelingt ihnen auch, das Ganze klanglich so umzusetzen, dass es – in meinen Ohren jedenfalls – seine rhythmische Wucht behält. Als ich das Haarlem-Video gesehen habe, stand mir die ganze Zeit der Mund offen, und das nicht wegen der Zirzensik, sondern wegen der Musik und der Musikalität dieser Version.
Bei Orgeltranskriptionen von Orchestermusik kommt es, glaube ich inzwischen, vor allen Dingen auf den Rhythmus und seine sinfonische Gestaltung an, erst in zweiter Linie auf die Klangfarben. An die Grenze geht dann auch für mich eine Platte wie die kürzlich veröffentlichte von Gunnar Idenstam, der Debussys »La Mer« und Stücke von Ravel spielt. »La Mer« ist rhythmisch und strukturell sehr stark, aber da fehlt mir die Palette dann eben doch – und die Interpretation geht m. E. auch am Stück vorbei (so wie viele Orchesterinterpretationen auch), wenn sie den Höhepunkt an den Schluss setzt.
Eine Überraschung dagegen war für mich die Transkription der zweiten »Daphnis«-Suite von Ravel auf der CD “French Flavours” von Paul Carr. Das »Lever du jour« kann man im Orchester für reinen Farbenzauber halten – in der ungeheuer gut gespielten und gar nicht so raffiniert registrierten Orgelversion zeigt sich, dass dieser »Tagesanbruch« auch ein Rhythmusphänomen ist. An der modern-mechanischen Walker-Orgel mit ihren klassischen Farben und ohne Orchestertinnef kommt das eins-A zur Geltung.
Vielleicht ist es aber auch die überschaubare Welt der Orgelenthusiasten, die der Aufnahme etwas abgewinnen können, wer weiß das schon? Das ist ja das schöne bei der Kunst: Es geht nicht darum, was die Mehrheit denkt, sondern um geschmackliches Empfinden.
Eben. Ich bin zwar Orgelenthusiast, aber vor allem Musikliebhaber. Wenn etwas musikalisch gespielt ist, kommt das bei mir erstmal an, was immer es ist. Die Frage von Original und Bearbeitung, ja sogar von Text und Gespieltem meldet sich erst danach. »Das war vielleicht kein Bach. Aber es war schon toll« – noch nie so aus einem Konzert gekommen?
Viele Grüße
Friedrich
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- veboten -
stein,
09.10.2014, 15:47
- veboten -
Karsten,
09.10.2014, 18:55
- veboten - untersatz32, 09.10.2014, 21:33
- veboten - Gast, 09.10.2014, 22:45
- Bearbeitungen, die die Welt nicht braucht... -
Heuler,
09.10.2014, 23:05
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untersatz32,
09.10.2014, 23:27
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Karsten,
10.10.2014, 07:48
- Bearbeitungen, die die Welt nicht braucht... - Karl-Bernhardin Kropf, 10.10.2014, 08:36
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Heuler,
10.10.2014, 08:17
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Friedrich,
10.10.2014, 10:13
- Bearbeitungen, die die Welt nicht braucht... - daggies, 10.10.2014, 10:21
- Bearbeitungen, die die Welt nicht braucht... - bluenote, 10.10.2014, 12:40
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Friedrich,
10.10.2014, 10:13
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Karsten,
10.10.2014, 07:48
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untersatz32,
09.10.2014, 23:27
- veboten -
Karsten,
09.10.2014, 18:55