Neubau mit Taschenladen

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 04. April 2026, 21:17 (vor 149 Tagen) @ MCVL

Orgelbauer
Kirchengemeinde mit Link zum Flyer (pdf)

Interessant, wie sich Geschichte wiederholt. Ich dachte, diese Phase wäre abgeschlossen und für immer vorbei.


...durchaus nicht, schon die VOD-Tagung in Karlsruhe im Jahr 2012 hat sich damit beschäftigt. Taschenladen haben ein sehr gutes Ansprache- und Repetitionsverhalten, sie eignen sich gut für hohe Winddrücke, der Wind "bahnt"sich seinen Weg selbst zur Pfeife, die "Reise" der arbeitenden Tasche ist kurz und deren Masse klein, das Taschenventil selbst braucht keinen Druckpunkt zu überwinden, und sie sind bei leisen Registrierungen geräuschärmer als Kegelladen, weil nur die Taschenventile der gezogenen Register arbeiten.


Nein, das ist ein (offenbar weit verbreiteter) Verständnisfehler. Die Taschen arbeiten auch bei nicht gezogenen Registern, man kann das beispielsweise sehr schön beobachten bei Taschenladen von Späth oder Strebel, wenn die Stöcke abgenommen und die Kanzellenpapierung entfernt ist. Auch ohne den Druck einer durch Pfeifenwind gefüllten Kanzelle bewegen sich die Taschen des jeweiligen Tons trotz der Druckfeder (die dient nur zur allerletzten Sicherheit), wenn über die Bohrung im Fundamentalbrett (oder bei Steinmeyer im Taschenbrett) die Taschen entlastet bzw. wieder gefüllt werden. Nur vernimmt man kein Geräusch, außer das der Relais.
Auch eine einzelne Tasche ist, bevor sie eingebaut wird, nicht in der Endpositon "Ton nicht angespielt". Erst wenn man sie beispielsweise mit dem Mund anbläst, also den Effekt herstellt, als ob vom Relais Wind einströmt, ist die Tasche in der Stellung, in welcher sie die Bohrung zum Stock verschließen kann. Stoppt man damit, geht die Tasche wieder in ihre ungefüllte Position zurück.
Der Effekt lässt sich auch gut erkennen, wenn man bei einer Taschen- oder Membranladenorgel ein Register gezogen lässt und den Motor abstellt. Wird die Orgel dann wieder unter Wind gesetzt, wird es im gezogenen Register ohne das ein Ton angespielt ist, erst einmal zu Heulern kommen, bevor die Taschen oder die Membranen von den Relais gefüllt und gehoben werden.


....das kenne ich anders; wie soll die Feder "zur letzten Sicherheit" dienen, wenn sie die Filzdichtung auf der Tasche nicht von sich gegen das zur Pfeife führende Rohr drücken kann? Vielleicht haben die Orgelbauer, die in der pneumatischen Epoche ja oft ihre eigenen Systeme entwickelt haben, das verschieden gehandhabt, auch ist naheliegend, dass die drucklose Tasche sich etwas entspannt - aber dass die Dichtung sich vom Rohr entfernt, leuchtet mir nicht so wirklich ein. - Bei der Walcker-Stiftung (Text: Roland Eberlein) heißt es unter Verweis auf diese...

[image]

...Zeichnung von Albert Merklin aus dem Jahr 1924 dazu: "Die Feder drückt die Membran auch bei ausgeschaltetem Gebläse gegen die Röhrchen, um das Erklingen der Orgel beim Einschalten des Gebläses unmöglich zu machen."

Und selbst wenn sich die Tasche der Pfeife eines nicht aktivierten Registers beim Drücken der zu ihr gehörenden Taste entspannt, ist das ja nicht dasselbe wie das Arbeiten der Kegel einer Kegellade, die alle unterschiedslos den kompletten Arbeitsweg verrichten, egal, ob das Register über ihnen gezogen ist oder nicht.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum