Stimmung alter Orgeln

Friedrich @, Freitag, 04. Juli 2025, 14:21 (vor 428 Tagen) @ elias.orgel

Ist doch alles nicht so schlümm. :-)

Mit hinein spielt die Geschichte der Partitur als Konstrukt aus ausgeschriebenen Einzelstimmen, das zunächst eher selten Komponisten niedergelegt wurde, sondern eher von jemandem, der ein Stück studieren, später auch von Leuten, die es dirigieren wollten. Die Priorität lag also bei den Einzelstimmen. Manchmal wurden die wahrscheinlich auch zusätzlich zu einer fertigen Partitur eigens spartiert, wenn zum Beispiel gerade die Stadtpfeiferei oder das Trompeten-Pauken-Ensemble zur Verfügung stand. Noch Mozart hat es so gehalten, als unverhofft die Stadlers für eine Aufführung der g-Moll-Sinfonie auftauchten.

Aber wie gesagt, eigentlich ist das in der Komponierpraxis inzwischen überwunden. Andere Schlüssel sind meiner Erfahrung nach Gewohnheits- und Übungssache. Zu Beginn meines Studiums habe ich häufig als Bratscher gemuggt, bis ich das geliehene Instrument zurückgeben musste. Damals habe ich Sinfonien und Passionen mitgespielt, heute würde ich mich sehr tapsig anstellen -- bin einfach aus der Übung. Ich erinnere mich aber gut, dass Hilfslinien über dem System immer Stress bedeuteten, selbst wenn sie spieltechnisch kein Problem darstellten. Das Bratschergemüt hatte Ruh' bis zur ersten Hilfslinie, und so ist der Schlüssel ja auch konzipiert.

Die Tenornotation in Chorpartituren mit Violinschlüssel und kleiner 8 drunter halte ich für einen Kompromiss zwischen Generalbasspraxis (SAT rechts, Bass links) und der Notwendigkeit, die Stimme lesbar unterzubringen. Diese Praxis hat auch zu den für die meisten Männer unsingbaren Tenor-Tessituren im klassischen Repertoire geführt. Der rechte Daumen hat's gern bequem, da muss der Kehlkopf eben leiden.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum