Kirchenmusik - ACV/VDD

Karl-Bernhardin Kropf @, Rostock, Montag, 01. September 2025, 16:19 (vor 368 Tagen) @ CamilVH

Danke für diesen Einwurf. Ich finde die Fragen durchaus berechtigt.

In meiner Zeit als Kirchenmusiker spielte der ACV lediglich als Herausgeber der "Musica sacra" eine Rolle, und wenn es Jubiläen zu feiern gab. Urkunden haben eher einen symbolischen und vergänglichen Wert. Im Prinzip erschien mir der ACV immer als ein etwas konservatives Element.

Wäre nicht vielleicht jetzt die Gelegenheit, über einen überkonfessionellen Kirchenmusikerverband nachzudenken? Ökumene von der Kirchenmusik ausgehend, wo die Konfessionsunterschiede ohnehin musikalisch kaum eine Rolle spielen/spielen sollten?

Als ich noch katholisch war, hatte ich dieselbe Wahrnehmung. Allerdings war diese nur indirekt - ich las in der MS, was der ACV tat. PRof. Bretschneider erlebte ich mehrfach persönlich und war sehr beeindruckt von ihm, aber er war ja nicht der Verband und schon gar nicht eine Verbands-Arbeit, die ich wie gesagt nur theoretisch wahrnahm. Die Idee eines überkonfessionellen Verbandes hat einen gewissen Reiz, allerdings wäre das konkrete Wirken dann in zwei verschiedene Strukturen einzubringen, was viel Aufwand wäre.
Persönlich bin ich Mitglied im Kirchenmusikerverband im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Ev.-luth. Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Früher hatten wir in MV das "Kirchenchorwerk" - das lebte von einer Pflichtmitgliedschaft jedes Kirchenchores, der Geldbetrag musste von der Gemeinde aufgebracht werden. Dieser Zwang entfiel bei der Fusion mit dem "Westen", und so gibt es heute das Kirchenchorwerk der Nordkirche - eine der wenigen Ideen, die von Ost nach West übernommen wurde. Hier geht es vor allem um größeres Veranstaltungs- und Fortbildungsmanagement, und es ist insofern eher eine Dienststelle der Kirche, als ein Gegenüber.
Unser für die einzelnen Kolleg:innen relevantere Kirchenmusik-Verband, der ein echtes Gegenüber ist, hat einen engagierten Vorstand. Die Mitgliederversammlung ist der jährlichen Arbeitstagung vorgeschaltet - letztere dauert 2,5 Tage, davon ist der erste Dienstpflicht. Das erhöht die Präsenz beim Verbandstag. An diesem gibt es - wie andernorts - Referate von kompetenten Gästen, aber auch viel Austausch über die berufliche Situation. In unserem Bereich war das aktuell eine Stellenplan-Umgestaltung. Die Änderung der Anstellung von Gemeinde auf eine höhere Ebene (Kirchenkreis?) wird ebenfalls befürwortet und in den geeigneten Gremien betrieben. Zu diesen besteht ein mindestens korrekter bis guter Kontakt. Ob und wie viel Förderung der Verband von der Nordkirche bekommt, kann ich nicht sagen. Unser Mitgliedsbeitrag ist, da er auch das Abo für "Forum Kirchenmusik" enthält (das durch einen Einleger zum "Verbandsorgan" wird), recht günstig.
Unser Verband ist also mindestens gefühlt von Bedeutung - eben das Gefühl, dass da jemand ist, der über das kurfristigere Geschäft der Mitarbeitervertretungen hinaus noch für einen, für uns da ist. Durch Verbandstag und Arbeitstagung besteht in unserem Ostteil der Nordkirche auch eine gute Gemeinschaft über die unmittelbaren Nachbarn hinaus (auch, weil die meisten KollegInnen mehr als einen Tag wahrnehmen und übernachten, was zu viel Begegnung führt). Der Westen der Nordkirche hat einen so überregionalen Termin meines Wissens nicht. Allerdings wären das auch viel mehr Menschen, die dort versammelt werden müssten, wir sind so rund um die 80 Personen...


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