Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
Ben Hur, Stummfilm von 1925. Den Plot will ich hier nicht ausbreiten. Da ist vieles drin, Politische und kulturelle Unterdrückung, Freiheitsethos, Sklavenarbeit, Liebesgeschichte, Verrat, Action und Gemetzel. Und zur Garnierung auch noch eine Lebensgeschichte Christi in Kurzform.
Handwerklich zu seiner Zeit sicher absolut super. Und auch heute noch beeindruckend. Kurios bis grotesk freilich die Überzeichnungen (vermutlich stummfilmtypisch): Maria eine Madonnengestalt, Ben Hur im Batmankostüm, die übrigen Juden alles sagenhafte Ghettogestalten, die Frauen im Ideal der Zwanziger, die Römer uniformverliebte, großspurige Hohlköpfe usw.
Die Leinwand stand vor dem Altar. Ein Beamer als Programmquelle. Aus dem Mittelschiff konnte man also gut sehen. Dort fanden die ca. 50 Hörer denn auch gut Platz. Das sehr spezielle Programm, die angekündigte Länge von 142 Minuten und die trotz geheizter Kirche zu erwartende Kälte hatten die Hörerzahl erwartungsgemäß gedrückt.
Star des Abends war allerdings weder der Film noch seine verschiedenen Botschaften, auch nicht seine Darsteller und Macher, sondern Otto Maria Krämer, der hinter dem Altar und damit auch hinter der Leinwand verborgen sein Handwerk betrieb, nämlich über die volle Zeit des (pausenlosen) Films musikalisch passend präsent zu sein. Ein Monitor auf dem Spieltisch ermöglichte ihm die Synchronität mit dem Filmgeschehen.
Was Krämer da zauberte, war schon phänomenal. Gewiß, die Orgel bietet auch so manches; Krämer wußte das zu nutzen. Er brachte sanfte Töne ebenso wie herbe Attacken in den Action-Szenen. Dem Kirchenraum angemessen gab es keine “volkstümlichen” Melodien sondern stets mäßig moderne Harmonien (modal?). Auch Zitate an bekannte Weisen gab es nur vereinzelt (“O Haupt voll Blut und Wunden” in der via dolorosa). Auf die naheliegende Idee, Leitmotive zu benutzen, war Krämer nicht verfallen. Das hätte dann vermutlich zu einer “Verwagnerung” geführt.
Staunenswert war bei alledem die Konzentrationsleistung. Schließlich galt es, über mehr als zwei Stunden dicht am Geschehen zu bleiben. So etwas kann sicher nur machen, wer den Film, die Szenen und Abläufe gut kennt. Respekt!
Am Ende war der Beifall sofort da, schwoll beachtlich an und dauerte, bis Krämer auf seine Armbanduhr tippte. Danach dann aber doch noch angeregte Gespräche mit dem Künstler im Chorraum.
Gruß Clemens Schäfer
P.S.: 05.03.2012, 19:30h, St. Lambertus: Gerben Mourik, Oudewater, Nederland
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)
Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
Hallo Forum,
Ben Hur, Stummfilm von 1925. Den Plot will ich hier nicht ausbreiten. Da ist vieles drin, Politische und kulturelle Unterdrückung, Freiheitsethos, Sklavenarbeit, Liebesgeschichte, Verrat, Action und Gemetzel. Und zur Garnierung auch noch eine Lebensgeschichte Christi in Kurzform.
Handwerklich zu seiner Zeit sicher absolut super. Und auch heute noch beeindruckend. Kurios bis grotesk freilich die Überzeichnungen (vermutlich stummfilmtypisch): Maria eine Madonnengestalt, Ben Hur im Batmankostüm, die übrigen Juden alles sagenhafte Ghettogestalten, die Frauen im Ideal der Zwanziger, die Römer uniformverliebte, großspurige Hohlköpfe usw.
Die Leinwand stand vor dem Altar. Ein Beamer als Programmquelle. Aus dem Mittelschiff konnte man also gut sehen. Dort fanden die ca. 50 Hörer denn auch gut Platz. Das sehr spezielle Programm, die angekündigte Länge von 142 Minuten und die trotz geheizter Kirche zu erwartende Kälte hatten die Hörerzahl erwartungsgemäß gedrückt.
Star des Abends war allerdings weder der Film noch seine verschiedenen Botschaften, auch nicht seine Darsteller und Macher, sondern Otto Maria Krämer, der hinter dem Altar und damit auch hinter der Leinwand verborgen sein Handwerk betrieb, nämlich über die volle Zeit des (pausenlosen) Films musikalisch passend präsent zu sein. Ein Monitor auf dem Spieltisch ermöglichte ihm die Synchronität mit dem Filmgeschehen.
Was Krämer da zauberte, war schon phänomenal. Gewiß, die Orgel bietet auch so manches; Krämer wußte das zu nutzen. Er brachte sanfte Töne ebenso wie herbe Attacken in den Action-Szenen. Dem Kirchenraum angemessen gab es keine “volkstümlichen” Melodien sondern stets mäßig moderne Harmonien (modal?). Auch Zitate an bekannte Weisen gab es nur vereinzelt (“O Haupt voll Blut und Wunden” in der via dolorosa). Auf die naheliegende Idee, Leitmotive zu benutzen, war Krämer nicht verfallen. Das hätte dann vermutlich zu einer “Verwagnerung” geführt.
Staunenswert war bei alledem die Konzentrationsleistung. Schließlich galt es, über mehr als zwei Stunden dicht am Geschehen zu bleiben. So etwas kann sicher nur machen, wer den Film, die Szenen und Abläufe gut kennt. Respekt!
Am Ende war der Beifall sofort da, schwoll beachtlich an und dauerte, bis Krämer auf seine Armbanduhr tippte. Danach dann aber doch noch angeregte Gespräche mit dem Künstler im Chorraum.
Gruß Clemens Schäfer
P.S.: 05.03.2012, 19:30h, St. Lambertus: Gerben Mourik, Oudewater, Nederland
Danke Clemens und bravo Otto!!! Jetzt weisste aber, lieber Otto, was wir in Scharmassing machen werden, wenn Du das nächste Mal da bist :-))
Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
im Keller...?
LG,
Otto
Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
im Keller...?
LG,
Otto
YES! Im Kino!
Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
Danke Herr Schäfer - Ihr Kritik tut richtig gut.
Und, es war schön, Sie kenne gelernt zu haben, beim nächsten Mal vielleicht mit etwas mehr Zeit dahinter...
Viele Grüße,
Otto Krämer
Otto Maria Krämer in St. Lambertus, D-Altstadt
Dem Bericht ist nichts hinzuzufügen. Es war beeindruckend!!!
Danke, Otto!
Gruß ... Frank