Späthsche Spieltischimpressionen (II)

MCVL @, Montag, 16. Juni 2025, 13:05 (vor 448 Tagen) @ MCVL

Nun noch eine Späth-Orgel, welche einen Spieltisch der "ersten pneumatischen Generation" (die Spieltische der 1893 für Kanzach, 1894 für Emerfeld und 1895 für Mörsingen entstandenen pneumatischen Versuchsorgeln klammere ich hier aus, da wir über ihre Konstruktion kaum unterrichtet sind bzw. in Mörsingen Weigle-Technik zum Einsatz kam) besitzt.
Diese Spieltische wurden von 1897 an bis 1903 gefertigt.

Wir begeben uns an den Rand des Nördlinger Ries, in das Tal der Schneidheimer Sechta, genauer gesagt nach Sechtenhausen, wo seit Dezember 1900 das Späthsche Opus 83 in der dortigen Pfarrkirche steht.


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Bild 1
Zwischen 1897 und 1903 besaßen die pneumatischen Späth-Orgeln noch klassische Züge mit schwarz gebeizten Manubrien. Hier die Registerzüge links der Klaviatur. Wie in Bad Mergentheim und anderenorts ist hier dem (I.) Manual die Farbe weiß zugeordnet.


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Bild 2
Rechts befinden sich die Züge für den Subbaß und die Spielhilfen. Wie üblich bei Späth ist dem Pedal die Farbe blau zugeordnet, das Schild für die Pedalkoppel ist zweifarbig gehalten. Die Orgel besitzt keine Druckknöpfe, stattdessen für die Tuttifunktion und die Koppeln Züge.
Diese schmucken Firmenschilder wurden von Späth nur in den Jahren 1900/1901 verwendet.


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Bild 3
Auf diesem Bild gibt es einiges zu erkennen und zu besprechen. Links der Manualspielapparat, ein einfacher Kegelapparat in Zustromfunktion. Die Tasten waren ursprünglich nur durch die erkennbaren Augenfedern fixiert, die Bleigewichte an den Tastenenden am Spielapparat sind später zusätzlich angebracht worden.
Gut zu erkennen ist die Bauweise der Registereinschaltung von Späth in diesen Jahren. Die Registerzüge drücken mit großen befilzten und belederten Holzscheiben an ihrem Ende auf Absperrmembranen, die zwei miteinander korrespondierende Bohrungen verschließen. Wird der Registerzug betätigt, wird dadurch die Absperrmembrane freigegeben und durch sie kann nun der Wind von der einen zur anderen Bohrung fließen. Im Prinzip die gleiche Funktionsweise, wie sie später auch bei Koppeln zur Verwendung gelangte, nur daß die mechanische Komponente durch Winddruck ersetzt wurde.


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Bild 4
Detailansicht des Registerapparats. Der Apparat wird in der oberen Hälfte über eine Bohrung ständig mit Wind beaufschlagt, von welcher zu jeder Membrane eine weitere Bohrung an die Vorderseite führt. Unterhalb dieser führt eine weitere Bohrung in den Apparat zurück und wird an der Unterseite durch ein Messingrohr weitergeführt. Wie schon beschrieben, wird durch die Freigabe einer Membrane durch ziehen des Registers eine Verbindung von der oberen zur unteren Bohrung freigegeben und das Register eingeschalten.


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Bild 5
Jetzt wird es für die in Orgelbautechnik kundigen oder daran interessierten Leser interessant. Wir sehen den Superoktavkoppelapparat. Es ist dies eine halb mechanisierte Weigle-Stecherkoppel. Anstelle der Windkammer, welche die Membran mit den Stechern gegen die Rückschlagklappen drückt, ist hier eine Federleiste vorhanden, die die Stecher bei ausgeschaltener Koppel festhält und bei eingeschaltener Koppel durch den erkennbaren Keilbalg nach außen bewegt und somit die Stecher freigibt. Eine interessante Interpretation des Weigle-Systems durch Späth.


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Bild 6
Andere Ansicht des Oktavkoppelapparats. Der im Unterbau erkennbare Apparat mit den Bleirohren ist der Pedalspielapparat mit integrierter Pedalkoppel. Die Bleirohre gehören zu letzerer.


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Bild 7
Einschaltapparat der Oktavkoppel mit Hubmembranbetätigung. Das nach links führende Bleirohr größeren Durchmessers füllt bzw. entlastet den Keilbalg, welcher die Druckleiste für die Koppelstecher bewegt.


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Bild 8
Detailansicht des Pedalspielapparats, welcher als Wechselwindapparat konstruiert ist. Die Tasten der Pedalklaviatur drücken dabei die durch Augenfedern fixierten Klappen auf, welche Bohrungen zur Entlastung freigeben.


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Bild 9
Blick unter den Pedalspielapparat mit den Klappenventilen, dem Papprohr für die Windversorgung dieses Apparats und der Einschaltung für die Pedalkoppel im Hintergrund.

Bild 10
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Und noch ein interessantes Detail am Rande. Das Metallpfeifenwerk hat Späth für diese Orgel teilweise zugekauft. Unter dem Dreifaltigkeitsberg wurden zu dieser Zeit noch fleißig qualitativ hochwertige Metallpfeifen hergestellt : -)


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