Susan Kuhlen, Prof. Dr. Scherers in St. Andreas, D-Altstadt

Clemens Schäfer @, Düsseldorf, Sonntag, 05. Februar 2012, 17:31 (vor 5333 Tagen)

Hallo Forum,

“Kommense rein, drinnen ist auch nicht viel wärmer” begrüßte mich Herr Lintorf, der Jahr um Jahr, Sonntag um Sonntag an der Türe von St. Andreas steht, Programmzettel verteilt, allzu aufdringliche Obdachlose und Betrunkene abwehrt und nach dem Konzert die mitunter kärgliche Kollekte hält. Von dieser Stelle ein herzlicher Dank.

Ein Pater eilte in die Sakristei und schleppte von dort einen schweren Eimer in eine Ecke des Altarraums. Bei der Begrüßung entschuldigte er sich: “Die Heizung läuft nicht. Wir haben uns da selbst ausgetrickst. Bei weniger als 40% Luftfeuchtigkeit schaltet die Heizung zum Schutz von Inventar und Orgel ab. Und Kälte ist trocken...” Offenbar hatte er den Eimer mit Wasser unter dem Thermostaten abgestellt, um diesem Luftfeuchtigkeit vorzugaukeln. Der aber war schlau oder träge: Jedenfalls war ein Effekt während des Konzertes nicht mehr zu spüren.

Dennoch lohnte das Ausharren. Selten zu hören ist sicherlich Orgelmusik von Dvorak. Prof. Dr. Bernd Scherers spielte Praeludium und Fuge D-Dur. Frisch und klar - kaum romantisch gefärbt. Danach drei biblische Lieder für Sopran und Orgel vom gleichen Komponisten.(Gott ist mein Hirte, Herr, o mein Gott, An den Wassern zu Babylon). Schöne, einfache Weisen über zurückhaltender Begleitung.

Klangschön und flüssig drei Monologe von Rheinberger, sowie vier geistliche Gesänge (Ich bin des Herrn, Vater unser, Nachtgebet, Ave Maria) von nämlichem. Susan Kuhlen (Sopran, Bielefeld) sang sehr schöne Vocalisen. Sorry, aber die Textverständlichkeit war zumindest im vorderen Drittel der Kirche (kein großer Hall!) überaus mäßig. Vielleicht hat sie bei Dvorak sogar tchechisch gesungen. Mit dem “prima la musica...” habe ich so meine Probleme.

Mit “Ave verum” von Langlais ging es weiter. Der Abschluß war dann grandios: Scherers spielte die “Meditation Mater Gratiae” von Langlais. Ein eindrucksvolles Stück. Aufsteigende Raketen auf einen hohen Halteton, wiederholt, aber variiert. Herrliche Akkordfolgen, schneidend, herb und doch folgerichtig. Am Ende wieder diese Aufstiege himmelwärts. Sehr hörenswert. Ich fürchte, da gibt es noch viele Schätze zu heben. Mehr Langlais in die Programme!!!

Knapp 40 Hörer. Leicht eingefrorener Applaus.

Gruß Clemens Schäfer

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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)

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