2 Schwellwerke – lieber nicht.

Orlos @, Dienstag, 25. Februar 2014, 23:34 (vor 4628 Tagen) @ Friedrich

Gute Einwände.
Bei vielen Orgeln wird der Klang des Schwellwerks dumpf und indirekt, das ist ja auch kein Wunder und im Grunde bei romantischer Musik auch gewollt.
Wenn ich an meiner französischen Dienstorgel Barockmusik spiele, nehme ich gerne die Rückwand des Schwellwerk heraus. Dann wird der Klang klarer und die Balance besser. Das geht aber nur bei dieser Akustik, in anderen Räumen wird das nicht so einfach möglich sein.
Gar nicht mehr üblich sind die großen Brustwerktüren, die z. B. Klais in den 1980er-Jahren gebaut hat. Hier vier Beispiele dafür: 01, 02, 03 und 04.
Ich fand das eine gute Lösung, bei offenen Türen bleibt der Klang sehr direkt, geschlossen wird es zum Echo-Werk. Was aber nicht gut funktioniert, ist der romantische Crescendo-Effekt. Nur gibt das eben die Disposition auch gar nicht her.

Schon eher im romantischen Sinn ist die Orgel in St. Bonifatius, Wiesbaden, gedacht. Hier die Disposition (Wikipedia gibt einen älteren Zustand wieder.)
Diese Orgel verfügt über zwei Schwellwerke.
[image]
Ich habe bei Gottesdiensten und Konzerten die Schwellbarkeit des Positivs selten wirklich benötigt. Das Gehäuse ist aber nicht sehr tief, so dass auch das Scharff gut herausklingt. Unten im Schiff klingt das Positiv jedenfalls nicht indirekter als das Hauptwerk. Ganz anders das Schwellwerk, das über viel dickere Schwelltüren verfügt und deutlich "entfernter" klingt, obwohl alle drei Manualwerke nebeneinander liegen.
Es gab aber eine Situation, wo ich sehr glücklich war, dass dieses Positiv schwellbar ist: Wir haben dort den 150. Psalm von Franck in der Orgelfassung aufgeführt. Der sehr große Chor stand in voller Breite vor der Orgel. Da das SW ganz rechts liegt, hätte der andere Teil des Chores nur wenig davon mitbekommen. Das genau in der Mitte liegende Positiv ist aber ideal zur Chorbegleitung. Und mit den beiden labialen 8'-Registern und der Oboe finden sich dort auch genau die dafür brauchbaren Register. So konnte ich die Lautstärke der Orgel direkt dem Chor anpassen. Also spätestens jetzt war ich dankbar für die Schwelltüren dieses Werkes.

Also wie immer: Es kommt darauf an, wie man das Werk disponiert und dimensioniert. Dann kann das schon eine gute Sache sein.

(Weniger überzeugend fand ich in dieser Hinsicht die Vleugels-Orgel in Schifferstadt (Positiv nun recht schwach) und die Göckel-Orgel in Mannheim, besser die Rieger-Orgel in Freudenstadt (OW-Aufstellung ist präsenter als SW) und Stuttgart/Stiftskirche.)


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