Weise - Kreuz und quer durch die Oberpfalz

Stimmeisen, Sonntag, 18. Mai 2025, 18:41 (vor 478 Tagen) @ MCVL

Ganz herzlichen Dank für Deinen Forscherfleiß, und, daß Du dessen Ergebnisse mit uns teilst!

Ich darf ergänzen:


Amberg, kath. Stadtpfarrkirche St. Georg

Fettdruck und Ergänzungen geben die Disposition der Edenhofer-Orgel wieder. Dieses Instrument war für der sehr großen Kirchenraum eklatant "untermotorisiert", deshalb die erhebliche Erweitertung durch Weise.


Erbaut 1941
Pneumatische Traktur - Kegelladen
Teile der Vorgängerorgel von Ludwig Edenhofer/Deggendorf 1904 verwendet

I. Manual C-g3
1) Bourdon 16'
2) Principal 8'
3) Tibia 8'
4) Viola di Gamba 8'
5) Octav 4'
6) Traversflöte 4'
7) Cornett 3-5fach
8) Mixtur 3fach 2'
9) Trompete 8'

ferner:
Mixtur 2 2/3' + 2' + 1 1/3'
Oberoktavkoppel I


II. Manual C-g3
10) Geigenprincipal 8'
11) Liebl. Gedeckt 8'
12) Salicional 8'
13) Spitzflöte 4'
14) Sesquialtera 2 2/3' + 1 3/5'
15) Nachthorn 2'

ferner:
Fugara 4'
Unteroktavkoppel II


III. Manual C-g3
16) Rohrflöte 8'
17) Quintatön 8'
18) Principal 4'
19) Nachthorn 2'
20) Blockflöte 2'
21) Nassard 1 1/3'
22) Scharf 4fach 1'
23) Krummhorn 8'
24) Clarine 4'

Pedal C-d1
25) Principalbaß 16'
26) Subbaß 16'
-Zartbaß 16' (Abschwächung)
27) Violonbaß 8'
28) Gedecktbaß 8'
29) Choralbaß 4'
30) Posaune 16'


Pfakofen, Lkr. Regensburg
1922, Membranenladen, nicht erhalten

Manual, C-f'''
Prinzipal 8'
Gedackt 8'
Flute harmonique 8'
Gamba 8'
Salicional 8'
Oktave 4'
Mixtur 2 2/3'

Pedal, C-d'
Subbaß 16'


Waffenbrunn, Lkr. Cham
1927, Membranenladen, erhalten

Manual I, C-g'''
Bordun 16'
Prinzipal 8'
Fernflöte 8'
Gamba 8'
Oktave 4'
Mixtur 3f. 2 2/3'

Manual II, im Schweller
Geigenprincipal 8'
Liebl. Gedeckt 8'
Quintatön 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Traversflöte 4'

Pedal, C-d'
Contrabaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'

Koppeln: OK I, OK II, MK/OK/UK II-I, PK I, PK II


Regensburg, Kirche des Priesterseminars
1934, opus 363, Membranenladen, nicht erhalten

Manual I, C-g'''
Principal 8'
Spitzflöte 8'
Quintade 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Mixtur 3-4f. 2 2/3'

Manual II, im Schweller
Gedeckt 8'
Gemshorn 8'
Salicional 8'
Nachthorn 4'
Rohrquint 2 2/3'
Blockflöte 2'
Terz 1 3/5'
Oboe 8'

Pedal, C-f'
Subbaß 16'
Zartbaß 16'
Octavbaß 8'

Koppeln: MK/OK/UK II-I, PK I, PK II


Kleiner Exkurs nach Niederbayern:

Bodenmais, Lkr. Regen
1940, opus 468, Membranenladen, erhalten

Manual I, C-f'''
Prinzipal 8'
Spitzflöte 8'
Viola da Gamba 8'
Octave 4'
Mixtur 3-4f. 2'

Manual II, im Schweller
Gedackt 8'
Salicional 8'
Quintade 8'
Nachthorn 4'
Blockflöte 2'
Spitzquinte 1 1/3'
Cimbel 3f.

Pedal, C-d'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Baßflöte 4'

Koppeln: OK/MK/UK II-I, PK I, PK II

Leider hat man die Orgel des Regensburger Priesterseminars, die sich in gutem Zustand befand, beim Umbau des Hauses vor etwa 20 Jahren durch eine neue ersetzt, meiner Meinung nach ein herber Verlust. Sie war außerordentlich klangschön, die Farben der Register ausgefeilt und vorzüglich aufeinander abgestimmt. Zur grandiosen Wirkung der Orgel trug auch der Kirchenraum bei; es ging durchaus in Richtung "Kathedralakustik". Mein Eindruck war, daß Weise seinem potentiellen Kundenkreis mit diesem Werk zeigen wollte, was er so drauf hatte.

Die Geringschätzung dieser Orgel und deren Abbruch waren für mich Anstoß, das Wirken der Fa. Weise näher zu erforschen. Auch pauschale Negativurteile an anderen Stellen wollte ich nicht so einfach akzeptieren.

Es ergibt sich nun für mich folgendes Bild:
Die Fa. Weise war ab den 1920er Jahren für etwa 60 Jahre ein Betrieb mit enormer Produktivität und überregionaler Bedeutung; der Abstand zu Steinmeyer ist diesbezüglich kleiner als gedacht. Die Fortschrittlichkeit und das kaufmännische Geschick von Michael Weise hat ihm in Ostbayern zu seiner Zeit die Marktführung beschert. Ich bin nicht ganz sicher, ob er die früheren "Platzhirsche" Siemann (München und Regensburg) und Edenhofer (Deggendorf) verdrängt hat oder ihnen einfach nachgefolgt ist. Bei Bedarf bekamen die Kunden sehr günstige Orgeln, indem Altmaterial (Register, Bälge etc.) Wiederverwendung fand.

Die Membranenladen mit konsequenter Abstrompneumatik von der Spielwindlade bis hin zur Tonmembran sind ein verhältnismäßig schnelles und zuverlässiges System, solange es keinen Verschleiß oder keine Holzschäden gibt. Die Kegelladen der Nachkriegszeit sind überaus solide und gekonnt konstruiert, so richtige Arbeitstiere, was ich auch von den Schleifladen behaupten möchte. Weise-Orgeln mit Schaumstoff auf den Ventilen oder Mechanikteilen aus Kunststoff sind mir persönich noch nicht untergekommen.

Bezüglich des Klanges kenne ich keine Weise-Orgel mit konsequent kernstichfreier Kernspaltenintonation auf offenen Füßen. Auch extreme Mensuren kamen nicht zum Einsatz, sodaß sich bei Instrumenten, die noch künstlerische Wünsche offen lassen, leicht Verbesserungen erzielen lassen. Ein kleines Detail: Besonders positiv ist mir die Intonation großer offener Holzpfeifen aufgefallen. Diese sprechen dank einer bewährten Kombination aus Seiten- und Rollenbärten sehr schnell und stabil an. Die meisten mir bekannten Weise-Orgeln haben durchaus eine gesunde Kraft und füllen ihre Räume gut. Die orgelbewegten Instrumente haben auch bei Weise "moderne" Dispositionen bei romantischer Intonation auf pneumatischen oder elektrischen Registerkanzellen. Regensburg, Priesterseminar (1934), Weiden, St. Augustinus (1935), Bodenmais (1940), wohl auch Niederalteich (1927, Ausgangspunkt für die "Weise-Mania" hier im Forum) bräuchten sich im internationalen Vergleich vermutlich nicht zu verstecken.

Einige Schattenseiten: Nicht immer kam bestes Material zum Einsatz. So bin ich z.B. schon sehr dünnwandigen Zinkpfeifen und grenzwertig schlecht verarbeiteten Pfeifen aus Altbeständen begegnet, die Weise besser nicht wiederverwendet hätte. Oft ist die Zugänglichkeit der Orgeln zu Wartung und Stimmung sehr unbefriedigend. Wenn bei den Membranenladen der Verschleiß in Form von brechenden Federchen, rissigem Leder und verrußten Nachstromdüsen einsetzt, werden die Störungen richtig unangenehm. Gleichwohl ist die Renovierung solch einer Orgel überlegenswert, sofern der Allgemeinzustand (Wurmbefall? Trocknungsrisse?) nicht allzu schlecht ist.

Doch genug der Pauschalierungen. Es kommt - wie immer - auf den Einzelfall an. Jedenfalls war die Fa. Weise bedeutender und produktiver als bislang bekannt und besser als ihr Ruf. Amen.


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