Odilo KLasen in St.Elisabeth, D-Flingern, 14.02.2011
Hallo Forum,
Odilo Klasen hatte ein sehr schönes Programm zusammengestellt. Blieb nur die Frage, ob und wie sich dieses in St. Elisabeth, D-Flingern, darstellen lassen würde. In diesem neoromanischen Raum (dreischiffige Basilika mir Flachdecken) steht eine bislang unveränderte Klais-Orgel von 1060. Und die liest sich so:
I Positiv C-g3
Holzgedackt 8
Pommer 4
Principal 2
Terz 1 3/5
Sifflöte 1
Cymbel 3f.
II Hauptwerk C-g3
Quintade 16
Principal 8
Rohrflöte 8
Octav 4
Gemshorn 4
Spitzquinte 3 2/3
Superoctave 2
Mixtur 6-8f.
Trompete 8
III Récit (Schwellwerk) C-g3
Holzflöte 8
Viola da Gamba 8
Principal 4
Singend Gedackt 4
Waldflöte 2
Nasard 1 1/3
Sesquialtera 1-3f. 3 3/3
Scharf 4f.
Schalmey 8
Tremolo
Pedal C-f1
Principal 16
Subbaß 18
Offenbaß 8
Bartpfeife 4
Nachthorn 4
Nachthorn 2
Hintersatz 5f. 2 2/3
Posaune 16
III/II, I/II, III/P, I/P auch über Pistons
Handregister, 2 freie Kombinationen, Tutti, freie Pedalkombination, Zungenabsteller
(Quelle: Programmheft “Winterliche...”)
Und darauf sollte es geben:
Liszt, Weinen Klagen
Alain, 1er et 2e Fantaisie
Callhoff, Heptameron
Ritter, 3. Sonate
Es ging. Und zwar erstaunlich gut. Jeden Weihrauchs beraubt kam Liszt in aller Modernität zum Vorschein. Sicher gewöhnungsbedürftig. Aber sehr klar und kantig. Klasen hatte in seinen Eingangsworten gemeint, der Schwiegervater sei wohl moderner als der Schwiegersohn. Was hier demonstriert wurde. Nur wenn am Ende der Choral “Was Gott tut, das ist wohlgetan” in einer “in dulci jubilo”-Registrierung daherkommt (Ganz oben und hell, fast piepsig) ist der dynamische Abstand zur mf-Wiederholung zu groß. Aber das ist nur eine Randnotiz.
Gut zurecht kamen Orgel und Spieler auch mit Alain. Die Fantasien wurden als beredte Fragen in den Raum gestellt.
Wie gemacht für dieses Instrument klangen die sieben kurzen Orgelstücke von Herbert Callhoff (*1933) “Heptameron” aus den Jahren 1979/80. Teilweise sind gregorianische Choräle verarbeitet, Spezialität Callhoffs scheinen suchende Aufschwünge zu sein, die in entlegenen Harmonien/Disharmonien enden. Hörenswerte Musik eines Stils, der schon wieder fast vergessen scheint.
Ritters dritte Sonate kam bei Klasen betont virtuos. Schnelle Tempi wischten alles Betuliche, das man hier auch schon mal zu hören bekommt, hinweg. Rasch war der erste Satz, beinahe ein Furioso. Das Rezitativ war spannend erzählt, der Übergang zum “Nicht schleppend” dauerte - orgelbedingt, es mußte einiges umregistriert werden - einige Zehntelsekunden zu lange. Wenn man so etwas merkt, dann zeigt das doch, wie sehr man auf das folgende wartete: Mit anderen Worten, der Ablauf war überaus schlüssig. Geschleppt wurde dann in der Tat nicht. Und auch der Rest kam überzeugend. Nicht verheimlichen will ich aber, daß mir der scharfe Charakter der Orgel zunehmend lästig wurde. Einen etwas sonoreren Schlußakkord hätte Ritter schon verdient gehabt. Geht hier halt nicht.
Gegend und Kirche waren übrigens im Juli 2000 Gegenstand aktueller Berichterstattung über einen Sprengstoffanschlag in unmittelbarer Nähe, bei dem es Tote und Verwundete gab, Die Kirche wurde damals zum improvisierten Verbandsplatz; die Betroffenen erfuhren hier ersten Beistand. Das Verbrechen ist bis heute nicht aufgeklärt.
Gruß Clemens Schäfer
P.S. Am kommenden Montag hat man die Qual der Wahl: Nächstes Winterliches in in St Suitbertus, D-Kaiserswerth mit Markus Belmann oder Wiedereröffnung von St. Peter mit Marcel Andreas Ober.
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Forte heißt nicht laut sondern kräftig,
Piano nicht schwach sondern leise!
(Arthur Rubinstein)