Symposion Lübeck, St. Marien (IV).....

ado ⌂ @, Freitag, 16. Mai 2014, 13:30 (vor 4550 Tagen) @ daggies
bearbeitet von ado, Freitag, 16. Mai 2014, 13:34

...Kristian Wegscheider, dessen Wortmeldungen - ebenso wie die von Ibo Ortgies - einigen Unterhaltungswert hatten: er plädierte für den Wiederaufbau des Lettners als Standort einer modernen "Zweitorgel" als Gegenpart für eine rekonstruierte Buxtehude-Orgel im Westen.

Freilich drängen sich da sofort die Fragen auf: was, wenn die Rekonstruktion des Lettners, die eine deutliche Abkehr vom Einraum-Konzept des Wiederaufbaus darstellen würde, nicht möglich ist? Und könnte man auf einem Lettner eine raumbeherrschende symphonische Orgel unterbringen? Im Nachhinein erscheint mir das ziemlich zweifelhaft. Der zerstörte Lettner hatte zwar eine gar nicht mal so kleine Orgel (s.o. Teil I), aber keine raumbeherrschende. Kristian Wegscheider schwebte, so wie ich ihn verstand, eine Lösung wie in englischen Kathedralen vor. Vielleicht ist diese Idee nicht so schlecht, aber ein solcher Lettner - Statik, Architektur - wäre dann doch noch etwas anderes als der untergegangene.

Ich hätte nie gedacht, dass überhaupt die Möglichkeit bestünde, über eine so weitgreifende Neugestaltung des Raumes zu reden! Lettner? Das wäre ja was!

LG,
daggies


spannende idee, in der tat. wenn da ein lettner war (muß ich mal gewußt haben, war mir aber nicht mehr präsent), dann will ich den wiederhaben. vielraum-kirche ist heutzutage sowieso wieder viel praktischer. einen einzigen großen raum kriegt die gemeinde doch wohl kaum noch voll...

lettner halten übrigens einiges an orgel aus, aus, wie englische beispiele zeigen.

gloucester: die orgel (von 1666, die bemalten prospektpfeifen sind samt dekor original) befand sich ursprünglich im südlichen vierungsbogen, wurde 1718 an den jetzigen standort transloziert, dabei der alte lettner durch einen neuen ersetzt. bei dem blieb es auch nicht, der heutige ist von 1820 und sieht recht massiv aus. langhausseite:

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chorseite mit dem chorgestühl des 14. jhs.:

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dagegen geradezu frappierend exeter: der filigrane lettner von 1319 trägt die massive orgel von 1665, die 1891 durch vergrößerung der gehäusetiefe (und doppelung des rückpositivs?) noch massiver gemacht wurde. langhausseite:

[image]

chorseite:
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beide orgeln wurden im 19.jh. bedeutend vergrößert, und die pfeifen sind nicht auf die historischen gehäuse beschränkt, sondern überwuchern heute unsichtbar diverse triforien usw. wenn aber wolfgang gourgé schreibt, daß die virtuelle reinkarnation der totentanzorgel trotz ihres abseitigen standorts in weiten teilen der kirche deutlich hörbar war, so muß das für eine lettnerorgel erst recht gelten.


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