Hans Davidsson in der Marktkirche, Hannover

doppelfloete_h @, Hannover, Montag, 13. Februar 2012, 11:27 (vor 5325 Tagen)

An dieser Stelle ein kleiner Rückblick auf ein begeisterndes Konzert am vergangenen Wochenende...
Nach der furiosen Reger-Eröffnung durch Hausorganist Ulfert Smidt bestritt Hans Davidsson (Rochester/Bremen/Göteborg) das zweite Konzert der traditionellen Samstags-18Uhr-Reihe. Unter dem Motto "Suite für die liturgischen Feste des Kirchenjahres" gab es ein abwechslungsreiches, farbiges und unkonventionelles Programm.
Als "Preludium" eröffnete Davidsson an der italienischen Orgel von 1780 mit Frescobaldis Toccata quarta per l'elevazione aus dem Zweiten Buch der Toccaten. Ein sehr stimmungsvoller Beginn mit dem wunderbar vokalen Principale (+/- Voce umana). Genauso differenziert und zudem sehr klug registriert - im Hinblick auf die gewagte Harmonik - folgte die bekannte Toccata settima von Michelangelo Rossi.
Die folgenden Werke gabs dann allesamt von der großen Goll-Orgel aus. Und nicht in einer dem Kirchenjahr folgenden, vielleicht zu erwartenden Reihenfolge:
Als "Resurrexit" erklang Georg Böhms Praeludium in C - zum einen ungeheuer musikantisch ausgespielt, zum anderen absolut den mitteldeutschen Kern der Orgel herauskehrend, terzbetont, mit vielen Manualwechseln und so leichten dynamischen Schattierungen. Nach dem Schlussakkord vermutete so mancher Hörer einen (allerdings mehrstimmigen) Hänger, allerdings war dies der nahtlose (!) Übergang zum nächsten Stück. Zum Thema "Pentecoste" erklang im pianissimo der Beginn von "Linguae tamquam ignis" von Torsten Nilsson (1920-99) - eine echte Entdeckung. Reichlich Schwellergebrauch, faszinierende Farbeffekte, gregorianische Zitate, große dynamische Bandbreite.
Ohne große Pause wiederum folgte "In Nativitatis Domini", vertreten durch Matthias Weckmann: Gelobet seistu Jesu Christ (Secundus Versus). Wieder vermochte Davidsson mit seinen Registrierungen den Nerv der Musik zu treffen: Zu Beginn der oktavierte Dulcian des RP, begleitet von der Vox humana des Echo, später 4füßige Flöten, 8+2-Mischungen, Sesquialtera, das ganze "norddeutsche" Programm.
Dann, wieder attacca, Martin Herchenröders (*1961) Toccata and Lament zum Thema "Passion". Viel Rhythmik in den Toccaten-Abschnitten, wunderbare Streicherklänge aus dem SW im Lamento - keine übermäßigen Anforderungen an die Zuhörerschaft, ein in sich logisches und kompaktes Stück wie das von Nilsson, das seine Rolle in diesem Programm perfekt zu erfüllen mochte.
Es folgte "Ascensio", zunächst der satte Grundstimmenklang in Brahms' "O Welt, ich muss dich lassen" (op.122/III), dann das neulich schon erwähnte "Alléluias sereins" aus Messiaens "Himmelfahrt", in dem das Instrument mit seinen französischen Facetten punkten konnte - obwohl die Doppelflöte nun nicht per se französisch ist, aber einer Flûte harmonique eine würdige Alternative.
Wieder - scheinbar - heterogen und direkt im Anschluss und wie eine "logische" Fortsetzung erklang als feierliches Stück zu "Trinitatis" die Es-Dur-Fuge aus Bachs Drittem Theil (Teil oder wie auch immer...). Davidsson trennte die Themen registrierungstechnisch wirkungsvoll. Zunächst das würdevolle, nie aufdringliche 16'-Plenum mit Mixtur major, dann 8'4'2' im SW und über die "Zwischenstation" RP mit gekoppeltem SW zurück zum HW, diesmal verstärkt durch die Mixtur minor und Sesquialter im RP. Gerade das letzte Thema brachte nocheinmal viel Schwung für einen wunderbaren, runden Abschluss dieses Abends.
Mutete die Programmgestaltung zunächst ein wenig "bunt" an - willkürlich war sie keineswegs, wie sich herausstellte. Gerade auch das "Fehlen" von Pausen zwischen den einzelnen Stücken brachte eine bezwingende Logik in die Sache und eröffnete "neue" Sichtweisen auf die bekannten Stücke und einen irgendwie "hilfreichen" Ansatz für die "Neue" Musik. Das hat Spaß gemacht! - und der Mitschnitt tut es gerade immer noch...

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