Neubau mit Taschenladen

Wolfgang Gourgé @, Samstag, 04. April 2026, 15:31 (vor 148 Tagen) @ Orlos
bearbeitet von Wolfgang Gourgé, Samstag, 04. April 2026, 15:37

Orgelbauer
Kirchengemeinde mit Link zum Flyer (pdf)

Interessant, wie sich Geschichte wiederholt. Ich dachte, diese Phase wäre abgeschlossen und für immer vorbei.

...durchaus nicht, schon die VOD-Tagung in Karlsruhe im Jahr 2012 hat sich damit beschäftigt. Taschenladen haben ein sehr gutes Ansprache- und Repetitionsverhalten, sie eignen sich gut für hohe Winddrücke, der Wind "bahnt"sich seinen Weg selbst zur Pfeife, die "Reise" der arbeitenden Tasche ist kurz und deren Masse klein, das Taschenventil selbst braucht keinen Druckpunkt zu überwinden, und sie sind bei leisen Registrierungen geräuschärmer als Kegelladen, weil nur die Taschenventile der gezogenen Register arbeiten.

Vielleicht erlebe ich noch einen Orgelneubau im Stil von Bornefeld...

...es ist nicht so, dass Bornefelds Ideen prinzipiell alle blöd gewesen wären. Sie sind nur "kontaminiert", weil er sich mit seiner verkniffen-pietistischen Verzichtsethik, seiner Selbstüberhöhung (und -herrlichkeit...), seinem wohl ziemlich autoritären Charakter und seiner borniert-doktrinären Ablehnung der Romantik selbst im Weg stand und in seiner provinziellen Enge nicht verstand, dass Orgelklang ohne (kultivierte!) Gravität und Volumen immer unbefriedigend bleiben wird. Und er sah vor Bäumen den Wald nicht - was sich an der skurril anmutenden Überorganisation seiner Spieltische zeigt, selbst bei sehr überschaubaren Dispositionen. In späteren Jahren kam wohl noch Schwerhörigkeit hinzu, was natürlich ein Problem ist, wenn man meint, den Intonateur vom Spieltisch aus als Befehlsempfänger behandeln zu können (was übrigens auch im Hinblick auf die Sachverständigenrolle problematisch ist, denn letztlich verlässt der SV damit seine Rolle und begibt sich in einen Interessenkonflikt).

Seine hochliegenden Register sind aber unter avantgardistischen Gesichtspunkten und evtl. in Kombination mit Winddrosseln oder Tastenfesseln oder freien Koppeln schon interessant - auf einer vernünftig-gravitätischen Grundlage, versteht sich, nicht mit Strohhalmmensuren.

Wenn ich an Bornefeld denke, sehe ich vor meinem geistigen Auge ihn und Dupré in der Hölle: Dupré muss die ganze Zeit Bach aus seinen Ausgaben spielen - aber auf einem historischen Silbermann-Spieltisch, und er muss bei jedem Verspieler gnadenlos von vorne anfangen, und im Nebenraum Bornefeld - mit Mendelssohn (den er geradezu irrational hasste - "...süßlicher Dreck!") auf einer pneumatischen Sauerin, und wenn er nicht spielt, muss er...

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(die Walcker in Doesburg, NL)

...Liebesgeigen, Geigenprinzipale und Äolinen löten und intonieren oder endlos pneumatische Trakturbälgchen erneuern....


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