Symposion Lübeck, St. Marien (IV).....
Schließlich dann ab 15.00 Uhr die von dem Musikjournalisten Claus Fischer moderierte Podiumsdiskussion mit mehreren "Runden". Fischers unkonventionelles Aussehen ließ nicht unbedingt einen Orgelkenner vermuten - doch er wußte sehr gut, worum es ging und erwies sich als profunder Gesprächsleiter.
In den Runden selbst wurden die bereits skizzierten Positionen nochmals ausgetauscht, was nicht ganz ohne Wiederholungen abging. Ich will mich deshalb weitgehend auf die fotografische Dokumentation beschränken. Immerhin kamen beim Themenkomplex "neu oder historisch konzipierte Westorgel" und "Denkmalschutz und Prospektgestaltung" nochmals Diskussionen auf, an denen dann auch ich mich beteiligte. Als sehr sympathisch empfand ich es, daß Marienpastor Robert Pfeifer nach einer Wortmeldung von mir zum Denkmalschutz und zur Diskrepanz zwischen Baudenkmal- und Orgeldenkmalpflege auf mich zukam und sich längere Zeit mit mir unterhielt. Auch bekam ich einigen Zuspruch von anderen Teilnehmern für mein Eintreten für eine moderne, nicht an der Zeit Buxtehudes orientierte neue große Orgel.
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(Unger, Pfeifer, Fischer, Petersen, Gast, Mühleisen)
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(Radulescu, Lohmann, Winterhalter u.a.)
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(Fischer, Ortgies, van Dijk, Klais)
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(Woehl, Wegscheider, Böhme, Fischer, Elshout, Fritts, Dieck)
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(Wegscheider)
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(Böhme)
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(Woehl)
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(Unger, Lohmann, Zerer, Wulf, Fischer, Radulescu, Petersen, Sander, Haas)
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Bleibt am Ende die Frage: wofür ist man selbst, und warum? Ich will eine Begründung meines Standpunkts versuchen, wobei mir klar ist, daß jeder Standpunkt in dieser Frage anfechtbar ist.
Ich bin für eine unbelastet von historischen Vorgaben konzipierte neue große Orgel. Die Orgelmusik ist auch in St. Marien nicht bei Buxtehude stehengeblieben - dem muß ein heutiger Orgelbau Rechnung tragen. Hinzu kommt - und das ist das wesentliche Argument gegen eine Rekonstruktion der Orgel Buxtehudes -, daß über diese so gut wie nichts bekannt ist, abgesehen vom Prospekt. Man kann aber nur etwas rekonstruieren, von dem man weiß, wie es war. Alles andere ist keine belastbare Rekonstruktion, sondern eine gutgemeinte Phantasmagorie.
Auch spricht gegen eine Rekonstruktion der Schulze-Orgel mehr als dafür. Kristian Wegscheider, der die größte erhaltene Schulze-Orgel in Markneukirchen wiederhergestellt hat, riet entschieden davon ab - schlechte Mechanik, problematische Pfeifenbauweise. Zudem stellt sich dann die Frage, ob man die Schulze-Orgel hinter einen rekonstruierten Hering-Prospekt baut. Die Schulze-Orgel stand hinter dem historischen Prospekt mit Ausnahme des als Lettner-Orgel ausgebauten Rückpositivs. Sie zu rekonstruieren, würde entweder bedeuten, sich mit einem neuen Prospekt in Widerspruch zum Rekonstruktionsgedanken zu setzen oder aber mit einem "neuen" historischen Prospekt einen kaum vermittelbaren Widerspruch zwischen "Außen" und "Innen" zu provozieren. Schließlich muß auch die Frage erlaubt sein, warum die Schulze-Orgel so sehr viel besser sein sollte als eine moderne Orgel. Mir leuchtet das nicht ein.
Und weiter: im Lübecker Dom wird in absehbarer Zeit eine Rekonstruktion der Schnitger-Orgel entstehen. Ginge man in St. Marien ebenfalls rekonstruierend "ans Werk", gäbe es innerhalb der Lübecker Altstadt gleich drei Rekonstruktionen. Von Ibo Ortgies wurde dagegen eingewandt, daß auch zwischen der Orgel in St. Katharinen in Hamburg und der in St. Jakobi ein erheblicher Unterschied bestünde. Schon richtig - aber trotzdem läuft man so Gefahr, Lübeck zu einem einzigen großen Orgelmuseum zu machen. Museales Epigonentum ist aber das Gegenteil von Kunst.
St. Marien ist die mit Abstand größte Lübecker Kirche, ein gewaltiger Raum. Wo haben Liszt, Reubke, Reger, Messiaen, Dupré, Duruflé, Demessieux, Ligeti, Escaich, Enjott Schneider, Willscher, Langlais, Widor, Karg-Elert ihren angemessenen Platz, wenn nicht an *dieser* Stelle? Was für eine Vorstellung, Wolfgang Seifen an diesem Ort mit einer Stummfilm-Improvisation zu hören, wie letztes Jahr zu Murnaus "Faust" im Hamburger Mariendom! - Sicher, bis zu einem gewissen Grad wird sich Moderne auch auf einer Rekonstruktion darstellen lassen - aber das hat Grenzen. Die groß angelegte, symphonische Improvisation, das geht nicht mehr. Und unter Ernst-Erich Stender ist jahrzehntelang die gesamte Orgelliteratur in St. Marien erklungen, mit Johannes Unger erklingt sie zur Zeit weiter auf beiden Orgeln - mir leuchtet nicht ein, wieso man hinter diesen Standard zurück sollte.
Auch das Argument der "Gravität" für Buxtehude überzeugt mich nicht. Die Totentanzorgel hat um die 40 Register auf drei Manualen gehabt. Wenn eine solche Orgel in diesem Raum keine Gravität gehabt hat, lohnt sich ihre Rekonstruktion nicht. Hat sie sie aber gehabt, eignet sie sich exzellent für Buxtehude, zumal ihr Klangbild transparent bleibt, und dann braucht es keine zweite "Buxtehude-Orgel". Wer die Buxtehude-Gesamteinspielung von Walter Kraft an der Kemper-Rekonstruktion der Totentanzorgel von 1955 kennt, wird verstehen, was ich meine. Die Aufnahmen sind heute noch überzeugend.
Mein Vorschlag wäre deshalb: Bau einer neuen symphonischen Westorgel (Ausgangspunkt: 85 Register auf vier Manualen und Pedal), Rekonstruktion der Totentanzorgel unter Inkaufnahme der wegen der unsicheren Quellenlage nicht vermeidbaren Ungenauigkeiten. Den Wiederaufbau des Lettners sähe ich eher skeptisch, aber ein "no go" wäre er für mich nicht.
Wobei: es hätte ja eine Möglichkeit gegeben, in Lübeck zu einer Entscheidung zwischen den unterschiedlichen Lagern zu kommen - sie fand sich im Erdgeschoß der Holstenhalle, beim Kaffeeautomaten.
Aber mir fehlte ein wenig der Mut, diesen Weg....
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.....vorzuschlagen......;--).....
Fröhliches Diskutieren wünscht:
Wolfgang....
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Wolfgang Gourgé,
15.05.2014, 21:56
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florianf,
15.05.2014, 22:30
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Dorforganist,
15.05.2014, 23:59
- Symposion Lübeck, St. Marien (IV)..... - Christoph, 16.05.2014, 23:01
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Dorforganist,
15.05.2014, 23:59
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Clemens Schäfer,
16.05.2014, 03:00
- Symposion Lübeck, St. Marien (IV)..... - Karl-Bernhardin Kropf, 17.05.2014, 23:31
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daggies,
16.05.2014, 08:36
- Symposion Lübeck, St. Marien (IV)..... - elfengeschrey, 16.05.2014, 13:17
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ado,
16.05.2014, 13:30
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ado,
16.05.2014, 14:02
- Symposion Lübeck, St. Marien (IV)..... - Karsten, 16.05.2014, 18:14
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ado,
16.05.2014, 14:02
- Symposion Lübeck, St. Marien (IV)..... - Karsten, 16.05.2014, 08:45
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stein,
16.05.2014, 19:13
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Wolfgang Gourgé,
16.05.2014, 20:45
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florianf,
15.05.2014, 22:30