chromatische Quarte und Sexte als Register

jrbecker @, Freitag, 14. Februar 2014, 08:47 (vor 4631 Tagen) @ Karl-Bernhardin Kropf

Hier in Rostock St. Marien heißt es zur Sexquialtera von 1593 im Jahr 1654 im "Verzeknis" als Zusatz: "sexta dubbelt pfeiffen", da wird die Sexte also als Binnenintervall gesehen. Würde ich also so verstehen, dass der 1 3/5' doppelchörig ist. Ähnliche Auffassungen der Sexte könnten in der Praetorius-Ära auch andernorts existiert haben.

Auf diese Weise bezeichnet ja auch Woehl den Sesquialter im Brustwerk seiner "Bach-Orgel" in Leipzig, wenn ich es richtig notiert habe, heißt das da "Quint-Sexta II 1 1/3'+4/5'", repetiert bei c1 nach 2 2/3'+1 3/5'. Oder die bei G. Silbermann zu findende Benamung im Oberwerk der Dresdener Frauenkirche: "Sext Qvint altra".

In dem 114-Register-Entwurf von Christian Ludwig Boxberg für Peter den Großen (z. B. zu finden bei Rojsman, L., Die Orgel in der Geschichte der russ. Musikkultur, S. 416) findet man im Oberwerk neben der Qvinta 3' und der Tertia 1 3/5' eine Sexta 1 1/5' und im selben Manual eine "Rausch Pfeiffen IV aus 4' f a c' f' ganz durch", außerdem In der Brust ein "Scharff III 2' f c' f'" neben einer "normalen" Cymbel Mixtur IV 1'. Dieser Entwurf stammt aus dem Jahr 1715 und ist somit einiges später, als die der Ausgangsfrage zugrunde liegende Zeitlinie. Ausgeführt wurde dieser Entwurf nicht. Ob Boxberg Erfahrungen mit solchen Registern hatte, muss wohl offen bleiben, es ist die einzige mir bekannte Erwähnung solcher Register zu dieser Epoche. (Und vielleicht hier auch einfach nur aufgenommen, um die Registerzahl voll zu bekommen, denn in dem gleichzeitigen 92-Register-Entwurf findet sich dergleichen nicht... Auffällig ist in jedem Fall die sehr tiefe Lage gegenüber der "Schnitger-Cymbel" z. B. in Norden, somit ist hier eine ganz andere Wirkung erwartet.)

In AO 2/2002 findet sich wiederum bei der Zickermann-Orgel des Königsberger Doms von 1586/87 bei der "Sexta aus 2'" im RPos und HW der ergänzende Hinweis, dies sei eine Terz (=also wie oben die Sexta über der Quinta...).

Es ging hier ja um historische Quellen dazu, die orgelbewegte Verwendung können wir also glücklicherweise außer Acht lassen ... sonst müssten wir auch solche Konstruktionen wie den Sextan der Wilmersdorfer Lindenkirche aufzählen, der aus den beiden Chören 1 5/11'+1 1/7' besteht, wobei ich die Sexte immer noch suche ... (1 1/7' = b, 1 5/11 = f ...) ... oder wo stehe ich da auf dem Schlauch...

fragt sich
Jörg


gesamter Thread:

 

powered by my little forum